Sanierung komplexer Abwasserschächte mit maßgefertigten Schacht-in-Schacht-Systemen
(29.10.2026) Bei der Sanierung von Abwasserschächten erschweren große Einbautiefen, ungewöhnliche Anschlussgeometrien und angrenzende Versorgungsleitungen häufig die Bauausführung. Rehau Water Technologies hat in Freiburg im Breisgau und Reichenbach im Vogtland zwei Bestandsbauwerke mit individuell gefertigten Schacht-in-Schacht-Systemen erneuert. Grundlage waren präzise 3D-Vermessungen und werkseitig vorgefertigte Komponenten aus Polypropylen (PP).
Schacht-in-Schacht-Verfahren reduziert Eingriffe in den Bestand
Bei dem Verfahren wird zunächst die vorhandene Schachtgeometrie mittels 3D-Laservermessung erfasst. Auf dieser Grundlage fertigt Rehau einen Awaschacht der nächstkleineren Nennweite, dessen Gerinne, Zuläufe und Übergänge auf die jeweilige Bestandssituation abgestimmt sind.
Der vorhandene Altschacht verbleibt als verlorener Verbau im Erdreich. Das beschädigte Gerinne wird ausgestemmt und durch ein vorgefertigtes Awaschacht-Gerinne ersetzt. Zur Ausrichtung werden Absperrblasen eingesetzt. Auf diese Weise entsteht innerhalb des vorhandenen Bauwerks ein neuer, dichter und statisch belastbarer Schacht.
Da die bestehende Schachtstruktur weitgehend erhalten bleibt, lassen sich umfangreiche Erdarbeiten und Eingriffe in angrenzende Infrastrukturen reduzieren. Die individuelle Vorfertigung ermöglicht zugleich die Integration ungewöhnlicher Anschlussgeometrien und unterschiedlicher Rohrnennweiten.
Freiburg: Schachtsanierung unter einer Straßenbahntrasse
In Freiburg im Breisgau musste ein sanierungsbedürftiger Beton-Hauptsammler DN 1500 in rund 6 m Tiefe erneuert werden. Der Schacht befand sich unmittelbar unter einer Straßenbahntrasse mit aktiver Oberleitung. Weitere Herausforderungen waren drückendes Grundwasser und mehrere großdimensionierte Zuläufe.
Besonders schwierig war die Anschlussgeometrie: Zwei Zuläufe DN 1100 und DN 700 lagen hinter dem bestehenden Schacht dicht nebeneinander. Beide mussten innerhalb des kleineren neuen Schachtquerschnitts an ihren ursprünglichen Positionen angeschlossen werden. Die erforderliche 3D-Bestandsaufnahme wurde nachts durchgeführt, als die Straßenbahn planmäßig nicht verkehrte. Das drückende Grundwasser hatte eine Fachfirma bereits vor Beginn der eigentlichen Sanierung mit Mörtel abgedichtet. Auf Grundlage der Vermessungsdaten entwickelte Rehau eine hydraulisch und geometrisch optimierte Sonderkonstruktion. Zentrales Bauteil war ein maßgefertigter Schachtboden DN 1400, der aus massivem PP-Blockmaterial gefräst wurde.
Da sich die beiden großen Zuläufe in kreisrunder Ausführung innerhalb des neuen Schachtkörpers überschnitten hätten, erhielten sie eine ovale Sondergeometrie. Die Verbindung mit dem Bestand erfolgte über spezielle Packer. Zusätzlich wurden Zuläufe DN 300 und DN 600 integriert. Der weitere Schachtaufbau bestand aus einem Wickelrohr DN 1300 sowie einem Standard-Awaschacht DN 1000 mit Übergang auf einen Konus. Damit kombinierte Rehau individuell gefertigte Sonderbauteile mit Komponenten des bestehenden Schachtsystems.
Einbau des Schachtgrundkörpers innerhalb eines Tages
Für die Arbeiten konnte eine dreiwöchige Unterbrechung des Straßenbahnverkehrs genutzt werden, die aufgrund einer anderen größeren Baumaßnahme ohnehin vorgesehen war. Der Einbau des Grundkörpers einschließlich Steigrohr wurde innerhalb eines Tages abgeschlossen. Bereits am zweiten Tag konnte die Baugrube wieder verschlossen werden. Eingriffe in die Straßenbahnoberleitung waren während der gesamten Maßnahme nicht erforderlich. Ein technischer Fachberater von Rehau begleitete die Montage vor Ort.
Reichenbach: Sanierung eines teilweise eingestürzten Klinkerschachts
In Reichenbach im Vogtland stellte sich eine andere Ausgangssituation dar. Mitten in einer stark befahrenen Kreuzung war ein rund sieben Meter tiefer, rechteckiger Klinkerschacht teilweise eingestürzt. Das Technische Hilfswerk musste das Bauwerk zunächst sichern. Die Kreuzung wurde vollständig gesperrt.
Unterhalb des Schachts verlief ein Eiprofilgerinne mit den Abmessungen 1.500/1.300 mm und insgesamt 6 Zuläufen. Über das Kanalsystem werden sowohl Mischwasser als auch die Wassermengen eines örtlichen Bachs abgeführt. Die Betriebssicherheit musste deshalb während der gesamten Sanierung gewährleistet bleiben. Ursprünglich war ein konventioneller Ersatzneubau geplant. Dafür wäre ein neuer Schacht mit einer Nennweite von mindestens DN 2000 erforderlich gewesen. Die notwendige Baugrube hätte eine Tiefe von mehr als sieben Metern und eine Grundfläche von etwa acht mal sieben Metern erreicht.
Zusätzlich erschwerten unmittelbar benachbarte Trinkwasser-, Gas- und Stromleitungen die Planung. Der Ersatzneubau hätte daher umfangreiche Eingriffe in die angrenzende Infrastruktur erforderlich gemacht. Rehau entwickelte gemeinsam mit dem Planer und dem Betreiber eine alternative Schacht-in-Schacht-Konstruktion, bei der der bestehende Baukörper weitgehend weitergenutzt werden konnte.
Drei Fertigungsverfahren für eine individuelle Schachtkonstruktion
Auch in Reichenbach erfolgte zunächst eine hochpräzise 3D-Laservermessung des Bestands. Auf Grundlage der erfassten Geometrie fertigte Rehau einen individuellen Schachtboden aus PP-Vollblöcken. Die spanende Bearbeitung erfolgte in einem rund 60 km entfernten Rehau-Werk.
Um die komplexe Geometrie des bestehenden Bauwerks abzubilden, kombinierte der Hersteller drei Fertigungstechnologien:
- Spanende Bearbeitung: Fräsen des individuellen Schachtbodens aus PP-Vollmaterial.
- 3D-Druck: Herstellung eines zusätzlichen Bauteils zur Ergänzung des gefrästen Schachtbodens.
- Wickelrohrtechnik: Fertigung eines PP-Wickelrohrs DN 1500 mit vorkonfektionierter Voute für den Schachtaufstieg.
Speziell angefertigte Eiprofil-Passstücke ermöglichten den Anschluss an den vorhandenen geklinkerten Hauptkanal. Die unterschiedlichen Komponenten wurden auf der Baustelle zusammengefügt und miteinander verschweißt.
Sieben Monate Planung, ein Tag Einbau
Die aufwendige Vorbereitung war entscheidend für die kurze Montagezeit. Insgesamt beanspruchte die Planung rund sieben Monate, die Fertigung der Sonderbauteile weitere sechs Wochen. Der eigentliche Einbau des Schacht-in-Schacht-Systems konnte anschließend innerhalb eines Tages abgeschlossen werden. Die beiden Projekte verdeutlichen, wie sich individuelle Konstruktionen mit standardisierten Schachtkomponenten verbinden lassen. Insbesondere bei großen Einbautiefen, komplexen Anschlussgeometrien und beengten innerstädtischen Baustellen bietet die werkseitige Vorfertigung die Möglichkeit, Arbeiten im offenen Tiefbau zu begrenzen.
Weitere Informationen können per angefordert werden.
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siehe zudem:
- Kanalisation auf Baulinks
- Literatur zum Thema Straßenbau und Kanalisation bei BauBuch



