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Wienerberger und TU Graz entwickeln rückbaubare Ziegelfertigteilwand

(29.05.2026) Ein Forschungsteam der TU Graz hat gemeinsam mit dem Ziegelhersteller Wienerberger ein Ziegelfertigteilwandsystem entwickelt, das sich zerstörungsfrei demontieren und erneut einsetzen lässt. Ziel des Projekts „Re-Use Ziegelwand” ist es, den Ressourcenverbrauch und die Treibhausgasemissionen im Bausektor zu reduzieren.

Im Mittelpunkt stehen industriell vorgefertigte Ziegelwandelemente, die nicht mit klassischen Mörtelfugen, sondern mit reversiblen Fugenlösungen verbunden werden. Dadurch lassen sich die Elemente nach dem Rückbau eines Gebäudes nahezu vollständig wiederverwenden. Das Konzept richtet sich insbesondere an Gebäude mit vergleichsweise kurzer Nutzungsdauer, etwa Verbrauchermärkte oder Gewerbebauten.

Die Ziegelwände lassen sich zerstörungsfrei ab- und wieder aufbauen. Hier wird das Gebäude nach einer Demontage neu errichtet. (Bild: IBPSC - TU Graz) 

CO₂-Einsparungen über mehrere Nutzungszyklen

„Ziegel sind hochwertige und langlebige Bauelemente und ihre Herstellung ist durchaus ressourcenintensiv. Es bietet daher enorme Vorteile, wenn sie nach der Nutzung eines Gebäudes zerstörungsfrei entnommen und an anderer Stelle wieder genutzt werden können”, sagt Projektleiter Hans Hafellner vom Institut für Bauphysik, Gebäudetechnik und Hochbau der TU Graz. „Die bisherigen Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen: Durch die Entwicklung einer neuartigen Fugenlösung kann in der zweiten Nutzungsphase durch die Wiederverwendung bereits ein erheblicher Teil der Gesamtemissionen vermieden werden. Über drei Lebenszyklen hinweg sparen wiederverwendbare Ziegelwandelemente gegenüber der konventionellen Bauweise rund 60 % CO₂-Emissionen ein.”

Die Forscher mussten dabei sicherstellen, dass die rückbaubaren Wände gleichzeitig alle bauphysikalischen und statischen Anforderungen erfüllen. Die Wände besitzen eine Dicke von 44 cm und enthalten Dämmwolle zur Wärmedämmung. Zudem werden die Fertigteile bereits im Werk verputzt, um den Aufwand auf der Baustelle zu reduzieren.

Für die Stabilität des Gebäudes wurden zwei Varianten untersucht: Entweder übernimmt ein ausreichend schweres Dach die Aussteifung oder vorgespannte Gewindestangen sorgen für die notwendige Stabilität der Konstruktion.

Das neu aufgebaute Gebäude nach einer erfolgten Demontage. Die Wände sind nach wie vor in gutem Zustand. (Bild: IBPSC - TU Graz) 

Demonstrator erfolgreich getestet

Die entwickelte Bauweise wurde anhand eines Demonstratorgebäudes praktisch erprobt. Dabei konnten die Wandelemente erfolgreich errichtet, demontiert und an einem anderen Standort erneut aufgebaut werden. Nach Angaben des Forschungsteams blieb das Gebäude auch nach dem Wiederaufbau voll funktionsfähig.

Um die langfristige Tragfähigkeit der Elemente zu untersuchen, setzen die Forschenden auf eine zerstörungsfreie Modalanalyse. Dabei wird die Eigenfrequenz der Ziegelfertigteilwand gemessen und Veränderungen über die Nutzungsdauer hinweg analysiert.

„Das erfolgreiche Errichten, Demontieren und Wiederaufbauen des Demonstrators im großen Maßstab bestätigt die technische Machbarkeit und Robustheit des Systems unter realistischen Bedingungen”, sagt Andreas Trummer vom Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz. „Von dieser Lösung profitieren letztendlich nicht nur die Nutzer*innen des Gebäudes, da es am Ende seiner Lebensdauer einen höheren Restwert hat, sondern auch die Umwelt.”

Am Projekt beteiligt waren neben mehreren Instituten der TU Graz auch Wienerberger. Gefördert wurde das Forschungsvorhaben von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

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