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Starkregenschutz: Maßnahmen zur Reduzierung von Überflutungsrisiken

(30.10.2026) Starkregenereignisse stellen Städte und Kommunen vor wachsende Herausforderungen. Überlastete Kanalisationen, versiegelte Flächen und fehlende Rückhalteräume erhöhen das Risiko lokaler Überschwemmungen. Das Beratungsunternehmen Drees & Sommer erläutert, mit welchen planerischen, baulichen und wasserwirtschaftlichen Maßnahmen Kommunen ihre Infrastruktur an extreme Niederschläge anpassen können.

Regenwasser als Ressource: Grünflächen, Mulden und Rigolen helfen, Niederschlagswasser vor Ort zu sammeln, versickern zu lassen und sinnvoll zu nutzen. (Bild: Drees & Sommer) 

Starkregen erfordert angepasste Stadt- und Infrastrukturplanung

Deutschland gehört laut Klima-Risiko-Index 2026 der Umweltorganisation Germanwatch zu den 30 weltweit am stärksten von Extremwetter betroffenen Staaten. Bereits 2021 kam eine Untersuchung der internationalen Forschungsinitiative World Weather Attribution zu dem Ergebnis, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit schwerer Starkregenereignisse in Westeuropa um das 1,2- bis 9-Fache erhöht hat. Besonders problematisch sind lokal begrenzte Niederschlagsereignisse, bei denen innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen anfallen. Die bestehende Stadtentwässerung ist häufig nicht für solche Belastungen ausgelegt. „Unsere urbane Infrastruktur ist auf derartige Wassermengen nicht ausgelegt. Teilweise fehlen in Städten grundlegende Elemente wie Grünflächen zur Wasserspeicherung, getrennte Regen- und Schmutzwassersysteme oder ausreichend bemessene Notabflüsse”, erklärt Philipp Alber, Experte für wasserbewusste Stadtentwicklung bei Drees & Sommer.

Starkregengefahrenkarten: Grundlage der Risikobewertung

Eine wesentliche Voraussetzung für wirksame Schutzmaßnahmen ist die systematische Analyse vorhandener Gefährdungen. Kommunen sollten ihre Entwässerungsanlagen, Gewässer und bestehenden Hochwasserschutzeinrichtungen regelmäßig überprüfen und mögliche Schwachstellen identifizieren. Als Planungsgrundlage können die bundesweite Hinweiskarte zu Starkregengefahren sowie ergänzende Starkregengefahrenkarten einzelner Bundesländer dienen. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Baden-Württemberg verfügen beispielsweise über entsprechende landesspezifische Kartenwerke. Besondere Aufmerksamkeit erfordern kritische Infrastrukturen wie Krankenhäuser, Feuerwachen und Notunterkünfte. Deren Erreichbarkeit muss auch bei überfluteten Verkehrswegen gewährleistet bleiben.

Schwammstadtprinzip: Regenwasser aufnehmen und speichern

Ein zentraler Ansatz zur Anpassung urbaner Räume ist der Ausbau blau-grüner Infrastruktur. Dabei werden Grünflächen, Gewässer, technische Speicher und dezentrale Entwässerungssysteme miteinander kombiniert. Das sogenannte Schwammstadtprinzip verfolgt das Ziel, Regenwasser möglichst dort zurückzuhalten, wo es anfällt. Parks, Grünzüge und urbane Freiflächen können bei starken Niederschlägen als temporäre Rückhalteräume dienen. Ergänzend tragen Dach- und Fassadenbegrünungen dazu bei, Niederschlagswasser zeitweise zu speichern, Verdunstung zu fördern und die thermische Belastung urbaner Räume zu reduzieren. „Um sich auf Extremwetter wie Starkregen wirksam anzupassen, müssen Städte und Kommunen die blau-grüne Infrastruktur deutlich ausbauen. Sie verbindet Grünflächen mit smartem Wassermanagement und moderner Technik und stärkt die Widerstandsfähigkeit von Städten”, erläutert Gregor Grassl, Associate Partner bei Drees & Sommer.

Entsiegelung entlastet die Kanalisation

Versiegelte Flächen aus Asphalt oder Beton verhindern weitgehend, dass Regenwasser in den Untergrund eindringen kann. Bei Starkregen gelangt das Niederschlagswasser dadurch unmittelbar in die Kanalisation oder fließt oberflächlich ab. Durch Entsiegelungsmaßnahmen lässt sich dieser Effekt reduzieren. Geeignete Lösungen sind unter anderem Rasengittersteine, wasserdurchlässige Pflasterbeläge und begrünte Wegeflächen. Diese ermöglichen eine dezentrale Versickerung und können sowohl die Kanalisation entlasten als auch zur Grundwasserneubildung beitragen. Wo eine vollständige Entsiegelung nicht möglich ist, empfiehlt Drees & Sommer, zusätzliche Rückhaltemöglichkeiten zu prüfen. Dazu zählen beispielsweise begrünte Dächer und technische Regenwasserspeicher.

Beispiele gelungener Stadtentwicklung

Potsdamer Platz: Vier Zisternen mit 2.550 m³ Speichervolumen

Wie sich Regenwasserrückhaltung und Ressourcenschonung miteinander verbinden lassen, zeigt das Stadtentwicklungsprojekt Potsdamer Platz in Berlin. Drees & Sommer begleitete dessen Umsetzung als General Construction Manager. Dort wurden vier Zisternen mit einem gesamten Speichervolumen von 2.550 m³ integriert. Das gesammelte Niederschlagswasser wird sowohl zur Rückhaltung als auch zur weiteren Nutzung eingesetzt.

Zu den Anwendungsbereichen zählen:

  • Toilettenspülungen
  • Bewässerung von Grünflächen
  • Feuerlöschsysteme

Durch die Regenwassernutzung wird nach Angaben des Unternehmens eine Trinkwassermenge eingespart, die dem jährlichen Bedarf von etwa 150 bis 200 Personen entspricht. Das Beispiel verdeutlicht, wie sich Maßnahmen zur Starkregenvorsorge zugleich für die Anpassung an längere Trockenperioden nutzen lassen.

Retentionsflächen und Mulden-Rigolen-Systeme

Neben der dezentralen Speicherung können größere Rückhalteanlagen dazu beitragen, Abflussspitzen bei Starkregen zu reduzieren. Ein Beispiel ist das Regenüberlaufbecken unter dem Schwanenplatz in Stuttgart. Die Anlage verfügt über ein Fassungsvermögen von rund 18 Mio. Litern und kann laut Drees & Sommer Wassermengen aufnehmen, die dem Inhalt von 665 Badewannen pro Sekunde entsprechen.

Weitere Möglichkeiten bieten naturnah gestaltete Retentionsflächen sowie Mulden-Rigolen-Systeme. Bei diesen Anlagen wird Niederschlagswasser zunächst oberflächennah gesammelt und anschließend in unterirdischen Speicherräumen zwischengespeichert. Von dort kann es zeitverzögert in den Boden versickern. Auch natürliche Überflutungsflächen und Gewässerräume sollten nach Ansicht der Experten stärker in die Stadt- und Landschaftsplanung einbezogen werden. „Stattdessen sollte das Wasser kontrolliert zurückgehalten und gespeichert werden. Dafür gilt es, natürliche Landschaftsstrukturen und Retentionsräume stärker in der Planung zu berücksichtigen”, betont Gregor Grassl.

Weitere Klimaanpassungsprojekte

Drees & Sommer begleitet bereits verschiedene Kommunen und öffentliche Auftraggeber bei der Entwicklung entsprechender Anpassungskonzepte.

  • Berlin-Lichtenberg: Für 24 Schulliegenschaften ließ das Straßen- und Grünflächenamt das Potenzial einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung untersuchen. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für weitere Maßnahmen.

  • Landkreis Cochem-Zell: Der Landkreis in Rheinland-Pfalz erarbeitet ein umfassendes Klimaanpassungskonzept, das die regionalen Auswirkungen des Klimawandels berücksichtigt.

  • Potsdam, Telegrafenberg: Am Wissenschaftsstandort Telegrafenberg sind nach Angaben von Drees & Sommer bereits 78 % des Baumbestands durch Hitze und Trockenheit geschädigt. Ein Landschaftskonzept soll die langfristige Anpassung des Areals unterstützen.

  • Kreis Düren und Stadt Dormagen: Beide Kommunen entwickeln auf Grundlage von Betroffenheitsanalysen individuelle Klimaanpassungskonzepte.

  • Hamburg-Jenfeld: Die Helmut-Schmidt-Universität plant eine klimaneutrale Campusentwicklung. Bestandteil der Masterplanung ist ein Regenwassermanagement nach dem Schwammstadtprinzip.

Starkregenvorsorge frühzeitig in Bauprojekte integrieren

Maßnahmen zur Starkregenvorsorge sollten möglichst frühzeitig in Neubau-, Umbau- und Stadtentwicklungsprojekte einbezogen werden. Dadurch lassen sich Synergien zwischen Entwässerungsplanung, Freiraumgestaltung und Regenwassernutzung schaffen. Neben dem Schutz vor Überflutungen können dezentrale Speicher, begrünte Flächen und wasserdurchlässige Beläge auch dazu beitragen, den Trinkwasserbedarf zu reduzieren und das Stadtklima während längerer Hitzeperioden zu verbessern.

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