Deutscher Stahlbautag 2026: Ausgezeichnete Projekte zeigen die Möglichkeiten des Stahlbaus
(28.09.2026) Beim 42. Deutschen Stahlbautag am 17. September 2026 in Bielefeld wurden der Preis und der Sonderpreis des Deutschen Stahlbaues, die Ingenieurpreise für Hochbau und Brückenbau sowie die Auszeichnung des Deutschen Stahlbaues verliehen. Ausgezeichnet wurden unter anderem die Sanierung und Erweiterung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, die Erweiterung des Zentrums für Kunst und Urbanistik in Berlin, der Aussichtsturm Frankenwald und die Brücke „Sprung über die Emscher”.
Die Preisträger 2026
Preis des Deutschen Stahlbaues - Deutsches Meeresmuseum (Stralsund)
Der Preis des Deutschen Stahlbaues ging an Reichel Schlaier Architekten aus Stuttgart für die Sanierung und Erweiterung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Die Jury würdigte insbesondere die Verbindung einer zeitgemäßen Nutzung mit der wertvollen historischen Bausubstanz. Die fünf Jahre dauernde Modernisierung umfasste die Sanierung des spätgotischen Katharinenklosters und die Ergänzung um drei neue Baukörper mit einheitlicher äußerer Erscheinung. Material und Struktur prägen die Wirkung aus der Nähe, während eine klare, abstrakte Volumetrie die Fernwirkung bestimmt.
Stahl übernimmt dabei unterschiedliche Funktionen und Maßstäbe. Im bewussten Kontrast zur historischen Bausubstanz und zugleich sensibel in den Bestand integriert, reicht sein Einsatz von Stahlbetonverbunddecken über Bereiche in Stahlskelettbauweise bis zu Fachwerkträgern im Brückenbereich. Der Werkstoff ergänzt vorhandene Konstruktionen ebenso wie er eigenständige Tragwerke bildet. Überzeugt zeigte sich die Jury auch vom Umgang mit den Anforderungen an nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen. Re-Use und Ertüchtigung, Demontierbarkeit, ein effizienter Materialeinsatz und flexible Nutzungsmöglichkeiten sind wesentliche Bestandteile der Planung.
- Preisträger: Reichel Schlaier Architekten GmbH, Stuttgart
- Ingenieur: Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure VBI AG, Stuttgart
- Stahlbau: Schindler Anlagenbau GmbH, Abtshagen
- Bauherr: Stiftung Deutsches Meeresmuseum, Stralsund
Sonderpreis des Deutschen Stahlbaues - ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik
Der Sonderpreis des Deutschen Stahlbaues für besonders nachhaltige und ressourceneffiziente Projekte ging 2026 an Peter Grundmann Architektur aus Berlin für die Erweiterung des Zentrums für Kunst und Urbanistik, ZK/U.
Das ZK/U entstand 2012 durch die Umnutzung eines ehemaligen Güterbahnhofs in Berlin-Moabit. Wegen des gestiegenen Flächenbedarfs und der notwendigen energetischen Sanierung des Bestandsgebäudes wurde 2016 eine Erweiterung beschlossen. Da keine zusätzlichen Flächen in Anspruch genommen werden sollten, wurde das bislang ungedämmte Lagerhaus um ein weiteres Geschoss aufgestockt.
Statt den Bestand zu ersetzen, ertüchtigt und erweitert ihn das Projekt von Peter Grundmann Architektur. Die große Spannweite der neuen Konstruktion ermöglicht die Aufstockung und schafft zugleich einen stützenfreien Raum im Erdgeschoss. Damit nutzt der Entwurf die Möglichkeiten des Stahlleichtbaus konsequent. Mit begrenzten finanziellen Mitteln entstand so hochwertige Architektur im Bestand. Nach Einschätzung der Jury sind dafür eine klare architektonische Haltung und eine hohe konstruktive Kompetenz im Umgang mit Stahl entscheidend. Zugleich greift das Projekt zentrale Aspekte einer nachhaltigen Baukultur auf. Dazu zählen die Revitalisierung statt eines Abrisses, das Weiterbauen ohne zusätzlichen Flächenverbrauch und die Verlängerung des Lebenszyklus bestehender Gebäude.
- Preisträger: Peter Grundmann Architekten (Berlin)
- Tragwerk: Dipl.-Ing. (FH) Jens Quittenbaum, Quittenbaum Bauingenieure GmbH (Niesky)
- Stahlbau: Hagen Mauer, Metall- und Stahlbau Mauer (Stendal)
- Bauherr: KUNSTrePUBLIK e.V. (Berlin)
Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues – Kategorie Hochbau – Aussichtsturm Frankenwald
In der Kategorie Hochbau erhielt Dr. Gollwitzer – Dr. Linse und Partner den Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues für den Aussichtsturm Frankenwald in Presseck im Landkreis Kulmbach. Nach Ansicht der Jury setzt der Turm das Prinzip „form follows function” beispielhaft um.
Auf dem 690 m hohen Pressecker Knock geht es seit 2024 noch einmal 40 m weiter hinauf. Über mehr als 200 Stufen führt eine umlaufende Treppe zur Aussichtsplattform des Frankenwaldturms. Architektur und Ingenieurbau greifen dabei eng ineinander. Ein sechseckiges, tragendes Stahlfachwerk wird durch die umlaufenden Treppenläufe und Aussichtsplattformen zu einer dreieckigen Gesamtform ergänzt. Damit verbindet die Konstruktion die beiden wesentlichen Funktionen eines Aussichtsturms: die Lastabtragung und die vertikale Bewegung der Besucher.
Mit wenigen gezielten Eingriffen überführten die Ingenieure die Entwurfsidee der Architekten in eine statisch effiziente Konstruktion. Gleichzeitig blieb die gestalterische Qualität erhalten. Die Stahlmasse konnte gegenüber der ursprünglichen Planung nahezu halbiert werden. Auch beim Betonfundament wurde der Materialeinsatz reduziert. Der modulare Aufbau trägt zusätzlich zur Wirtschaftlichkeit und Ressourceneffizienz bei. Die Stahlkonstruktion besteht aus sechs unterschiedlichen Elementen. Einheitliche Standardprofile mit gleicher Länge und Stärke sowie einheitliche Verbindungselemente ermöglichen eine spätere Demontage und Weiterverwendung im Sinne der Kreislaufwirtschaft.
- Preisträger: Dr. Gollwitzer – Dr. Linse und Partner, Beratende Ingenieure im Bauwesen mbB (München)
- Architektur: Architekturbüro Kersten Schöttner (Wallenfels)
- Stahlbau: SSB Stark Stahlbau GmbH (Coburg)
- Bauherr: Markt Presseck
Ingenieurpreis des Deutschen Stahlbaues – Kategorie Brückenbau – Sprung über die Emscher (Castrop-Rauxel)
In der Kategorie Brückenbau ging der erste Preis an DKFS und die Schüßler-Plan GmbH für die 412 m lange Brücke „Sprung über die Emscher”. Die Ganzstahlkonstruktion verbindet in einer doppelten S-Kurve zwei Rad- und Wanderwege. Dabei überquert sie zweimal die Emscher und einmal den Rhein-Herne-Kanal.
Die Jury würdigte insbesondere die hohe Ausführungsqualität des Stahlbaus angesichts der komplexen Geometrie und der anspruchsvollen Montage mit Schwimmkran und sorgfältig vorverdrillten Zügelgurten. Auch die Geländer mit Edelstahlseilnetz und das Beleuchtungskonzept überzeugten durch ihre Planung und Umsetzung.
Die Geometrie der mehr als 400 m langen Brücke wurde vollständig computergestützt modelliert, um Tragverhalten und Materialeinsatz zu optimieren. Ihre charakteristische Form erinnert an einen Bogen mit gespanntem Pfeil und brachte dem Bauwerk den Beinamen „Silver Arrow” ein. Die Gestaltung folgt zugleich den konstruktiven Anforderungen und macht den Kraftverlauf sichtbar. Eine zentrale Rolle übernimmt der entgegen der Krümmung geneigte Pylon mit zwei verdrillten Zügelgurten aus Flachstahl. Sie tragen das 108 m lange Flussfeld und das angrenzende 89 m lange Innenfeld. Die Stahlpfeiler der semiintegralen Brücke sind monolithisch mit dem Überbau verbunden. Abhebende Lasten an den Widerlagern werden über Pendelstäbe aus Edelstahl zwängungsarm aufgenommen. Die erforderlichen Einspannungen am Pylon und am gegenüberliegenden Flusspfeiler sind in die Treppenpodeste integriert.
- Preisträger: INGE Schüßler-Plan | DKFS (Düsseldorf | London, Aachen)
- Stahlbau: MCE GmbH (A-Linz)
- Bauherr: Emschergenossenschaft / Lippeverband (Essen)
Zwei Persönlichkeiten ausgezeichnet
Mit der Auszeichnung des Deutschen Stahlbaues würdigt der Deutsche Stahlbau-Verband Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Branche verdient gemacht haben. 2026 gingen die Auszeichnungen an Joachim Gugolka und Dr.-Ing. Dieter Reitz. Beide haben den Stahlbau über Jahrzehnte geprägt.
Joachim Gugolka steht für hohe Kompetenz in Fertigung und Normung sowie für seinen langjährigen ehrenamtlichen Einsatz im Deutschen Stahlbau-Verband.
Dr.-Ing. Dieter Reitz hat den Stahl- und Verbundbrückenbau durch zahlreiche wegweisende Projekte und sein langjähriges Engagement als Vorsitzender der Fachgemeinschaft Brückenbau mitgestaltet. Ein besonderes Anliegen ist ihm zudem die Förderung des Ingenieurnachwuchses.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
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