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Modulare Mehrschichtböden (MMF) kommen in Fahrt

(10.3.2017) Der Markterfolg der modularen Mehrschichtböden (MMF) wirkt sich positiv auf die Mitgliedszahlen des Verbands der Mehrschichtig Modularen Fußbodenbeläge (MMFA) aus: Mit Stand vom 1. Januar 2017 engagieren sich 40 europäische Produzenten, Zulieferer und Institute für die weltweite Durchsetzung hoher Qualitätsstandards dieses vergleichsweise neuen Bodenbelags.

MFA: amerikanischer MMF-Verband neu gegründet


MMFA-Vorsitzender Matthias Windmöller
  

Der MMFA will als europäisches Branchennetzwerk die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der modularen Multilayer-Böden stellen. Dass sich jüngst auch wichtige Marktakteure in den USA zu einem eigenen Verband MFA - Multilayer Flooring Association zusammengeschlossen haben, wird diesseits des Atlantiks einhellig begrüßt. Der MMFA-Vorstandsvorsitzende Matthias Windmöller hofft auf gute Beziehungen zu den Nordamerikanern: „Die Gründung des MFA war für die US-Branche ein entscheidender und notwendiger Schritt. ... Es gibt ja bereits Überschneidungen bei den Mitgliedsfirmen, und einige der MFA-Vorstände kennen wir persönlich. Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle, partnerschaftliche Zusammenarbeit unserer beiden Branchenverbände. Gemeinsam werden wir international noch mehr für die MMF-Böden bewegen können.“

Neue MMFA-Mitglieder

2016 hat der MMFA mit seinen Neuzugängen Aspecta, Novalis, Designflooring, James Halstead und ter Hürne als ordentliche Mitglieder sowie den Zulieferfirmen Renolit und Toppan als außerordentliche Mitglieder sein fachliches Spektrum erweitert. Dank der zusätzlich zur MMFA-Statistik meldenden Produzenten lassen sich die Absatzzahlen für die modularen Mehrschichtböden so umfänglicher dokumentieren. Das ermöglicht dem Verband eine genauere Analyse der Marktsituation und der Tendenzen weltweit.

Zweistelliges Plus bei Produkten auf HDF-Basis


Sebastian Wendel

Schon seit längerem zeigen bei den MMF-Böden sämtliche Absatzkurven signifikant nach oben. Hierbei werden die Absatzzahlen in den jeweiligen Regionen aus der weltweiten Produktion der ordentlichen MMFA-Mitglieder erfasst. Sebastian Wendel, Obmann des MMFA-Arbeitskreises Marktentwicklung nennt Details:

  • Um die 20% Steigerung pro Jahr wurden in den letzten drei Jahren in der MMFA-Klasse 1 verzeichnet. Das sind Produkte mit Substraten auf HDF-Basis und Polymer-Auflage. In dieser Klasse liegt aktuell wohl die Marktabdeckung durch MMFA-Verbandsmitglieder bei 90% - wobei ganze 80% der weltweit verkauften Mengen in dieser Gruppe auf Deutschland, Österreich und die Schweiz entfallen. Diese hohe Konzentration wird jedoch absehbar nachlassen, denn mittlerweile finden die Klasse-1-Böden auch in den übrigen europäischen Ländern immer mehr Zuspruch.“
  • In der MMFA-Klasse 2 (Substrate auf Polymer- und Polymer-Komposit-Basis mit Polymerauflage und/oder Polymerlacksystem), verzeichnet der MMFA ebenfalls jährlich steigende Produktabsätze. Allerdings melden durch den Mitgliederzuwachs mittlerweile mehr Produzenten ihre Mengen in Klasse 2, so dass ein Vergleich mit den jeweiligen Vorjahreszahlen kaum gezogen werden kann.
  • In der MMFA-Klasse 3 (alle anderen Aufbauten, die nicht unter Klasse 1 oder 2 oder externe Normen fallen - wie z.B. organische Nutzschichten oder mineralisches Trägermaterial) können aufgrund kartellrechtlicher Bestimmungen, die mindestens fünf meldende Firmen verlangen, leider noch keine Daten publiziert werden.

Für den Gesamtmarkt der modularen Multilayer-Böden rechnet der MMFA auch mittelfristig mit guten Zuwachsraten.

Klare Mindestanforderungen für alle Produkte

Die erfreulichen Marktzahlen sind das eine - das rasante Tempo bei den Produktentwicklungen und die Folgen daraus werden beim MMFA aber durchaus kritisch betrachtet. Die Angebotspalette der MMF-Böden ist dadurch noch unüberschaubarer geworden. Es gibt komplett neue Aufbauten, dazu kommen Modifizierungen bei den Produktzusammensetzungen oder auch weiterentwickelte Klickverbindungen. Schon jetzt hält die Normung der veränderten Produktlandschaft kaum Schritt. Ein Beispiel: Die heutigen Regelungen definieren die Klassifizierungen und Anforderungen für LVT oder für heterogene PVC-Beläge - also Produkte mit einer Nutzschicht und weiteren, kompakten Schichten in anderer Zusammensetzung - nur über die Nutzschichtstärke. Diese Einteilung reicht nach Ansicht der Branchenexperten jedoch für die neuen Produkte längst nicht mehr aus.


Volker Kettler 

Umso mehr ist der MMFA entschlossen, für die flächendeckende Durchsetzung einheitlicher, hoher Qualitätsstandards für sämtliche MMF-Produkte zu kämpfen. Volker Kettler, Obmann des Arbeitskreises Technik: „Im Sinne der Verbrauchersicherheit sollen sich in Zukunft nur die qualitativ besten Produkte am Markt behaupten können. Unser Ziel heißt, bestehende Normungslücken zu erkennen und sinnvoll zu schließen. Dazu betreiben wir im MMFA eine intensive Grundlagenforschung, die wir als Beitrag zur inhaltlichen Weiterentwicklung der internationalen Normen verstehen.“

Für die vielen und höchst unterschiedlichen Produkte am Markt wollen die Experten zweckmäßige Prüfungen und klare Anforderungen erarbeiten und daraus allgemeingültige Produktstandards definieren. Dazu sind eindeutige Produktkennzeichnungen und Klassifizierungen notwendig. So beschäftigten sich in jüngster Zeit zwei MMFA-Arbeitsgruppen mit der Entwicklung neuer Parameter zur Prüfung der Verriegelungsfestigkeit „locking strength“ sowie der Temperaturbeständigkeit „temperature resistance“ von MMF-Dielen. Die Testreihen in Kooperation mit dem IHD Dresden führten zu wichtigen neuen Erkenntnissen. Im Herbst 2016 wurden die Ergebnisse vom Verband ausführlich kommuniziert.

Pilotprojekt ‚Hot Spot‘: Problem raumhoher Verglasung

Auch ein Folgeprojekt konnte bereits gestartet werden, erklärt Kettler: „Unser Pilotprojekt ‚Hot Spot‘ behandelt das Thema der oberseitigen, punktuellen Wärmebeanspruchung von MMF-Böden - eine Situation, die in der Praxis unter anderem bei raumhoher Verglasung durch Sonneneinstrahlung auftreten kann. In Kooperation mit dem IHD Dresden wollen wir neue, aussagekräftige Testmethoden speziell für schwimmend verlegte MMF-Böden bei besonderen Verlegesituationen erarbeiten.“ Berücksichtigt werden dabei sowohl verschiedene Produktaufbauten als auch mögliche Auswirkungen durch unterschiedliche Unterlagsmaterialien. Die Mitglieder der Ad-hoc-Gruppe sind sich einig, dass nur die Kombination mehrerer Testmethoden ein klares Bild ergeben wird, um belastbare Aussagen zur Bewertung der Produktqualität machen zu können.

Neu: Vergleichsweise dünner Aufbau

Neu auf den Markt gekommen sind recht dünne MMF-Konstruktionen in vier bis fünf Millimetern Dicke für die schwimmende Verlegung mit Klickprofil. Große Formate im Landhausstil zum einfachen Klicken bleiben weiter die Renner.

Bemerkenswerte Designvielfalt

Die europäischen MMF-Böden sind sehr design-orientiert. Zu ihren Stärken gehört die Vielfalt des Oberflächen- und Dekorangebots. Ihre technische Ausstattung erlaubt ein breites Einsatzspektrum im Objekt- und Privatbereich. Dabei bietet die Formatauswahl - als Fliese oder Diele von klein bis groß und von schmal bis breit - immer wieder neue Gestaltungsansätze für individuelle Bodenbilder.

Im Privatbereich dominieren bei den Dekoren nach wie vor die Holznachbildungen, zuallererst die vielen Spielarten der Eiche, aber auch neue Optiken wie edle Akazien-, Pinien-, Erlen- oder Nussbaumdekore bereichern die Auswahl. Gleichwohl gewinnen nach der sehr rustikalen Welle in den Kollektionen nun lebendige, aber harmonischere Erscheinungsbilder und feinere Maserungen an Bedeutung. Synchrongeprägte Dekore mit matten Oberflächen in angenehm weicher Haptik und natürliche Farbstellungen wie warmtöniges Beige, Grau oder Braun liegen derzeit im Trend.

Bei den Steindekoren werden neben den – vor allem im Objektsegment sehr populären – Betonoptiken nun auch wieder Klassiker wie Marmor frisch und modern interpretiert. Mit gekonnt eingesetzten Kupfer- oder Goldreflexen wird bei einigen Dekoren eine besondere Oberflächenwirkung erzeugt. Zudem werden nachhaltige, biobasierte Materialkombinationen nach Einschätzung des MMFA in den nächsten Jahren im MMF-Segment an Bedeutung gewinnen.

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