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Junge Kunden haben kein Problem mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR), ältere schon

(18.12.2016) Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) hat den deutschen Baufinanzierungsmarkt einigermaßen aufgewirbelt: Sie war zum Schutz der Verbraucher gedacht, geriet aber schnell in Verdacht, insbesondere zwei Altersgruppen den Zugang zu Baufinanzierungsdarlehen zu erschweren - und zwar ...

  • jungen Familien und
  • älteren Menschen.

Das stimmt aber so wohl nur zu 50% - das zeigt zumindest eine aktuelle Auswertung der über den Finanzmarktplatz Europace vermittelten privaten Immobiliendarlehen.

Zur Erinnerung: Am 21. März dieses Jahres trat die Wohnimmobilienkreditrichtlinie in Kraft. Damit setzte der deutsche Gesetzgeber eine EU-Richtlinie aus dem Jahre 2014 um - an manchen Stellen allerdings deutlich enger, als das in anderen europäischen Ländern geschehen ist. Zu eng - wie viele Marktteilnehmer seit Monaten beklagen. An anderer Stelle ließ der Gesetzgeber viel Raum für Interpretation und Auslegung, was zu (Rechts-) Unsicherheit insbesondere auf Seiten der Darlehensgeber führte. und so wurde der Ruf nach Nachbesserungen an der WIKR von diversen Seiten laut.

Das Bundesjustizministerium zeigt inzwischen Bereitschaft, fordert aber zunächst belastbare Zahlen zu den Auswirkungen der Regelung auf die Kreditvergabe. Die Europace AG, über deren Finanzmarktplatz rund 18 Prozent der Baufinanzierungen für private Darlehensnehmer in Deutschland vermittelt werden, hat die über ihre Plattform abgewickelten Baudarlehen ausgewertet und die Abschlüsse der sechs Monate vor Einführung der WIKR mit denen der sechs Monate nach dem 21. März 2016 verglichen.

Ergebnisse der Auswertung

Entwarnung gibt es für die vermeintlich benachteiligten jungen Familien: Innerhalb der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen hat sich seit der Einführung der WIKR das Baufinanzierungsvolumen sogar um 8,5% erhöht. Bei den 30- bis 40-Jährigen ergab sich noch ein leichtes Plus von 0,4%. Aber ab 40 geht's bergab: Bei den 40- bis 50-Jährigen ging das Volumen um 4% zurück, bei den 50- bis 60-Jährigen um 2,2%. Wer bei Antragstellung 60 bis 70 Jahre alt ist, bekommt durch die WIKR besonders große Probleme: Der Rückgang lag bei 12,1 Prozent:

„Zwar ist der Anteil der über 60-Jährigen, die eine Baufinanzierung abschließen möchten, naturgemäß eher gering“, erklärt Thilo Wiegand, Vorsitzender des Vorstands der Europace AG. „Doch die Kunden, die beispielsweise für einen altersgerechten Umbau einen Kredit benötigen, trifft es dann ganz besonders stark.“

Eine detailliertere Auswertung dieser Altersgruppe zeigt auch, dass nach Einführung der WIKR die Zahl der durch den Darlehensgeber abgelehnten Finanzierungsanfragen der über 60-Jährigen um 18,5 Prozent gestiegen ist. „Das heißt, dass fast jeder Fünfte zwischen 60 und 70, der ein Immobiliendarlehen haben wollte, aufgrund der WIKR keines mehr bekommen hat“, so Wiegand. „Junge Familien haben also kein Problem - ältere Menschen aber schon. Nur ein Grund, warum das aktuell diskutierte Baukindergeld völlig am Problem vorbei geht.“

WIKR behandelt Immobiliendarlehen wie Ratenkredite und bietet zu viel Rechtsunsicherheit

„Wir halten Änderungen an der WIKR für dringend erforderlich, damit die Benachteiligung einzelner Bevölkerungsgruppen wieder rückgängig gemacht wird“, appelliert der Europace-Vorstand. „Was zum Schutz der Verbraucher gedacht war, hat sich zum Teil gegen sie gewendet. Die Bonität der Darlehensnehmer stärker in den Fokus zu rücken, ist gut. Dass aber der Wert der zu finanzierenden Immobilien heutzutage in der Kreditentscheidung praktisch keine Rolle mehr spielen darf, ist hanebüchen. Immobiliendarlehen sind keine Ratendarlehen! Hier ist der Gesetzgeber weit über das Ziel - und die Vorgaben der EU - hinausgeschossen“, erklärt Wiegand und ergänzt: „Zudem gibt es an einigen Stellen zu viel Raum für Interpretation und Auslegung. Darlehensgeber und Verbraucher haben Rechtssicherheit verdient. Daran können nur alle Seiten interessiert sein.“

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