Trockenheit verschärft Wasserknappheit: Fünf Maßnahmen für eine sichere Wasserversorgung
(16.07.2026) Während Meteorologen vor weiteren Hitzewellen warnen, verschärft sich die Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands. Der Bodensee liegt deutlich unter seinem üblichen Wasserstand, die Donau führt regional so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht mehr und auch am Rhein sinken die Pegel. Für Schifffahrt, Landwirtschaft, Industrie und Wasserversorger wächst der Handlungsdruck. Vor allem Städte und Kommunen stehen vor der Aufgabe, die Wasserversorgung auch in längeren Trockenperioden sicherzustellen.
Seit dem 23. Juni 2026 hat die Stadt Stuttgart mit einer Allgemeinverfügung die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Seen stark eingeschränkt. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Hintergrund sind die durch Hitze und Niedrigwasser belasteten Gewässer. Gleichzeitig geht das Umweltministerium Baden-Württemberg im Rahmen des Masterplans Wasserversorgung davon aus, dass bis 2050 mehr als die Hälfte der Kommunen im Land ihren Trinkwasser-Spitzenbedarf unter heutigen Bedingungen nicht mehr decken kann. Auch bundesweit zeigt sich die Entwicklung: Ende 2025 fehlten Deutschland laut Helmholtz-Zentrum für Geoforschung rund 25 Mrd. m³ Wasser gegenüber dem langjährigen Mittel – mehr als die Hälfte des Wasservolumens des Bodensees.
Mit den Folgen zunehmender Wasserknappheit beschäftigt sich Dr. Stephan Wasielewski, Leiter Wasserinfrastruktur bei Drees & Sommer, seit vielen Jahren. Der promovierte Umwelttechniker war zuvor am Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg beteiligt. „Grundsätzlich verfügen wir in Deutschland über genug Wasser. Doch immer häufiger kommt es zur falschen Zeit am falschen Ort an. Auf lange Trockenphasen folgen Starkregen, die Böden und Kanalisationen kaum aufnehmen können. Schon längst ist die Wasserversorgung eine zentrale Infrastruktur- und Standortfrage geworden”, sagt Stephan Wasielewski.
Nach Einschätzung von Drees & Sommer sind vor allem fünf Handlungsfelder entscheidend
Regenwasser vor Ort halten
Regenwasser wird vielerorts noch immer möglichst schnell abgeleitet. Versickerungsflächen, Gründächer, Mulden-Rigolen-Systeme und Zisternen können Niederschläge im Boden halten und so die Grundwasserneubildung fördern. Ein Beispiel ist ein Projekt in Berlin-Lichtenberg, bei dem auf rund 135.000 m² versiegelter Schulflächen Regenwasser künftig vor Ort versickern soll.
Leitungsverluste reduzieren
Auch undichte Trinkwasserleitungen verursachen erhebliche Wasserverluste. Nach Angaben von Drees & Sommer gehen bundesweit jährlich rund 319 Mio. m³ Trinkwasser verloren. Digitale Leckageortung, kontinuierliches Monitoring und die Erneuerung alter Netze können diese Verluste deutlich verringern.
Wasser mehrfach nutzen
Nicht jede Anwendung erfordert Trinkwasserqualität. Regen-, Grau- und Brauchwasser lassen sich beispielsweise für Bewässerung, Toilettenspülungen oder technische Prozesse einsetzen. „Wir müssen das sorglose System aus Entnahme, Verbrauch und Ableitung hinter uns lassen. Zukunftsfähige Regionen werden diejenigen sein, die Wasser mehrfach nutzen und in Kreisläufen halten. Das wird auch für die Industrie zur entscheidenden Standortfrage”, sagt Stephan Wasielewski.
Wasserentnahmen digital steuern
Digitale Wasserbücher schaffen Transparenz über Entnahmerechte, Schutzgebiete und tatsächliche Wasserentnahmen. So können Engpässe frühzeitig erkannt und Maßnahmen gezielt eingeleitet werden.
Städte entsiegeln und begrünen
Entsiegelte Flächen, klimaangepasste Begrünung und zusätzliche Bäume fördern die Versickerung von Regenwasser und senken gleichzeitig die Temperaturen in dicht bebauten Quartieren. Dadurch wird der Wasserhaushalt langfristig stabilisiert.
Auch Privathaushalte können mit Regentonnen, Zisternen oder wassersparenden Armaturen ihren Wasserverbrauch reduzieren. Die größten Einsparpotenziale sieht Drees & Sommer jedoch bei Investitionen in Leitungsnetze, Regenwassermanagement und die Wiederverwendung von Wasser. „Die Frage ist nicht, ob Wasser zum Standortfaktor wird. Das ist es bereits. Entscheidend ist, wie früh Städte und Kommunen darauf reagieren”, sagt Stephan Wasielewski.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Regenwassernutzung im Außenanlagen-Magazin auf Baulinks
- Literatur / Bücher zum Thema Fassadenbau bei Baubuch / Amazon.de


