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Gebäudesanierung mit dem Konjunkturpaket II

(11.5.2009) "Eine Veranstaltung, die man nicht anders als im besten Sinne ermutigend und überaus informativ bezeichnen kann." So urteilt der Dach- und Fassadenspezialist Jürgen Henke, Vorstandsvorsitzender der Hagener Henke AG, über die Veranstaltung "Gebäudesanierung mit dem Konjunkturpaket II", die er am 29. April gemeinsam mit rund weiteren 300 Teilnehmern erlebte. Architekten und Vertreter von Bauämtern, Baustoff-Fachhändler und Bauunternehmer waren einer Einladung der Deutschen Rockwool nach Berlin gefolgt, um sich über ihre Chancen bei einer schnellen Umsetzung des Konjunkturpaketes II zu informieren.

Mit Aufträgen auf Vorjahresniveau dürfe das Bauhauptgewerbe in diesem Jahr rechnen, da das Konjunkturpaket II für einen Auftragsschub aus den Kommunen und damit bis in das Jahr 2010 hinein für Beschäftigung sorgen werde, erklärte MdB Laurenz Meyer in seinem Eingangsreferat, das bereits erste engagierte Diskussionen auslöste. Rund 165.000 Arbeitsplätze würden durch die jetzt angestoßenen Investitionen gesichert, rund 80.000 von ihnen im Bauhauptgewerbe, das durch die zu erwartenden Aufträge mindestens den Anfang des jahresprognostizierten Umsatzrückgangs von 4 bis 6 Prozent werde abfedern können. Die vielerorts formulierte Kritik an der zur Gegenfinanzierung notwendig hohen Neuverschuldung des Bundes beantwortete Meyer mit einer Berechnung, die allgemein aufhorchen ließ: "Gerade einmal auf 4 Prozent wird die Neuverschuldung der Bundesrepublik durch die Ausgaben im Rahmen der beiden Konjunkturpakete wachsen. Die Neuverschuldung der USA wird zum Vergleich bei über 19 Prozent liegen. Nicht zuletzt, weil die Konjunkturpakete I und II volkswirtschaftlich betrachtet deutlich mehr nützen als schaden, haben sich alle Parteien gemeinsam in so kurzer Zeit auf ihre Durchführung geeinigt. Die Welt schaut heute bewundernd auf Deutschland, das erfolgreicher als jedes andere Land mit der Krise umgeht."

Nachhaltig nützlich: Konjunkturpaket II

Dass die Kommunen nachhaltig vor allem von umfassenden Einsparungen bei den Energiekosten profitieren werden und damit vor allem von einer energetischen Sanierung ihrer Liegenschaften, stand bei den Fachleuten in Berlin außer Frage. Die Vorträge der Rockwool Systemexperten zu modernen Systemen für die Dach-, Fassaden- und Rohrleitungsdämmung stießen deshalb vor allem bei den angereisten Vertretern der Bauämter und ihren Architekten auf reges Interesse. Nachdem Dipl.-Ing. Henri Windten, Anwendungstechnischer Berater der Deutschen Rockwool, allgemein über die Chancen einer zeitgemäßen Modernisierung der Gebäudehülle informiert hatte, präsentierten Andreas Nowoczin von der RTI Rockwool Technical Insulation (siehe auch Beitrag "Rockwool Planungs- und Montagehelfer jetzt auch für Elektroleitungsanlagen" vom 28.2.2008) und Michael Junker, Spezialist für das Fassadendämmsystem Rockpanel, konkrete Berechnungs- und Ausführungsbeispiele. Wie positiv sich der Einbau von Akustikdecken auf die Raumakustik in Klassenräumen und das Lernklima in Schulen auswirkt, bewies Bernhard Becker anhand von Schallmessungen, die in Räumen vor und nach der Ausrüstung mit Rockfon Decken durchgeführt worden waren - siehe dazu auch Beitrag "Rockfon Objektfotografie: Akustikdecken in ihrer schönsten Form" vom 7.4.2009. "Natürlich ist die energetische Sanierung der Schulgebäude ein Gebot der Stunde", betonte Becker vor dem Auditorium in Berlin, "aber es geht der Bundesregierung auch um die Qualität der Bildung in Deutschland. Und hier spielt die Raumakustik in den Klassenzimmern eine seit langem vollkommen unterschätzte Rolle."

Kommunen müssen vorfinanzieren

Reges Interesse entwickelten die Gäste der Deutschen Rockwool im weiteren Tagungsverlauf für den Vortrag von Rechtsanwalt Wolf Burkhard Wenkel, Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg e.V. Er forderte die Vergabebeamten in den Baubehörden auf, mutig von den Möglichkeiten der freien Auftragsvergabe bis zu einer Auftragssumme von 100.000 Euro Gebrauch zu machen. "Jetzt ist einfach keine Zeit dafür, jede Entscheidung für oder gegen einen Auftragnehmer in allen Details zu protokollieren."

Kommunen, die hier zu schleppend agierten, sollten von den ortsansässigen Bauunternehmern in die Pflicht genommen werden. Da noch nicht abschließend geklärt sei, wie und wann die Gelder vom Bund in die Kommunen fließen, sei nach wie vor zu befürchten, dass diese die Vergabe von Aufträgen viel zu lange zurückhielten, als dass die gesetzten Fristen zur Ausgabe der Gelder eingehalten werden könnten. An der Zeit sei es obendrein, dass die Kommunen ihre in jüngster Zeit katastrophale Zahlungsmoral verbesserten. "Der Bauwirtschaft nützen die Aufträge aus dem Konjunkturpaket II herzlich wenig, wenn dann nicht - wie aktuell üblich - nach 90 Tagen gezahlt wird, sondern womöglich mit Verweis auf die Säumnisse des Bundes nach 120 Tagen." - siehe auch Beitrag "Öffentliche und private Bauherren begleichen Rechnungen zu spät" vom 4.1.2009.

Noch einmal machte Wenkel deutlich, dass es sich bei den Maßnahmen, für die Mittel aus dem Konjunkturpaket II beantragt würden, um zusätzliche Vorhaben handeln müsse. Dabei sollen 50 Prozent der Mittel zum Jahresende ausgegeben sein. Das bedeutet, dass diese dann bereits abgerechnet und nicht nur beauftragt wurden. Die weiteren 50 Prozent können bis zum Jahr 2010 abgerechnet werden. "Wenn man bedenkt, dass die Baubehörden personell bislang schon schlecht besetzt waren, fragt man sich, wer die jetzt gewollten zusätzlichen Projekte in den Ämtern denn betreuen solle. Schnell kann da die Idee entstehen, statt zahlreicher, aufwändiger Sanierungen kleiner Kindergärten lieber Lärmschutzmaßnahmen an einer Schnellstraße zu bauen und damit das Budget der Kommune aus dem Konjunkturpaket in ein einziges Projekt zu stecken." Hier sei, so Wenkel, die sachkundige Öffentlichkeit gefordert, ihrer Bauverwaltung "auf die Finger" zu schauen und die Verwendung von Mitteln an den richtigen Stellen einzufordern.

Vorhaben ohne Genehmigungsplanung am Zug

Wenkel forderte weiter einen "Lokalbezug" der Mittelvergabe, d.h. eine bevorzugte Berücksichtigung von Bauunternehmen, die ortsansässig sind. "Nur ortsansässige Baufirmen beschäftigen auch ortsansässige Arbeitnehmer, deren Kaufkraft in der Region die Wirtschaft in Breite stützt." Erst recht müsse verhindert werden, dass illegale Unternehmen bzw. Unternehmen, die nicht dem Sozialkassenverfahren unterliegen und damit keine klassischen Bauunternehmen sind, beauftragt werden. Bei der Ausschreibung solle deshalb als zusätzliches Vergabeelement die Bescheinigung der Sozialkasse des Baugewerbes gefordert werden, um Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung zu verhindern.

Vereinfachtes Vergabeverfahren nutzen

Mit einem informativen Abschlussvortrag empfahl Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energieagentur dena, sein Haus als Berater der Kommunen und Architekten bei der Planung von hoch wirksamen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden. Gleichzeitig bekräftigte er die Einladung von Laurenz Meyer, die dieser eingangs so formuliert hatte: "Profitieren Sie von der Handlungsbereitschaft der öffentlichen Hand, um zeitnah wertvolle Baumaßnahmen zu initiieren und Aufträge für ihr Unternehmen zu sichern. Das Vergabeverfahren wurde so vereinfacht, dass die Kommunen sehr schnell und effizient Aufträge vergeben und Maßnahmen durchführen können."


Foto aus dem Beitrag "Pilotprojekt Passivhaus-Sporthalle" vom 1.3.2007

An einigen Zahlen verdeutlichte Kohler, welche Einsparpotenziale durch energetische Modernisierungen zu heben sind: Fast die Hälfte der Energiekosten der Landesliegenschaften entfällt heute auf Universitäten, Fachhochschulen und Justizvollzugsanstalten (JVA). Sogar mehr als die Hälfte der Energiekosten in den Kommunen, also 1,1 Milliarden Euro jährlich, entfallen auf die allgemein bildenden Schulen, 80 Prozent der Energiekosten in den Schulen auf die Wärmeversorgung. Die dena unterstützt deshalb u.a. ein Modellvorhaben "Niedrigenergiehaus im Bestand für Schulen", um die Markteinführung energieeffizienter Technologien im öffentlichen Sektor zu forcieren. 78 Schulen und andere Nichtwohngebäude öffentlicher und gemeinnütziger Träger werden aktuell im Rahmen dieses Modellversuchs saniert und begleitet. Kommunen könnten von den Erfahrungen der dena aus diesem und vielen anderen Projekten profitieren, sich von externen Fach-Coaches der dena beraten lassen oder die Wissensdatenbank mit unterstützenden Planungshilfen nutzen. Deutlich sein Appell an die Vertreter der Kommunen: "Wenn Sie neue Gebäude schaffen, sind Sie gut beraten, die 5 bis 15 Prozent Mehrkosten für ein maximal energieeffizientes Bauen zu investieren, denn sie werden über die Lebensdauer des Neubaus dadurch 50 bis 70 Prozent Energiekosten sparen. Wenn Sie die Gebäudehülle Ihrer bestehenden Infrastrukturgebäude modernisieren, stellen Sie Vergleichsrechnungen an. Jede vorschriftsmäßige Modernisierung wird den Energieverbrauch senken, aber in vielen Fällen werden Sie durch einige Zentimeter zusätzliche Dämmung noch einmal enorme Einsparungen erzielen können."

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