Das war die 28. Internationale Passivhaustagung
(22.05.2026) Die 28. Internationale Passivhaustagung fand dieses Jahr im Essener Haus der Technik statt. Zwei Tage lang präsentierten Referenten aus aller Welt Projekte und Konzepte für klimafreundliches Bauen und Sanieren. Zwei Schwerpunkte dominierten das Programm: die energetische Sanierung des Gebäudebestands sowie bezahlbarer und sozialer Wohnungsbau.
Energieeffizienz und Erneuerbare Energie
Vertreter des Passivhaus Instituts betonten im Eröffnungsplenum, dass hohe Energieeffizienz und der Ausbau erneuerbarer Energien keine konkurrierenden Ziele seien, sondern sich gegenseitig ergänzten. Zudem sei Energieeffizienz im Neubau wie in der Sanierung eine Gerechtigkeitsfrage: Nur wer wenig Energie verbrauche, könne auch mit niedrigem Einkommen die Energiekosten tragen.
Sanierungsprojekte aus Europa und Nordamerika
Zahlreiche Vorträge dokumentierten internationale Sanierungen zum EnerPHit-Standard. Ein Wohnkomplex aus dem Jahr 1971 im niederländischen Groningen mit 119 Eigentumswohnungen wurde in bewohntem Zustand mit Passivhaus-Komponenten modernisiert; die Bewohner profitierten von gesunkenen Energiekosten, höherem Wohnkomfort und gestiegenem Wert ihrer Wohnungen. Ein Bürogebäude von 1962 in der Bretagne zeigte, dass auch Bestandsbauten mit Asbestbelastung mithilfe vorgefertigter Elemente den EnerPHit-Standard erreichen können. In New York wurde eine historische Feuerwache zu einem hoch wärmegedämmten Vierfamilienhaus nach EnerPHit-Standard umgebaut.
Sozialer Wohnungsbau als globales Thema
Ein Mehrfamilienhaus nahe Athen aus den 1970er-Jahren, bewohnt von acht Parteien mit niedrigem Einkommen, wurde ebenfalls in bewohntem Zustand saniert. Der Energieverbrauch für Heizen und Kühlen sank um rund 90 %. Da Fach- und Arbeitskräfte fehlten, wurden lokale Handwerker sowie geflüchtete Personen ausgebildet. Das zertifizierte EnerPHit-Plus-Projekt dient nun als Modell für rund 250 Gebäude gleicher Bauart in der Stadt. Die Tiroler Wohnbaugesellschaft Neue Heimat Tirol sanierte an 17 Standorten in Innsbruck rund 3.800 Wohnungen und schuf gleichzeitig neuen Wohnraum – insgesamt entstanden so rund 5.000 Sozialwohnungen im Passivhaus-Standard. Im New Yorker Stadtteil Harlem realisierte das Projekt Sendero Verde kostengünstigen Wohnraum für über 700 Mietparteien in drei Gebäuden mit Gemeinschaftsbereichen und Grünflächen.
35 Jahre Passivhaus, 30 Jahre Passivhaus Institut
Die Tagung bot zugleich ein doppeltes Jubiläum. Wolfgang Feist, Gründer des Passivhaus Instituts, schilderte den Bau des ersten Passivhauses in Darmstadt vor 35 Jahren sowie die Gründung des Instituts vor 30 Jahren. Er und Jessica Grove-Smith, Mitglied der Geschäftsführung, erläuterten, was eine erfolgreiche Energiewende im Gebäudesektor brauche: klare Ziele, qualifizierte Fachleute, verlässliche Planungstools und geeignete Komponenten.
Fachausstellung und Exkursionen
Parallel zur Tagung stellten Hersteller Passivhaus-Komponenten vor, darunter Fenster und Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung sowie Messsysteme für Luftdichtheitstests. Bei vier Exkursionen besuchten die Teilnehmenden unter anderem Passivhaus-Kindertagesstätten in Dortmund, ein Studierendenwohnheim in Bochum sowie Klimaquartiere und Genossenschaftsprojekte in Hilden, Düsseldorf und Köln.
Nächste Tagung 2027 in Innsbruck
Die 29. Internationale Passivhaustagung findet vom 02. bis 04. April 2027 in Innsbruck statt, veranstaltet vom Passivhaus Institut gemeinsam mit der Universität Innsbruck.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
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- Frankreichs erste Sporthalle mit Passivhaus-Zertifizierung fertiggestellt (21.11.2025)
- Studie: Dachaufstockung als Schlüssel zur Wohnraumoffensive (21.08.2025)
siehe zudem:
- Fertigbau auf Baulinks
- Literatur / Bücher zu den Themen Passivhaus bei Baubuch / Amazon.de





