Suche
Kopfbild

Erich-Mendelsohn-Preis 2026 zeichnet erneut Backsteinarchitektur aus

(07.09.2026) Bei der Preisverleihung am 4. September 2026 wurden die Gewinner des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 für Backstein-Architektur bekannt gegeben. Im Mittelpunkt der Juryentscheidung standen in diesem Jahr drei Aspekte: der gestalterische und konstruktive Einsatz von Backstein, der sensible Umgang mit dem Bestand sowie soziale Gesichtspunkte. Der Grand Prix ging an noAarchitecten für die Erweiterung von Het Steen in Antwerpen.

Die Gewinnerprojekte

Winner Grand Prix: noAarchitecten, Het Steen (Antwerpen, BE)

Bei der Restaurierung und Erweiterung der mittelalterlichen Burganlage Het Steen nutzt noAarchitecten Backstein als verbindendes Element zwischen historischer Substanz und zeitgenössischer Architektur. Die Geschichte des Bauwerks wird behutsam fortgeschrieben.

Ein neuer Flügel ersetzt einen Anbau aus den 1950er-Jahren und verbindet unterschiedliche Zeitschichten. Zugleich stärkt er Het Steen als historischen Ort, städtisches Wahrzeichen und öffentliche Passage. Die Jury würdigte insbesondere den sensiblen Umgang mit dem Bestand und die Öffnung des Denkmals zu einem lebendigen öffentlichen Ort. 

Winner Grand Prix
Het Steen Antwerp, noAarchitecten, Winner Grand Prix beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Kim Zwarts) 

Winner Gold Büro- und Gewerbebau: Boltshauser Architekten, Hotel Leo (Zürich, CH) 

Das Hotel Leo begegnet seinem historischen Umfeld mit großer Zurückhaltung. Farbigkeit und Materialwahl greifen die benachbarte Villa auf, während der präzise gesetzte Neubau einen neuen öffentlichen Platz entstehen lässt. Mit seiner grünlichen Backsteinfassade vermittelt das Hotel zwischen Alt und Neu und setzt zugleich einen neuen Hochpunkt am Rand der St. Galler Innenstadt. Natürliche Materialien und eine flexibel nutzbare Gebäudestruktur unterstützen den nachhaltigen Betrieb. 

Winner Gold Büro- und Gewerbebau
Hotel Leo, Boltshauser Architekten, Winner Gold Büro- und Gewerbebau beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Kuster Frey) 

Winner Gold Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau: Caruso St John Architects, Veemgebouw (Eindhoven, NL)

Beim Veemgebouw in Eindhoven bleibt ein modernistisches Lagerhaus weitgehend erhalten und wird mit drei zusätzlichen Wohngeschossen ergänzt. Die wellenförmige Backsteinfassade greift die Materialität des Bestands auf und entwickelt sie eigenständig weiter. Die markante Aufstockung des denkmalgeschützten VEEM-Gebäudes mit begrüntem Dachhof stärkt seine Rolle als Orientierungspunkt im Quartier Strijp-S und schafft bezahlbaren Wohnraum. 

Winner Gold Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau
Veemgebouw, Caruso St John Architects, Winner Gold Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Filip Dujardin) 

Winner Gold Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte: Klöpfel Zeimer Architekten, Umbau Siedlerhaus Battin (Brüssow, DE)

Der Umbau des Siedlerhauses Battin setzt beim Archetyp des Wohnens an. Backstein bildet dabei den konstruktiven und räumlichen Ausgangspunkt für eine Neuinterpretation elementarer Wohnräume. Ein präziser Raumeinbau aus Sichtmauerwerk ordnet das Siedlerhaus aus den 1950er-Jahren neu. Die begehbare Backsteinplastik verbindet die Geschosse und erzeugt neue Blickbeziehungen und Wege durch das Haus. 

Winner Gold Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte
Umbau Siedlerhaus Battin, Klöpfel Zeimer Architekten, Winner Gold Einfamilienhaus/Doppelhaushälfte beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Schnepp Renou) 

Winner Gold Newcomer: Deborah Süß (HTWK Leipzig), Kühlturm

Die Newcomer-Jury zeichnete den Entwurf „Kühlturm” von Deborah Süß, Architekturstudentin der HTWK Leipzig, mit Gold aus. Das Projekt verbindet eine Busstation mit einem öffentlich zugänglichen Kühlraum und reagiert damit auf die zunehmende Überhitzung urbaner Räume.

Der Entwurf am Bayerischen Platz verbindet industrielle Formensprache mit traditionellen Prinzipien passiver Kühlung. Gedrehte Backsteine lenken kühle Luft ins Innere und schaffen einen öffentlichen Rückzugsort.

Winner Gold Newcomer
Kühlturm, Deborah Süß (HTWK Leipzig), Winner Gold Newcomer beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Deborah Süß) 

Gewinner „Best in Germany” 

Mit „Best in Germany” wurde erstmals eine Auszeichnung vergeben, die gestalterische Qualität und nachhaltiges Bauen in der deutschen Baukultur zusammenführt. In dieser Kategorie prämierte die Jury drei Projekte.

Best in Germany Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau: DMSW Architektur Stadt Landschaft

DMSW verwandelt ein vermeintlich unbebaubares Grundstück in gemeinschaftlich genutzten Wohn- und Arbeitsraum. Der markante Backsteinbau in Berlin-Neukölln schließt den Blockrand. Die ungewöhnliche Kubatur übersetzt komplexe städtebauliche Vorgaben in eine prägnante architektonische Figur. 

Best in Germany Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau
Ein Monolith als Lückenschluss, DMSW Architektur Stadt Landschaft, Best in Germany Wohnungsbau/Geschosswohnungsbau beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Jan Bitter) 

Best in Germany Öffentliche Bauten, Freizeit und Sport: ZILA, Erweiterung Kaiserin-Augusta-Schule (Köln, DE) 

Mit rotem Backstein führt ZILA die Materialität des Bestands und der Kölner Umgebung fort. Die Erweiterung ergänzt den fragmentierten Blockrand im Georgsviertel. Roter Wasserstrichziegel und unterschiedlich ausgebildete Fugenraster reagieren auf die heterogene Nachbarschaft. Der Neubau fügt sich ein und bewahrt zugleich eine eigenständige, ruhige Gestaltung.

Best in Germany Öffentliche Bauten, Freizeit und Sport
Erweiterung Kaiserin-Augusta-Schule, ZILA, Best in Germany Öffentliche Bauten, Freizeit und Sport beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Sebastian Schels) 

Best in Germany Büro- und Gewerbebau: BIWERMAU Architekten, Maschinenzentralstation (Hamburg, DE) 

Mit der Sanierung der ehemaligen Maschinenzentralstation und der Wiedererrichtung des im Krieg zerstörten Kopfbaus führt BIWERMAU Architekten ein Stück der ursprünglichen Gestalt der Hamburger Speicherstadt zurück. Die behutsame Sanierung und Erweiterung der ehemaligen Energiezentrale macht unterschiedliche Zeitschichten ablesbar. Gleichzeitig entsteht ein Ensemble, das zur städtebaulichen Reparatur des UNESCO-Weltkulturerbes beiträgt.

Best in Germany Büro- und Gewerbebau
Maschinenzentralstation, BIWERMAU Architekten BDA, Best in Germany Büro- und Gewerbebau beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur (Bild: Jochen Stöber) 

533 Projekte aus mehr als 40 Ländern

Der Wettbewerb wurde 2008 zunächst als Fritz-Höger-Preis für Backstein-Architektur ins Leben gerufen und findet seitdem alle drei Jahre statt. Für die siebte Ausschreibung gingen 533 Projekte aus mehr als 40 Ländern ein. 99 Arbeiten wurden in den Hauptkategorien für die Shortlist ausgewählt, weitere 20 in der Kategorie Newcomer.

„Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie zeitgemäß und vielseitig Backsteinarchitektur sein kann”, sagt Max Wasserkampf, Präsidiumsmitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten BDA. Backstein werde dabei nicht allein als prägendes Material eingesetzt, sondern als Bestandteil einer ganzheitlichen architektonischen Haltung verstanden. Die prämierten Arbeiten verbänden Material, Ort, Geschichte und soziale Verantwortung auf besondere Weise.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

Impressum | Datenschutz | © 1997-2026 BauSites GmbH