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Gesunde Raumluft im Niedrigenergiehaus: Kontrollierte Wohnungslüftung

(10.11.2004) Durch die Energieeinsparverordnung (EnEV) wurde das Niedrigenergiehaus in Deutschland zum Standard erhoben. Die energetisch richtige Forderung nach einer dichten Bauweise und dichtschließenden Fenstern zur Vermeidung von unnötigen Lüftungswärmeverlusten hat allerdings zur Folge, dass der notwendige Luftaustausches nicht in jedem Fall gewährleistet ist. Für den Bauherrn stellt sich deshalb die Frage, ob eine Fensterlüftung für eine ausreichenden Frischluftversorgung, zur Vermeidung von Schimmelpilz (siehe rechts) und zur Abfuhr von Feuchtigkeit und Schadstoffen die richtige Lösung darstellt, oder ob ein mechanisches Lüftungssystem installiert werden soll. Und die nächste Frage: In welcher Form trägt die mechanische Lüftung den Anforderungen der EnEV Rechnung?

Fensterlüftung und Lüftungsverhalten

Wer mit einer Fensterlüftung einen ausreichenden Luftwechsel erreichen will, braucht ein hohes Maß an Selbstdisziplin: Er muss regelmäßig stoßlüften. Eine konstante Kipplüftung führt zu ungewünscht hohen Lüftungswärmeverlusten und würde die Forderung nach einer dichten Gebäudehülle und Reduzierung von unnötigen Wärmeverlusten ad absurdum führen. Ebenso wie eine großzügige Lüftung unerwünscht viel Energie verbraucht, kann eine mangelhafte Lüftung hygienisch bedenkliche Luftverhältnisse erzeugen. Das Raumklima wird in erster Linie durch das vom Menschen bei der Atmung ausgestoßene Kohlendioxid beeinträchtigt und durch den Wasserdampf, der im Haushalt beispielsweise beim Kochen, Waschen und Duschen entsteht. Aber auch die von modernen Baumaterialien und Einrichtungsgegenständen emittierten Stoffe wie Formaldehyd können auf Dauer die Befindlichkeit stören. Die wichtigsten Emissionsquellen im Wohnbereich sind:

  • Freisetzung von Kohlendioxid, Wasserdampf und Geruchsstoffen durch den Menschen
  • Freisetzung von Wasserdampf durch Koch-, Wasch- und Badevorgänge sowie durch Pflanzen
  • Ausdünstungen aus Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kosmetika
  • Ausdünstungen aus Baumaterialien, Möbeln, Teppichen, Anstrichen, Klebstoffen usw.
  • Abgabe von Allergenen durch Haustiere, Hausstaubmilben usw.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass ein stetiger Luftwechsel von 0,4- bis 0,8-fach pro Stunde garantiert sein muss, um ein nach hygienischen, physiologischen und bauphysikalischen Gesichtspunkten behagliches Raumklima zu schaffen. Ist dies nicht der Fall, dann ist nicht nur der Mensch gefährdet, sondern - bei einem Luftwechsel von weniger als 0,3-fach - auch die Bausubstanz. Jährlich werden Bauschäden in Millionenhöhe verzeichnet, die aufgrund von Feuchtschäden und Schimmelpilzbildung in Wohngebäuden entstehen. Auch können durch die Schimmelpilze Befindlichkeitsstörungen der Bewohner auftreten.

Die kontrollierte Wohnungslüftung

Anlagen zur kontrollierten Wohnungslüftung übernehmen die Lüftungsaufgabe für das Gebäude automatisch und energiesparend. Man unterscheidet dabei im wesentlichen folgende Systeme: Dezentrale Abluftanlagen, dezentrale Zu-/ Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung, zentrale Abluftanlagen ohne Wärmerückgewinnung, zentrale Abluftanlagen mit Wärmenutzung durch eine Wärmepumpe sowie zentrale Zu-/ Abluftanlagen mit Wärmerückgewinnung.

Eine Anlage zur kontrollierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung sorgt nicht nur automatisch für den notwendigen Luftaustausch, sondern auch für die Erwärmung der angesaugten Außenluft durch Abkühlung der Abluft. Wesentliche Komponenten einer Anlage dieser Bauart sind der Ventilator und der Wärmeübertrager zur Wärmerückgewinnung. An dieses Lüftungsgerät sind die Zu- und Abluftleitungen angeschlossen. Durch die Wärmerückgewinnung können je nach Gestaltung des Wärmeaustauschers zwischen 60 und 90 Prozent der Wärme aus der Abluft zurückgewonnen werden. Entsprechend reduziert sich der Energiebedarf für die Lüftung des Gebäudes.

Bereits bei der Planung einer Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung muss vermieden werden, dass Zug ensteht. Die Zulufttemperatur sollte zwischen 16 und 24°C liegen. Eine nach dem Stand der Technik ausgeführte Anordnung der Luftdurchlässe ermöglicht eine gleichmäßige und effektive Lüftung der einzelnen Räume und eine gezielte Durchströmung des Wohngebäudes (Abluft aus den Feuchtbereichen wie Bad, Küche und WC und Zuluft in die Wohnbereiche). Wichtig sind hierfür eine richtige Bemessung der notwendigen Luftvolumenströme und ausreichend große Nachströmöffnungen in den Wohnbereichen.

Berücksichtigung der EnEV

Entscheidet sich der Bauherr aus den genannten Gründen für eine kontrollierte Wohnungslüftung, dann sollte auf jeden Fall das Nachweisverfahren gemäß EnEV mit detaillierten Produktkennwerten (DIN 4701 Teil 10) geführt werden. Dabei muss der Bauherr auf die Unterstützung durch den Gerätehersteller bauen, was bei qualifizierten Unternehmen zum Standardservice gehört.

Ihre Geräte sind oft deutlich besser als die Standardwerte nach DIN 4701 Teil 10. Somit kann vermieden werden, dass unnötig in zusätzlichen baulichen Wärmeschutz investiert werden muss. Die Anrechnung der Wärmerückgewinnung bei mechanischen Lüftungsanlagen ist jedoch nur zulässig, wenn u. a. die Dichtheit des Gebäudes nachgewiesen ist. Außerdem muss sichergestellt sein, dass die aus der Abluft gewonnene Wärme vorrangig vor der vom Heizsystem bereitgestellten Wärme genutzt wird. Vor dem Hintergrund der Zusammenhänge zwischen Wohnungslüftung und EnEV ist es wichtig, die Anlagentechnik und die kontrollierte Wohnungslüftung frühzeitig in den Planungsprozess einzubeziehen. Dabei ist freilich in besonderem Maße der Architekt gefordert: Durch den Einsatz der kontrollierten Wohnungslüftung erhöhen sich die Freiheitsgrade der Architektur deutlich. Bezüglich der Anlagentechnik ist der Bauherr gut beraten, wenn er möglichst effiziente Geräte einbaut. Der Hersteller liefert ihm die Aufwandszahlen nach der genannten Norm.

Übrigens: Bereits seit 1991 bildet das Thema "Wohnungslüftung" einen thematischen Schwerpunkt auf der ISH, Internationalen Fachmesse für Gebäude- und Energietechnik, Erlebniswelt Bad sowie Klima- und Lüftungstechnik. Auch zur kommenden ISH, die vom 15. bis 19. März 2005 in Frankfurt/Main stattfinden wird, präsentieren verschiedene Verbände gemeinsam mit der Messe Frankfurt wieder eine "Sonderschau Wohnungslüftung". Sie zeigt, wie sowohl im Neubau als auch im Gebäudebestand mit zentralen und dezentralen Wohnungslüftungssystemen ein behagliches Wohnraumklima bei gleichzeitig niedrigen Heizkosten möglich wird.

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