Münchner Flachbordstein: Betonwerk Linden entwickelt klebbares Trennsystem für Radwege
(27.10.2026) Das zu Rohrdorfer gehörende Betonwerk Linden hat gemeinsam mit dem Baureferat der Stadt München einen Flachbordstein aus Beton zur baulichen Trennung von Radwegen und Fahrbahnen zur Einsatzreife gebracht. Das System wird direkt auf dem Asphalt verklebt und kann unter geeigneten örtlichen Bedingungen ohne vollständigen Umbau des Straßenprofils oder Verlegung der Straßenentwässerung eingebaut werden. Erstmals eingesetzt wurde der Münchner Flachbordstein in München-Obergiesing.
Erster Praxiseinsatz auf der Tegernseer Landstraße
Entlang der südlichen Tegernseer Landstraße in München-Obergiesing wurde mit dem neuen Flachbordsteinsystem eine rund 300 m lange Lücke im Radwegenetz zwischen Grünwalder Straße und Otkerstraße geschlossen. Die Betonbauteile schaffen eine durchgehende bauliche Abgrenzung zwischen dem Radweg und dem motorisierten Verkehr.
Anders als klassische Hochbordsteine verfügen die Elemente über eine flache, abgeschrägte Geometrie. Dadurch soll das Risiko verringert werden, dass Radfahrende mit den Pedalen an der Abgrenzung hängen bleiben. Gleichzeitig sind die Flachbordsteine grundsätzlich überfahrbar, sodass Einsatzfahrzeuge die Trennung bei Bedarf queren können. Die konkreten Anforderungen von Feuerwehr und Rettungsdiensten werden für jedes Bauvorhaben gesondert geprüft.
Christian Zechmeister von der Oberbauleitung Tiefbau im Baureferat München: „Der Straßenunterhalt erwartet, dass die Flachbordsteine haltbarer und weniger unterhaltsintensiv sind als Trennelemente aus Hartgummi oder Kunststoff. Unter geeigneten örtlichen Bedingungen lassen sie sich deutlich schneller einbauen als klassische Bordsteinlösungen. Im Vergleich zu einer konventionellen Ausführung mit Granitborden erwarten wir außerdem geringere Baukosten. Wie sich die Flachbordsteine langfristig bewähren, wird nun der Einsatz im öffentlichen Straßenraum zeigen.” Ein weiterer Einsatz sei bereits vorgesehen: Auch in der nördlichen Candidstraße vor der Brudermühlbrücke sollen die Flachbordsteine eingebaut werden.
Betonbauteile mit speziell entwickelter Klebeverbindung
Der Münchner Flachbordstein besteht aus Beton und kann mit einem Recyclingbetonanteil von bis zu 30 % hergestellt werden. Die Normalsteine sowie die Anfangs- und Endelemente besitzen ähnliche Abmessungen. Ein Normalstein misst 100 cm in der Länge, 25 cm in der Breite und 12 cm in der Höhe. Das Gewicht beträgt rund 60 kg.
Eine Besonderheit ist die Befestigung auf dem vorhandenen Asphaltuntergrund. Anstelle mechanischer Verankerungen werden die Betonbauteile mit einer speziell entwickelten Klebeverbindung befestigt. Bohrungen, Dübel oder Schrauben sind dadurch nicht erforderlich. Das Betonwerk Linden, das zur Rohrdorfer Gruppe gehört, entwickelte und erprobte sowohl die Klebetechnik als auch die dazugehörigen Komponenten. Aufgrund der Materialähnlichkeit können Bordstein und Klebeschicht gemeinsam als Betonbruch recycelt und wiederverwendet werden.
Werkversuche mit Schwerlastverkehr, Frost und Tausalz
Vor dem ersten Einsatz im öffentlichen Straßenraum wurde das System am Produktionsstandort Berglern bei München umfangreich getestet. Auf einer eigens angelegten Teststrecke untersuchte das Betonwerk Linden verschiedene Klebeverfahren und deren Belastbarkeit.
Die Verbindungen wurden mithilfe von Kernbohrungen beprobt und anschließend im Labor untersucht. Über einen Zeitraum von rund einem Jahr waren die Bauteile unterschiedlichen Beanspruchungen ausgesetzt. Dazu gehörten Witterungseinflüsse, regelmäßige Überfahrten durch Lkw und Radlader sowie Prüfungen unter Hitze-, Frost- und Tausalzeinwirkung. Die Teststrecke bildete den späteren Einsatz unter realen Verkehrsbedingungen nach und wurde teilweise sogar höheren Belastungen ausgesetzt. Die Werkversuche bestätigten die grundsätzliche Eignung des Systems. Mit dem Einbau in München-Obergiesing beginnt die weitere Erprobung im öffentlichen Straßenraum. Dabei soll unter anderem untersucht werden, wie sich die Flachbordsteine im regulären Winterdienst bewähren und ob bei einem breiteren Einsatz angepasste Winterdienstfahrzeuge erforderlich sind.
Einbau mit Asphaltfräse, Minibagger und Versetzhilfen
Für die Montage der Flachbordsteine wurde in München zunächst mit einem Asphaltfräser eine rund 50 cm breite Verlegeschneise hergestellt. Anschließend kamen ein Minibagger und manuelle Versetzhilfen zum Einsatz. Spezielle Verlegemaschinen sind nach Angaben des Unternehmens nicht erforderlich. Die Elemente werden auf dem vorbereiteten Asphaltuntergrund verklebt. Durch den Verzicht auf aufwendige Verankerungen und einen vollständigen Umbau des Straßenquerschnitts lässt sich der bauliche Eingriff reduzieren. Das Baureferat München erwartet dadurch sowohl kürzere Bauzeiten als auch geringere Kosten gegenüber einer konventionellen Ausführung mit Granitbordsteinen. Konkrete Einsparungen lassen sich allerdings nicht pauschal beziffern, da sie von den jeweiligen örtlichen Bedingungen abhängen.
Anpassung an Straßenverlauf und Entwässerung
Die Flachbordsteine werden entsprechend dem vorhandenen Straßenverlauf und Gefälle angeordnet. An Kreuzungen sowie Ein- und Ausfahrten bleiben die erforderlichen Öffnungen erhalten. Diese gewährleisten die Erreichbarkeit angrenzender Grundstücke und ermöglichen den Abfluss von Regenwasser. Unter geeigneten Bedingungen kann die vorhandene Straßenentwässerung damit weitgehend erhalten bleiben. Das System eignet sich insbesondere für Straßenabschnitte, auf denen Radverkehrsanlagen auf Fahrbahnniveau entstehen sollen, ohne die gesamte Fahrbahn grundlegend umzubauen.
Neben der schmalen Ausführung ist auch eine breitere Trennung mit zusätzlichen Betonplatten möglich. Diese sogenannte Schmuckplatte schafft einen größeren Abstand zwischen Radverkehr und parkenden Fahrzeugen und kann dadurch das Risiko von Kollisionen mit plötzlich geöffneten Autotüren reduzieren. Mit dem Münchner Flachbordstein ergänzt das Betonwerk Linden die bestehenden baulichen Möglichkeiten zur Trennung von Rad- und Kfz-Verkehr. Die Ergebnisse der weiteren Praxiserprobung sollen zeigen, wie dauerhaft die Klebeverbindung und die Betonelemente den Beanspruchungen im kommunalen Straßenverkehr standhalten.
Weitere Informationen können per angefordert werden.
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siehe zudem:
- Straßenbelag auf Baulinks
- Literatur / Bücher über Außenbeläge bei BauBuch



