Suche

3D-gedruckte Holzfaserinlays ergänzen historische Holzvertäfelung auf Festung Hohensalzburg

(05.06.2026) Seit 2017 laufen die Restaurierungsarbeiten an den Fürstenzimmern der Festung Hohensalzburg. Für die Wiederherstellung von Fehlstellen in der Holzvertäfelung der Goldenen Stube entwickelten die Salzburger Burgen und Schlösser gemeinsam mit dem Planungsbüro Baukultur2, der FH Salzburg und dem Bundesdenkmalamt ein neues Verfahren. Mithilfe von 3D-Scanning, digitaler Modellierung und 3D-Druck konnten passgenaue Inlays hergestellt und ohne zusätzliche Eingriffe in die historische Substanz eingesetzt werden.

Die Festung Hohensalzburg zählt mit rund 1,5 Mio. Besuchern im Jahr 2025 zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Österreichs. Im Zuge der Restaurierung der gotischen Fürstenzimmer wurden zwei Fehlstellen in der Holzvertäfelung der Goldenen Stube entdeckt. Da bestehende Restaurierungsmethoden hierfür nicht optimal geeignet waren, entschieden sich die Projektpartner für die Entwicklung eines neuen Ansatzes.

Alle Projetbeteiligten in der Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt. (Foto: Salzburger Burgen & Schlösser) 

„Da es eine unserer zentralen Aufgaben ist, die Salzburger Burgen und Schlösser als bedeutende Denkmäler nachhaltig zu bewahren, haben wir beschlossen, neue und kreative Wege mit zukunftsorientierten Partnern und Behörden zu beschreiten und auf innovative Technologien zu setzen”, so Maximilian Brunner, Geschäftsführer der Salzburger Burgen und Schlösser Betriebsführung.

„Das Baumanagement bei den Salzburger Burgen und Schlösser erfordert eine Leidenschaft für das Handwerk und historisch bewährte Baumethoden. Gleichzeitig geht es darum, neue Ideen zu entwickeln und moderne Lösungen zu finden, die zum einen den historischen Bestand berücksichtigen, aber auch die heutigen technologischen Möglichkeiten mitbedenken”, ergänzt Markus Mackinger vom Baumanagement.

Das Projekt entstand 2025 im Rahmen des FH-Projekts EDIH innovATE. Nach einer Machbarkeitsstudie übernahm das Salzburg Center for Smart Materials (SCSM 2.0) die weitere Entwicklung und Umsetzung. Für die Herstellung der Ergänzungen wurden die Fehlstellen zunächst mit einem mobilen 3D-Scanner millimetergenau erfasst. Auf Basis der Daten entstanden digitale Modelle, die als Vorlage für passgenaue Inlays dienten. Die Inlays wurden im FDM-3D-Druckverfahren aus einem eigens entwickelten Holzfaser-Verbundmaterial hergestellt. Das Material besteht überwiegend aus biobasierten Rohstoffen und Reststoffen der Land- und Forstwirtschaft. Aufgrund seiner Materialeigenschaften reagiert es ähnlich wie Massivholz auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit.

„Unser Ziel war es, digitale Technologien so in die Restaurierung zu integrieren, dass sie den Werkstoff und das historische Original respektieren. Durch nachhaltige Materialien und präzise 3D-Druckverfahren eröffnen sich neue Wege, Kulturgüter beschädigungsfrei und ressourcenschonend zu erhalten”, so Stefan Kain von der FH Salzburg.

„Aus einer spontanen Idee – nämlich ‚Holz zu drucken’ – ist ein neuartiger Ansatz zur Ergänzung von Fehlstellen in historischen Holzausstattungen entstanden. Das Projekt vereint Handwerk, Forschung, Technologien sowie Denkmalpflege und eröffnet neue unterstützende Wege in der Holzrestaurierung”, ergänzt Thomas Trattner, Geschäftsführer und Miteigentümer der Baukultur2 GmbH.

Erstabstimmung mit der Restauratorin des digitalen Inlays (Foto: Salzburger Burgen & Schlösser) 

Nach dem Druck wurden die Inlays restauratorisch bearbeitet, farblich angepasst und in die historische Holzoberfläche integriert. „Im Rahmen der materialtechnischen Erprobung des 3D-gedruckten Holzfaser-Verbundmaterials konnten wir reversible Verklebungen sowie Methoden zur Oberflächenbearbeitung und Retusche testen. Durch thermische Strukturierung und farbliche Anpassung konnten wir das Inlay optisch perfekt in das historische Umfeld einbinden. Oder anders gesagt: Das war ein beispielhaftes Projekt dafür, wie digitale Fertigungstechniken mit restauratorischen Anforderungen an Materialverträglichkeit und Reversibilität perfekt verbunden werden können”, erklärt Restauratorin Florentina Woschitz. Das Bundesdenkmalamt begleitete das Projekt fachlich und prüfte die neue Methode hinsichtlich ihrer denkmalpflegerischen Eignung.

„Die Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen an der Holzausstattung der Goldenen Stube zielten auf ein gepflegtes, ästhetisch überzeugendes Erscheinungsbild ab, das den Alterswert und die historische Authentizität respektiert und sichtbar macht. Für zwei optisch störende Fehlstellen entwickelte die Baukultur2 gemeinsam mit der FH Salzburg am Campus Kuchl ein innovatives Verfahren zur Herstellung passgenauer Inlays – ohne zusätzlichen Verlust historischer Substanz. Nach handwerklich hervorragend ausgeführter Retusche erfüllen die Ergänzungen sämtliche denkmalfachlichen Anforderungen. Hier begegnen sich modernste 3D-Technologie, traditionelles Handwerk und jahrhundertealtes Kulturerbe”, so Eva Hody, Landeskonservatorin Salzburg.

Nach Angaben der Projektpartner bietet das Verfahren Vorteile gegenüber klassischen Restaurierungsmethoden, da Fehlstellen passgenau ergänzt werden können, ohne weitere historische Substanz zu entfernen. Das Projekt zeigt, wie digitale Fertigungstechnologien und traditionelle Restaurierungsmethoden in der Denkmalpflege kombiniert werden können.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

Impressum | Datenschutz © 1997-2026 BauSites GmbH