Siemens und Rittal entwickeln Infrastruktur für KI-Rechenzentren
(17.3.2026) In Deutschland soll sich die Kapazität der Rechenzentren bis 2030 verdoppeln und die für künstliche Intelligenz sogar vervierfachen – nun haben Siemens und Rittal eine strategische Partnerschaft geschlossen, um gemeinsam Lösungen für die Energieverteilung in Rechenzentren zu entwickeln.
Hohe Anforderungen für KI-Rechenzentren
Die Partner adressieren damit insbesondere die durch KI-Anwendungen steigenden Leistungsdichten und wollen den Bau entsprechender Rechenzentren beschleunigen sowie die Time-to-Compute verkürzen.
In KI-Rechenzentren liegen Leistungsanforderungen bereits heute bei etwa 100 kW und mehr pro Rack. Prognosen gehen davon aus, dass sich diese Leistungsdichte bis 2030 auf über 1 MW erhöhen kann. Damit wachsen die Anforderungen an Energieverteilung, Kühlung und Wärmerückgewinnung deutlich.
An der Zusammenarbeit beteiligt sind Siemens Smart Infrastructure sowie die Friedhelm Loh Group mit ihrem Unternehmen Rittal. Siemens entwickelt elektrische Komponenten und Systeme für Energieverteilung und Infrastruktur, während Rittal standardisierte IT-Racks sowie Lösungen für Stromversorgung und Kühlung bereitstellt, die insbesondere bei Hyperscale-Rechenzentren eingesetzt werden.
Prof. Dr. Friedhelm Loh, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Friedhelm Loh Group, erklärt: „Mit Siemens verbindet uns eine langjährige Zusammenarbeit in zahlreichen Feldern. Wir sind stolz, die Kooperation auf die nächste Stufe zu heben. Beide Unternehmen treibt der Wille zur Innovation. Als Technologieführer sind wir in der Verantwortung, mit neuesten Technologien die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden immer weiter zu stärken.”
Sidecar-Applikation für die Stromversorgung im White Space
Eine der ersten Entwicklungen im Rahmen der Partnerschaft ist eine sogenannte Sidecar-Applikation. Diese wird direkt im White Space eines Rechenzentrums installiert, also im Bereich der Server- und Speichersysteme. Das Konzept sieht vor, die Leistungselektronik in einem eigenen Power-Rack zu bündeln, das mehrere Serverschränke mit Energie versorgt. Durch diese Architektur soll eine standardisierte und skalierbare Stromversorgung direkt im Serverbereich ermöglicht werden.
Die Lösung basiert auf offenen OCP-Standards sowie auf modularen Komponenten von Siemens und Rittal. Ziel ist eine schnelle Installation, hohe Verfügbarkeit und ein stabiler Betrieb der Infrastruktur. Gleichzeitig soll die Energieeffizienz verbessert werden, etwa durch eine höhere Rechenleistung pro eingesetztem Watt.
Andreas Matthe, CEO Electrical Products bei Siemens Smart Infrastructure, sagt dazu: „Um das rasante KI-Wachstum zu ermöglichen, benötigen wir zügig intelligente, zuverlässige und skalierbare Stromversorgungslösungen für Rechenzentren. In Kombination mit unseren innovativen elektrischen Produkten und Lösungen ist Rittal ein idealer Partner, wenn es um Tempo und Standardisierung bei Infrastruktur geht.”
Standardisierte Niederspannungsverteilung
Neben der Sidecar-Applikation arbeiten Siemens und Rittal an weiteren Lösungen für Rechenzentren. Dazu gehören unter anderem standardisierte Niederspannungsverteilungen für modulare oder containerisierte Rechenzentren sowie Konzepte zur Verbesserung von Betriebs- und Personensicherheit. Die Infrastruktur basiert auf aufeinander abgestimmten Komponenten von Siemens sowie auf den Stromverteilungsplattformen RiLineX und Ri4Power von Rittal Energy & Power Solutions. Nach Angaben der Unternehmen befinden sich erste Kundenprojekte bereits in Umsetzung. Perspektivisch soll die Kooperation auch auf weitere Industriebereiche und Anwendungen ausgeweitet werden.
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