Suche
Kopfbild

MLP Studentenwohnreport 2026: Studentisches Wohnen bleibt Kostenrisiko

(30.09.2026) Der Finanzdienstleister MLP hat gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft den MLP Studentenwohnreport 2026 vorgelegt. Die BAföG-Wohnkostenpauschale reicht für eine studentische Musterwohnung in Deutschland fast nirgends.

Hypothetische monatliche Mietkosten für eine studentische Musterwohnung (30 m2) und Studentenwohnpreisindex (Grafik: MLP, Value AG, IW) 

Prof. Dr. Michael Voigtländer, Immobilienökonom am Institut der deutschen Wirtschaft: „Die geringere Dynamik ist noch keine Trendwende. Bezahlbare kleine Wohnungen bleiben in vielen Hochschulstädten knapp. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie die daraus resultierenden rückläufigen Fertigstellungen bremsen den dringend benötigten Ausbau des Angebots. Zusätzliche Regulierung sollte deshalb sorgfältig daraufhin geprüft werden, ob sie Investitionen und Vermietung ungewollt weiter erschwert.”

BAföG-Pauschale reicht nur in Chemnitz aus

Wie hoch die Mietkosten an den einzelnen Hochschulstandorten ausfallen und welch große regionale Unterschiede es hier gibt, zeigen die studentische Musterwohnung mit 30 m² sowie ein hypothetisches WG-Zimmer mit 20 m². Ausgewiesen sind jeweils kalkulierte Warmmieten. Am teuersten ist die Musterwohnung in München mit rund 880 Euro monatlich, gefolgt von Berlin, Frankfurt und Köln sowie Hamburg und Heidelberg mit etwa 700 bis 720 Euro. Am günstigsten ist Chemnitz mit rund 280 Euro. Auch beim Muster-WG-Zimmer reicht die Spanne von rund 850 Euro in München bis rund 220 Euro in Chemnitz.

Mit der derzeit geltenden BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro lässt sich die Miete der studentischen 30 m² kaum decken. Studierende mit eigener Haushaltsführung gaben 2025 nach Auswertungen des Statistischem Bundesamtes durchschnittlich rund 54 % ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für Wohnen aus, mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung. 65 % galten nach Eurostat-Definition als wohnkostenüberbelastet.

Wohnungsgröße für den BAföG-Wohnkostenzuschlag (Grafik: MLP, Value AG, IW) 

Studentenwohnpreisindex 2026

Kernstück des Reports ist der Studentenwohnpreisindex, der die qualitäts- und lagebereinigte Entwicklung öffentlich inserierter Neuvertragsmieten abbildet.

Im 1. HJ 2026 lagen die Mieten durchschnittlich um 2,6 % über dem Vorjahresniveau. Kleine Wohnungen verteuerten sich mit 3,5 % am stärksten, WG-Angebote stiegen um 2,3 % und möblierte Wohnungen auf Zeit um 2,0 %.

Die Entwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus: Die höchsten Zuwächse in den letzten drei Jahren verzeichneten Hamburg und Saarbrücken mit jeweils 5,8 % sowie Bochum mit 5,5 % pro Jahr. Vereinzelte Rückgänge im vergangenen Jahr, wie in Berlin, Frankfurt und Köln, sind vor dem Hintergrund des bereits hohen Preisniveaus, veränderter Angebotsstrukturen und kurzfristiger regionaler Sondereffekte zu bewerten.

Bei der Entwicklung des Wohnangebots für Studierende zeigt sich 2026 ein gemischtes Bild. An knapp der Hälfte der untersuchten Hochschulstandorte ist das öffentlich sichtbare Angebot in den studentischen Wohnsegmenten gestiegen. Die Angebote legten in Regensburg, Saarbrücken, Münster, Darmstadt und Bochum zu. Zugleich verzeichnen Dresden, Rostock sowie Frankfurt, Berlin, Hamburg und Düsseldorf spürbare Rückgänge. Insgesamt haben vor allem WG-Angebote zugenommen.

Erstmals untersucht: Bautätigkeit an den Hochschulstandorten

Zwar wird an nachfragestarken Hochschulstandorten weiterhin überdurchschnittlich viel gebaut, dennoch reicht dies nicht aus, um die bestehende Wohnraumknappheit abzubauen. Gleichzeitig hat die Bautätigkeit in den letzten Jahren an rund zwei Dritteln der untersuchten Standorte nachgelassen. Die Folgen der seit 2022 eingebrochenen Baugenehmigungen werden somit zunehmend sichtbar. Es spricht vieles dafür, dass das Wohnungsangebot auch künftig nicht mit der Nachfrage Schritt halten kann.

Wohnraum bleibt Standortfaktor für Hochschulstädte

Neben kleinen Wohnungen und WG-Zimmern gewinnen möblierte Wohnungen auf Zeit an Bedeutung, auch bei kurzfristigem Wohnbedarf (z.B. bei Auslandssemestern). Vorübergehende demografische Effekte wie die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium können die Nachfrage regional zeitweise abschwächen. Die diesjährige Sonderauswertung zeigt, dass nach einem vorübergehenden leichten Rückgang die Studierendenzahlen wieder weiter ansteigen und bis 2040 über dem heutigen Niveau liegen werden. Somit wird für viele Hochschulstandorte der Druck auf die Wohnungsmärkte perspektivisch wieder zunehmen.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

Impressum | Datenschutz | © 1997-2026 BauSites GmbH