Sanierung der Staatsbibliothek Berlin - Vorbereitende Maßnahmen beginnen
(05.06.2026) Die Staatsbibliothek zu Berlin steht vor einer umfassenden Grundinstandsetzung. Das Haus Potsdamer Straße, in dem auch das Ibero-Amerikanisches Institut untergebracht ist, wurde 1967 - 1978 nach den Entwürfen des Philharmonie-Architekten errichtet und nach dessen Tod 1972 maßgeblich unter Beteiligung von Edgar Wisniewski vollendet. Die weithin bekannte Architektur steht unter Denkmalschutz; wichtige Gestaltungsmerkmale wie die terrassengegliederte Leselandschaft, die Sheddach-Lichtarchitektur mit runden Oberlichtern (Kalotten) sowie Kunstwerke - etwa die Glasfenster von Alexander Camaro und der von Erich F. Reuter gestaltete Natursteinboden im Foyer - sollen im Rahmen der Instandsetzung so weit wie möglich bewahrt werden.
Zeitplan, Umfang und Phasen
Die vorbereitenden Baumaßnahmen beginnen dieses Jahr; die Hauptmaßnahme erfordert jedoch die Schließung des Hauses und ist ab 2030 geplant. Vorgesehen sind mehrere Bauphasen: Zunächst erfolgt die Grundinstandsetzung des sogenannten Bücherturms, anschließend die Sanierung der Sockel- und Tiefgeschosse. Der reguläre Betrieb soll ab 2041 wieder aufgenommen werden, die Außenanlagen sind für das darauffolgende Jahr als wieder nutzbar vorgesehen.
Größe, Bestände und Logistik der Umzüge
Das Gebäude verfügt über eine Brutto-Grundfläche von rund 114.000 m² und beherbergt auf etwa 180 km Regalfachböden mehrere Millionen Bände. Rund 650 Beschäftigte sind im Haus tätig.
Zur Herstellung der Baufreiheit und für die Schadstoffsanierung sind umfangreiche Umzüge und Zwischenlagerungen erforderlich. Konkret sind für die Jahre 2026–2030 folgende Etappen vorgesehen: Für 2026 ist die Verlagerung aus den Tiefgeschossen in ein Ausweichgebäude im Berliner Westhafen geplant (insgesamt rund 2,9 Mio. Bände: ca. 1,9 Mio. der SBB und 1 Mio. des IAI); Tresorbestände von rund 270.000 Bänden ziehen in das Haus Unter den Linden. Anschließend erfolgt die Auslagerung der vielbenutzten Bestände aus dem Bücherturm (rund 2,2 Mio. Bände), teilweise in eine Zwischenlagerung im Westhafen sowie in Magazinflächen in Berlin-Friedrichshagen.
Zusammen mit den weiteren Verlagerungen handelt es sich um eine logistisch komplexe Bewegung von Millionen Bänden. Während der Arbeiten werden die Leihstelle und damit die Ausleihe über den Standort Unter den Linden aufrechterhalten.
Bücherturm, Magazinflächen und Ausweichquartier
Der Bücherturm beherbergt auf sieben Etagen (davon fünf Magazin-Etagen) und insgesamt rund 22.000 m² Fläche mehr als zweieinhalb Millionen Bände. Er bildet die erste Sanierungsphase (geplante Sanierung ab 2027). Parallel entsteht an der Tiergartenstraße ein Ersatzneubau mit geplanter Fertigstellung 2029, der als Ausweichquartier für Beschäftigte und Teile des Ibero-Amerikanischen Instituts dienen soll. Nach Abschluss der Grundinstandsetzung soll dieses Gebäude auch anderen Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz als Übergangsquartier zur Verfügung stehen.
Schadstoffe, Abbau und Entsorgung
Bei Untersuchungen wurden Schadstoffe aus der Bauzeit festgestellt (u.a. Asbest, PCB, Chlorparaffine, Lacke mit Schwermetallanteilen). Teilflächen wurden bereits saniert. Eine flächendeckende Entfernung erfordert jedoch die Schließung des Hauses. Die Schadstoffarbeiten erfolgen in rund 273 so genannten „Schwarzbereichen” — hermetisch abgeschlossenen Einhausungen mit eigener Lüftung und Schleusen. Es dürfen nur spezialisierte Firmen tätig werden. Beim Rückbau und bei der Schadstoffentsorgung fallen insgesamt rund 30.000 Tonnen Abfall an; dafür werden etwa 2.700 Container (bis zu 40 m³) gebraucht. Besonders anspruchsvoll sind die Abhangdecken im Lesesaal und die schwer zugänglichen Kalotten (202 Lichtkuppeln).
Denkmalschutz, Erhalt und Inventarisierung
Gebäude, Einbauten, Kunstwerke, Möbel und sogar technische Anlagen (z. B. Rohrpost) sind denkmalgeschützt und wurden 2005 in die Berliner Denkmalliste eingetragen. Ziel der Planung ist der größtmögliche Erhalt denkmalwerter Substanz. Wertvolle Einbauten werden schonend ausgebaut, inventarisiert, eingelagert und größtenteils denkmalgerecht überarbeitet. Auch gestalterische und technische Besonderheiten — etwa rund 15 verschiedene Deckenleuchtentypen im Hauptfoyer und in der Wandelhalle (insgesamt ca. 2.000 Stück) — sind Bestandteil der Erhaltungsmaßnahmen.
Nachhaltigkeit und Energiekonzept
Die Grundinstandsetzung beinhaltet eine Neukonzeption der Energieversorgung mit dem Ziel, möglichst viel regenerative Energie einzusetzen und die Gebäudesteuerung effizient zu gestalten. Vorgesehen sind ein Wärme- und Kälteverbund mit Pufferspeicher, die Nutzung von Abwärme (z.B. aus Serverräumen), Erdwärmesonden zur Unterstützung von Wärmepumpen, ein Fernkälteanschluss sowie zwei Spitzenlast-Kälteanlagen und ein Fernwärmeanschluss für Spitzenlasten. Wo statisch möglich und denkmalgerecht umsetzbar, werden Dachflächen mit Photovoltaik ausgestattet. Das Projekt wird nach dem Bewertungssystem „Nachhaltiges Bauen (BNB)” beurteilt.
Kosten, Zuständigkeit und Planung
Für die Grundinstandsetzung wurden haushaltsseitig rund 1,1 Mrd. Euro bewilligt; zusätzlich sind etwa 350 Mio. Euro für Risiken und Preissteigerungen veranschlagt. Die Planungsleistungen liegen bei dem Büro gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Wettbewerbssieg 2019). Die Projektdurchführung erfolgt unter Leitung des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Bauherrin ist die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Zu den Maßnahmen zählen außerdem die Ertüchtigung bestehender Magazin- und Depotflächen, die Planung von Zwischenunterbringungen für Personal sowie die Herrichtung des Außengeländes.
Nutzerorientierte Umgestaltung
Zeitgleich zur technischen und denkmalgerechten Instandsetzung wird das Haus moderner und barrierefrei gestaltet. Vorgesehen sind erweiterte Aufenthaltsflächen, unterschiedliche Studierzonen, flexible Veranstaltungs- und Workshopräume sowie Gastronomieangebote (unter anderem eine Cafeteria mit rund 140 Plätzen und Leseterrassen mit Blick auf die Wasserfläche). Geplant ist außerdem eine stärkere Öffnung des Hauses zur städtebaulichen Umgebung am Potsdamer Platz und ein neuer Eingang an der Ostseite.
Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek zu Berlin - Haus Potsdamer Straße
- Bauherrin: Stiftung Preußischer Kulturbesitz vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
- Nutzer: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und Ibero-Amerikanisches Institut – Preußischer Kulturbesitz
- Projektleitung: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - Referat KB I 3
- Architektur: gmp Generalplanungsgesellschaft mbH,
- Entwurf: Stephan Schütz mit Christian Hellmund
- Bestandsarchitektur: Hans Scharoun, nach dessen Tod 1972 Vollendung unter Edgar Wisniewski
- Planungsbeginn: 2020
- Baubeginn: 2026 (vorbereitende Baumaßnahmen), geplant 2027 (Sanierung Bücherturm), geplant 2030 (Hauptbaumaßnahme) und geplant 2041 (Außenanlagen)
- Bauliche Fertigstellung: geplant 2030 (vorbereitende Baumaßnahmen), 2041 (Hauptbaumaßnahme) und 2042 (Außenanlagen)
- Genehmigte Kosten: rund 1,1 Mrd. Euro
- Brutto-Grundfläche: rund 114.000 m²
- Nutzungsfläche: rund 68.000 m²
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
- Doppelt gekrümmtes Betondach schmückt Mariendom in Linz (02.03.2026)
- DSD auf den Spuren der Sinziger Fliesen (24.02.2026)
- Schall- und Brandschutz im Denkmal mit Steinwolle-Granulat (13.01.2026)
- KIT: Sanierung des historischen Botanischen Instituts (17.12.2025)
siehe zudem:
- Sanierung auf Baulinks
- Literatur / Bücher zum Thema Sanierung bei Baubuch / Amazon.de


