UBA: Straßenverkehrslärm verursacht 5,1 Mrd. Euro Gesundheitskosten
(29.04.2026) Laut Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) verursacht insbesondere Straßenverkehrslärm jährlich Gesundheitskosten in Höhe von 5,1 Mrd. Euro in Deutschland. So hatte der Bund seit 1978 insgesamt nur etwas mehr als 5 Mrd. Euro für den Lärmschutz an Straßen ausgegeben, weniger als die heutigen jährlichen Folgekosten. Die DUH fordert daher ein grundlegendes Umdenken beim Lärmschutz. Bund, Länder und Kommunen hätten bisher keine wirksame Strategie zur Reduktion von Straßenverkehrslärm.
Es fehlen bundesweit verbindliche Grenzwerte ebenso wie ausreichende Finanzmittel für konsequente Schutzmaßnahmen. Auch Maßnahmen zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs werden nicht ausreichend genutzt.
DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch: „Straßenverkehrslärm macht jedes Jahr tausende Menschen krank und verursacht Kosten in Milliardenhöhe – dennoch behandeln Bundesregierung, Länder und Kommunen das Problem weiterhin als Nebensache. Statt wirksamen Schutz zu gewährleisten, bleibt es bei unverbindlichen Schwellenwerten und unzureichender Finanzierung. Es braucht endlich bundesweit einheitliche und verbindliche Grenzwerte, damit Lärmaktionspläne wirksame Maßnahmen zur Folge haben. In sieben laufenden Klageverfahren gehen wir bereits juristisch gegen unzureichende Lärmaktionspläne vor.”
Besonders widersprüchlich ist aus Sicht der DUH, dass Elektrofahrzeuge zukünftig durch eine neue EU-Norm zu Geräuschemissionen genauso viel Motorenlärm erzeugen dürfen wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. „Statt gegenzusteuern und das Potenzial leiser Elektromobilität konsequent zu nutzen, sollen E-Autos nun künstlich auf Verbrenner-Niveau gebracht werden – das ist absurd. Für die Verkehrssicherheit ist zusätzlicher, frei wählbarer Motorenlärm nicht erforderlich. Er dient allein Marketinginteressen der Hersteller, die ihr markentypisches Motorengeräusch auch im Elektrozeitalter fortschreiben wollen. Wir fordern die Bundesregierung auf, dieser Fehlentwicklung einen Riegel vorzuschieben.”
Lärm ist zweitgrößter Umweltfaktor für Gesundheitsschäden
Die jährlichen Gesundheitskosten in Höhe von 5,1 Mrd. Euro umfassen z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte, kognitive Einschränkungen von Kindern und Depressionen. Je nach Bundesland oder Kommune gelten für Lärmaktionspläne unterschiedliche Schwellenwerte oder "Auslösewerte für Lärmbelastung, die die Umsetzung lärmschützender Maßnahmen anstoßen. Selbst wenn diese überschritten werden, besteht kein gesetzlicher Anspruch auf konkrete Maßnahmen. Sinnvolle Maßnahmen wären die Instandsetzung maroder Fahrbahnoberflächen in Verbindung mit einer Neuaufteilung des Straßenraums. Doch diese scheitern oft an fehlender Finanzierung; kostengünstige Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbegrenzungen meist am politischen Willen.
Parallel dazu wird auf EU-Ebene eine Regelung vorangetrieben, die es Herstellern erlaubt, Elektrofahrzeuge mit künstlich erzeugtem Motorenlärm auszustatten. Nach aktuellem Stand soll in der Ergänzung 11 (Supplement 11) zur UN-Regelung R51.03 das „Exterior Sound Enhancement System” (ESES) - ein äußeres Klangverstärkungssystem - etabliert werden, mit dem E-Autos vergleichbare und vergleichbar laute Geräusche verursachen wie ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Dies dient allein der Charakterisierung der Fahrzeuge - für Fahrzeugnutzer oder Passanten gibt es dadurch keinen praktischen Nutzen im Verkehrsgeschehen. Technische Vorschriften zu Geräuschemissionen werden in Gremien der EU-Wirtschaftskommission erarbeitet. Umwelt- und Gesundheitsverbände sind dort zahlenmäßig deutlich in der Minderheit und wurden daher stets überstimmt.
Das Umweltbundesamt stellt im „Handbuch Umweltkosten” insbesondere im Kapitel „5.1 Kostensätze für Lärm” Lärmbelästigung und gesundheitliche Beeinträchtigungen gegenüber. Kostenfreier PDF-Download via openumwelt.de/publication
Die UBA-Broschüre „Lärmaktionsplanung - Lärmminderungseffekte von Maßnahmen” ist ein praxisorientierter Leitfaden für die zuständigen Fachbehörden sowie für die interessierte Öffentlichkeit. Die Broschüre soll ein vereinfachtes Verfahren zur raschen Abschätzung der potenziellen Wirkungen spezifischer Lärmminderungsmaßnahmen auf die Lärmbelastung der betroffenen Bevölkerung bieten.
Die Broschüre steht zum kostenlosen PDF-Download unter umweltbundesamt.de/publikationen bereit.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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- SchallPrognoseApp SPA: BAuA-Software zur Abschätzung der Lärmbelastung in Arbeitsräumen (14.1.2022)
siehe zudem:
- Raumakustik und Arbeitsschutz bei Baulinks.de
- Literatur / Bücher über Architektur bei Baubuch / Amazon.de

