Forschungsprojekt GLADIR untersucht Wiederverwertung von Bestandsglas
(04.11.2026) Das Verbundprojekt „GLADIR” unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE erforscht den Einsatz digitaler Technologien zur Wiederverwendung (Reuse), Wiederaufarbeitung (Remanufacturing) und zum Recycling von Bestandsgläsern im Bauwesen (sog. Flat-to-Flat-Recycling).
In Deutschland werden pro Jahr rund 1.670.000 Tonnen Flachglas für Gebäudeanwendungen produziert, wobei die Herstellung einer Tonne Glas ca. 500 kg CO₂ verursacht. Gleichzeitig fallen aus Modernisierung und Rückbau rund 350.000 Tonnen Flachglas an (Post-Consumer-Glas), das vorwiegend zum Downcycling, z.B. für Behälterglas, Glastextilien oder Schüttgut für den Straßenbau genutzt oder aber entsorgt wird.
Ziel des Verbundprojekts GLADIR ist es, Glas aus dem Gebäudebestand datenbasiert, effizient und in größerem Umfang im Kreislauf zu führen. Dr.-Ing. Frank Ensslen, Projektleiter am Fraunhofer ISE, zur methodischen Ausrichtung des Projekts: „Digitale Methoden sind der Schlüssel, um Zustand und Potenziale von Bestandsglas deutlich besser zu bewerten und fundierte Entscheidungen für die Wiederverwendung oder das Recycling von hochwertigen Scherben zu treffen.”
Nach einer ersten Anlaufphase soll ein Marktpotenzial von rund 16.700 Tonnen Reuse-/Remanufacturing-Glas jährlich erreicht werden, was ungefähr 1 % der Flachglas-Jahresproduktion entsprechen würde. Zusätzlich sollen ca. 45.000 Tonnen jährlich an Scherben gewonnen werden, die der Floatglas-Schmelze wieder zugeführt werden können. Die Flat-to-Flat-Recyclingquote von Bestandsgläsern würde damit um 80 % erhöht.
R-Strategien Rethink und Reduce
Als Beitrag zu den R-Strategien Rethink und Reduce soll GLADIR zirkuläre Fenster- und Fassadensysteme (Design for Disassembly) sowie Lösungen zur digitalen Erfassung von Materialeigenschaften und zur KI-basierten Defekterkennung gebrauchter Gläser entwickeln. Eine mobile Anlage zur Zerlegung von Isoliergläsern auf der Baustelle soll effizientere Abläufe für das Remanufacturing oder das Flat-to-Flat-Recycling schaffen.
Das Fraunhofer ISE bringt insbesondere seine Kompetenzen bei der Verwendung von Glas als konstruktivem Werkstoff, im Bereich physik-informierter KI-Modelle, in der Ökobilanzierung und im Datenmanagement ein. Im Rahmen des Projekts soll ein eigenes Datenverwaltungssystem entwickelt werden, um standardisierte Datenformate und Schnittstellen für die Rückverfolgbarkeit von Glasscheiben zu schaffen. Dies soll auch die Einbindung in Planungs- und Verarbeitungsprozesse ermöglichen. Zudem sind Konzepte für die Zwischenlagerung der wiederverwendbaren Gläser und digitale Vermarktungsplätze vorgesehen.
Das Projekt läuft noch bis Mai 2029 und wird im Rahmen des 8. Energieforschungsprogramms des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Flachglas sowie Fenster und Festverglasung und Glasfassade auf Baulinks
- Literatur / Bücher über Isolierglas bei BauBuch

