VHV und IFB-Studie: Anforderungen an widerstandsfähige Wohngebäude bei Extremwetterereignissen
(20.10.2026) Eine aktuelle Studie des Instituts für Bauforschung e.V. (IFB) zeigt auf Basis langjähriger Versicherungsdaten der VHV Allgemeine, wie sich Extremwetterschäden entwickeln und die Bedeutung von Prävention und einer passenden Risikoabsicherung zunehmen.
Extremwetterereignisse hinterlassen zunehmend deutliche Spuren in der Schadenstatistik. Die Studie „Klimawandel und Extremwetterereignisse: Schadenentwicklung und Anforderungen an Wohngebäude” belegt, wie sich Extremwetterschäden verhalten und welche Regionen in Deutschland besonders betroffen sind. Auch Anforderungen an widerstandsfähigere Wohngebäude werden abgeleitet.
Extremwetter mit unterschiedlichen Auswirkungen
In den Jahren 2013, 2022 und 2023 verursachten großflächige Hagelereignisse erhebliche Sachschäden, auch an Häusern. 2018 führte Orkan Friederike zu Sturmschäden. Gleichzeitig begann eine Dürreperiode, die bis 2020 anhielt.
Im Sommer 2021 folgten auf Hitzewellen schwere Gewitter mit Sturmböen, Starkregen und Hagel. Hinzu kam die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal. 2022 prägten schwere Gewitterlagen mit sogenannten Superzellen das Schadengeschehen. Langanhaltende Regenfälle führten zudem an Weihnachten 2023 in Niedersachsen sowie im Frühsommer 2024 in Bayern und Baden-Württemberg zu Überflutungen.
Gebäude sind somit zunehmend durch Extremwetter gefährdet. Die Bedeutung von Prävention und einer passenden Risikoabsicherung nimmt zu. Betroffen sind nicht nur Dächer, Fassaden und Keller, sondern häufig auch die Gebäudetechnik.
Widerstandsfähigkeit wird zur Planungsaufgabe
Die Studienergebnisse bieten eine Grundlage, um die Auswirkungen von Extremwetter auf Gebäude besser zu verstehen und daraus Maßnahmen für langfristig funktionsfähige Gebäude abzuleiten. Widerstandsfähige Gebäude- und Quartierskonzepte rücken dabei stärker in den Fokus. Dazu gehören hagelresistentere Materialien, eine leistungsfähige Entwässerung und Maßnahmen zur Regenwasserrückhaltung. Auch ein wirksamer Hitzeschutz gewinnt an Bedeutung.
Extremereignisse, vermehrte lokale Schadensereignisse und Kaskadeneffekte
Die Gesamtschadenbilanz wird nicht nur von einzelnen Extremereignissen geprägt. Auch viele kleinere, lokale Schadenereignisse spielen eine Rolle. Sturm und Hagel treten besonders häufig auf. Elementargefahren wie Starkregen, Rückstau, Überschwemmung oder Schneedruck verursachen dagegen seltener Schäden, können im Einzelfall jedoch besonders teuer werden. Hinzu kommen komplexe Schadenereignisse, bei denen mehrere Einwirkungen gleichzeitig oder nacheinander auftreten. Dazu zählen etwa Starkregen mit Rückstau und Überflutung in Verbindung mit Hagel und Sturmböen. Dadurch steigen die Anforderungen an Gebäudehülle, Kellerbereiche und technische Anlagen.
Vor allem Gewitter können mehrere Schadentreiber bündeln. Starkregen, Hagel, Blitzschlag und Sturmböen treten häufig gemeinsam auf. Organisierte Gewittersysteme wie Superzellen können zudem länger anhalten und komplexe Schadenlagen verursachen. Mögliche Folgen sind beschädigte Dächer, Überflutungen oder Ausfälle technischer Anlagen. Durch länger anhaltende oder rasch aufeinanderfolgende Extremwetterlagen ausgelöste Kaskadeneffekte können Schadenswirkungen verstärken und komplexe Schadenzusammenhänge zur Folge haben.
Schadensmuster verändern sich regional und saisonal
Sturmschäden traten traditionell vor allem im Winterhalbjahr auf, während Hagel- und Blitzschäden die Sommermonate prägten. In den Jahren 2023 und 2024 zeigten sich jedoch Verschiebungen. Sturmschäden nahmen auch im Sommer zu. Hagelschäden verlagerten sich stärker zum Sommerende in den August und lagen zuletzt deutlich über dem langjährigen Mittel.
Regional zeigten sich neue Muster. Dazu gehörten zusammenhängende Zonen erhöhter Sturmaktivität sowie eine stärkere Betroffenheit süddeutscher Regionen bei wasserbedingten Schäden. Die Bedeutung klassischer Risikoregionen nimmt dabei ab. Extremwetter kann potenziell jedes Gebäude betreffen, unabhängig vom Standort.
Über die Studie
Die Studie „Klimawandel und Extremwetterereignisse: Schadenentwicklung und Anforderungen an Wohngebäude” basiert auf Schadenstatistiken der VHV Allgemeine Versicherung AG. Berücksichtigt wurden Schadenmeldungen der Wohngebäudeversicherung einschließlich Elementarschäden sowie der Bauleistungsversicherung ab 2002 in Deutschland. Ergänzend flossen Daten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ab 1970 ein.
Die detaillierten Zeitreihen ermöglichen eine differenzierte Betrachtung von Schadenhäufigkeiten, Schadenhöhen und deren zeitlicher Entwicklung. Erfasst wurden ausschließlich gemeldete und versicherte Schäden. In der Wohngebäudeversicherung entspricht ein Vertrag in der Regel einem versicherten Gebäude, weshalb die Kennzahlen je Gebäude interpretiert wurden.
Die Ergebnisse der Extremwetterstudie stehen unter bauforschung.de/downloads-oeffentlich bereit.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
- DLR: Wettersatellit MTG-12 gestartet (28.08.2026)
- Fraunhofer IRB: Grundlagen und Fachwissen zu Hochwasserschäden (20.08.2026)
- Trockenheit verschärft Wasserknappheit: Fünf Maßnahmen für eine sichere Wasserversorgung (16.07.2026)
- NIWIS: Niedrigwasserinformationssystem geht online (15.07.2026)
- Hochwasser-Check 2026: Jeder vierte Landkreis mit hohem Risiko bei Jahrhunderthochwasser (14.07.2026)
- WEF: Global Risks Report 2026 veröffentlicht (29.04.2026)
siehe zudem:
- Tiefbau / Entwässerung, Regenwassernutzung auf Baulinks
- Literatur / Bücher zum Thema Stadtplanung bei BauBuch

