Suche
Kopfbild

Bundesingenieurkammer: Sechs Forderungen für eine neue Umbaukultur

(06.11.2026) Zum Tag der Umbaukultur am 8. November 2026 fordert die Bundesingenieurkammer bessere rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für das Bauen im Bestand. Mit dem Positionspapier „Bauen im Bestand: ein Transformationspfad” formuliert die Bundesingenieurkammer sechs konkrete Forderungen an Bund und Länder.

Deutschland müsse seinen Gebäudebestand besser nutzen. Dabei sollten viele Gebäude und Infrastrukturen an veränderte Anforderungen angepasst, erweitert oder für neue Nutzungen weiterentwickelt werden. Die Bauwerke binden gleichzeitig erhebliche Mengen an Rohstoffen und grauer Energie. Der Erhalt und die Weiterentwicklung vorhandener Bausubstanz könne daher ein wichtiger Beitrag zu Ressourcenschonung, Flächeneffizienz und Klimaschutz sein.

(Bild: Bundesingenieurkammer) 

Nicht nur an den Neubau denken

Rechtliche und technische Rahmenbedingungen orientieren sich vielfach am Neubau. Diese lassen sich jedoch aufgrund der vorhandenen Konstruktionen, Bauteile und technischen Anlagen häufig nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand erfüllen. Unvollständige Bestandsunterlagen, komplexe Genehmigungsverfahren und rechtliche Unsicherheiten im Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz können den Erhalt und die Weiternutzung bestehender Gebäude erschwert oder sogar verhindern.

Notwendig sei ein verlässlicher politischer Rahmen für den Bestandserhalt. Dafür müssten Anforderungen verhältnismäßig sein und den tatsächlichen Bedingungen eines Bauwerks Rechnung tragen. Die Bundesingenieurkammer fordert, dass qualifizierte Ingenieure den notwendigen Handlungsspielraum erhalten sollten, um sichere und wirtschaftliche Lösungen zu entwickeln. Der Tag der Umbaukultur am 8. November biete daher Anlass, diese Anforderungen stärker in die baupolitische Debatte einzubringen. 

Sechs Handlungsfelder

Positionspapier „Bauen im Bestand: ein Transformationspfad”

  1. Bestand vor Neubau prüfen: Erhalt, Umbau und Umnutzung müssen zur ersten Option werden. Vor einem Abriss muss systematisch geprüft werden, ob ein Bauwerk erhalten, ertüchtigt, erweitert oder umgenutzt werden kann. Grundlage dafür ist eine qualifizierte Bestandsaufnahme. Entscheidungen dürfen nicht allein anhand der kurzfristigen Investitionskosten getroffen werden, sondern müssen Lebenszykluskosten, CO₂-Emissionen, Ressourcenverbrauch und graue Energie berücksichtigen.

  2. Eigene Regeln für das Bauen im Bestand schaffen: Der Bestand ist kein Neubau. Anforderungen und Nachweise müssen die tatsächlichen Bedingungen bestehender Bauwerke berücksichtigen. Bund und Länder sollten deshalb einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für Umbau, Erweiterung und Nutzungsänderung schaffen. Anforderungen müssen sicher, technisch begründet und verhältnismäßig sein.

  3. Ingenieurmäßige Lösungen ermöglichen: Sicherheit braucht Fachkompetenz und nicht immer mehr starre Vorgaben. Technische Regeln müssen stärker leistungsorientiert ausgestaltet werden und Spielraum für individuelle Lösungen lassen. Qualifizierte Ingenieurinnen und Ingenieure müssen anhand des konkreten Bauwerks entscheiden können, wie die erforderliche Sicherheit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit erreicht werden.

  4. Umbau rechtssicher und genehmigungsfähig machen: Mehr Spielraum braucht mehr Rechtssicherheit. Abweichungen von Standards und der Umgang mit vorhandenen Bauteilen müssen rechtssicher möglich sein. Gleichzeitig müssen Genehmigungsverfahren für Umbau, Aufstockung und Nutzungsänderung deutlich einfacher und schneller werden – digital, transparent und mit verbindlichen Fristen.

  5. Planung und Bestandsanalyse stärken: Gute Planung ist die Voraussetzung für guten Bestand. Bestandsuntersuchung, Tragwerksanalyse, Baugrunduntersuchung, Schadstofferkundung und technische Bestandsaufnahme müssen frühzeitig erfolgen und angemessen vergütet werden. Digitale Bauwerksakten und BIM-basierte Bestandsmodelle sollten systematisch ausgebaut werden. Förderprogramme müssen deshalb nicht nur Baumaßnahmen, sondern auch die notwendige Planungs- und Untersuchungsleistung unterstützen.

  6. Lebenszyklus zum Maßstab von Investitionen machen: Nicht der billigste Bau, sondern die wirtschaftlichste Lösung über die gesamte Lebensdauer zählt. Öffentliche und private Investitionsentscheidungen müssen stärker an Lebenszykluskosten, Ressourcenverbrauch, CO₂-Emissionen und langfristiger Nutzbarkeit ausgerichtet werden. Bei öffentlichen Bauvorhaben sollten Erhalt und Umbau systematisch mit dem Ersatzneubau verglichen werden. Vergabeverfahren müssen dafür Qualität, Fachkunde und Lebenszyklusbetrachtung angemessen berücksichtigen.

Bauen im Bestand braucht Ingenieurdenken

Wer den Bestand erhalten und weiterentwickeln will, braucht belastbare Daten, qualifizierte Planung, technische Entscheidungsfreiheit und einen rechtssicheren Rahmen. Die Politik sollte deshalb nicht jede bestehende Anforderung auf den Bestand übertragen, sondern Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig verantwortbare Lösungen ermöglichen.

 

siehe auch für zusätzliche Informationen:

Impressum | Datenschutz | © 1997-2026 BauSites GmbH