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BDB legt Resilienz-Bauplan vor: Zehn-Punkte-Programm für klima- und krisenfestes Bauen

(07.07.2026) Deutschland und Europa haben gerade eine beispiellose Hitzekrise erlebt. Extreme Temperaturen, überlastete Städte, Rettungsdienste und Notaufnahmen sowie eine Verkehrsinfrastruktur am Limit zeigen nach Auffassung des Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. (BDB), dass Politik, Verwaltung und Gesellschaft auf die Folgen des Klimawandels noch nicht ausreichend vorbereitet sind. Mit seinem BDB Resilienz-Bauplan legt der Verband deshalb ein Zehn-Punkte-Programm vor, das den klima- und krisenfesten Umbau der gebauten Umwelt beschreibt. Ziel ist es, Gebäude, Infrastruktur, Quartiere und Städte widerstandsfähiger gegen Klimawandel, Extremwetter, Versorgungsausfälle, fragile Lieferketten und neue Bedrohungslagen zu machen. 

Titelseite Kurzfassung BDB Resilienz-Bauplan (Bild: BDB) 

BDB-Präsident Christoph Schild: „Wir sehen, dass unsere Städte, Gebäude und Versorgungsstrukturen vielerorts nicht auf diese Belastungen ausgelegt sind. Resilienz darf deshalb kein Zusatzthema bleiben. Sie muss zur Grundlage des Planens und Bauens werden.”

Der Verband fordert zudem, den Gebäudebestand stärker als Ressource zu nutzen. Leerstände und bestehende Strukturen könnten Neubau, Flächenverbrauch und Abhängigkeiten reduzieren. Hierfür seien ein öffentlich einsehbares Ressourcenkataster, digitale Gebäudepässe sowie vergleichbare Lebenszyklusanalysen mit konkretem Emissionsminderungspfad erforderlich. 

Die zehn Forderungen des BDB

1. Risiken erkennen: Städte und Gemeinden vorausschauend planen

Der BDB fordert belastbare standortbezogene Risikoanalysen, öffentliche Risikokarten mit Zukunftsszenarien sowie eine regelmäßig überprüfte Bauleitplanung. Risiken wie Starkregen, Hitze, Überflutung, Trockenheit und Wassermangel sollen frühzeitig in die Siedlungsentwicklung sowie in Freiraumplanung, Entsiegelung, Renaturierung, Stadtgrün und Wasserspeicherung einbezogen werden. Städte und Gemeinden müssen in die Lage versetzt werden, Risikodaten zu bewerten und in konkrete Planung zu überführen.

2. Versorgung sichern: Infrastruktur resilient und ausfallsicher aufstellen

Energie-, Mobilitäts-, Wasser- und Versorgungsnetze sollen bundesweit erfasst und mit verbindlichen Umbaufahrplänen ertüchtigt werden. Als resiliente Lösungen nennt der BDB unter anderem Ringnetze, dezentrale Umspannwerke, Microgrids, quartiersbezogene Wärmeplanung sowie KWK- und PV-Anlagen mit Speichertechnik. Dabei soll eine funktionsfähige Grundversorgung auch bei Extremwetter, Angriffen oder Versorgungsausfällen gesichert bleiben. 

3. Ressourcen im Bestand nutzen: Leerstand, Brachflächen als Entwicklungschance und Bauwerke als Materiallager begreifen

Gebäude und Infrastrukturen sollen künftig stärker als Material- und Rohstofflager betrachtet werden. Dafür fordert der Verband ein öffentlich einsehbares Ressourcenkataster, verpflichtende Ökobilanzen sowie einen zunächst für öffentliche Gebäude verbindlichen digitalen Gebäudepass zur Dokumentation von Baustoffen, Bauteilen und Nutzungspotenzialen. Rückbau von Gebäuden nur wenn Umbau, Umnutzung, Aufstockung, Teilrückbau oder Weiterverwendung nicht möglich seien. Die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Bauexperten soll auf qualitätvolle Baubestandsnnutzung ausgerichtet werden.

4. Regional und langlebig bauen: Baukultur als Resilienzfaktor stärken

Resilientes Bauen soll stärker auf Standort, Klima und regionale Bautraditionen reagieren. Der BDB spricht sich für robuste Low-Tech-Konstruktionen, regionale Baustoffe und Wertschöpfungsketten sowie langlebige Gebäude mit späteren Umnutzungsmöglichkeiten im Sinne einer „Um-Bauordnung” aus. Das Baurecht darf Nutzungsänderungen nicht erschweren.

5. Klimarisiken bewerten: Risikoanalysen für Gebäude verbindlich gestalten

Klimarisikoanalysen sollen verbindlicher Bestandteil von Bauanträgen werden – insbesondere bei Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kindergärten. Gebäude sollen nachweislich auf künftige Belastungen wie Hitze, Starkregen, Sturm oder Überflutungen vorbereitet werden. Dabei sind neben dem Grundstück auch das Quartier, die Infrastruktur und die Zugänglichkeit im Krisenfall zu betrachten.

6. Gebäude anpassen: Resilienz-Strategien früh integrieren

Auf jede Klimarisikoanalyse soll eine konkrete Anpassungsstrategie folgen und Bestandteil der Planungsaufgabe werden. Bauherrschaften müssen frühzeitig über Risiken, Schutzmaßnahmen, Werterhalt und Versicherbarkeit informieren. Neubau und Bestandsumbau müssen so geplant werden, dass Schäden durch Naturgefahren vermieden oder begrenzt werden und z.B. Schutz vor eindringendem Wasser bieten. Weitere Maßnahmen: Hitzerobuste Grundrisse, Verschattung, natürliche Nachtlüftung, passive Kühlung, robuste Fassaden und Dächer, sichere Haustechnikstandorte, rückstaufeste Entwässerung und widerstandsfähige Außenanlagen.

Durch die Zusammenführung von Risikodaten aus der Versicherungswirtschaft, den Kommunen, der Wasserwirtschaft, der Forschung und dem Katastrophenschutz kann eine belastbare Datengrundlage für Planungsentscheidungen geschaffen werden.

7. Beschleunigte Verfahren: Regeln modernisieren, Standards vereinheitlichen

Der BDB fordert vereinfachte und beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren, stärker vereinheitlichte Bauordnungen sowie einen Rechtsrahmen, der klimaresiliente und multifunktionale Lösungen erleichtert und Innovation ermöglicht. So sollen Baunormen und Baustandards stärker nach Risiken eingeordnet werden.

8. Leistungen klar regeln: Aufgaben verteilen und Honorare anpassen

Neue Planungsleistungen wie Ökobilanzierung, Materialberatung, Biodiversitätsstrategien, Klimarisikoanalysen und Anpassungskonzepte sollen eindeutig beschrieben und als besondere Leistungen angemessen vergütet werden. Zudem müssen die Zuständigkeiten für die Bauherrschaft, Fachplanung, Landschaftsplanung, Brandschutz, technische Ausrüstung, Projektsteuerung oder Betrieb klar geregelt werden. Ab Phase 0 können interdisziplinäre Machbarkeitsstudien Fehlentscheidungen vermeiden.

9. Wissen neu ausrichten: Lehre und Ausbildung konsequent weiterentwickeln

Resilienz, Nachhaltigkeit, Lebenszyklusbetrachtung, Klimarisikoanalysen, Baukultur, Regionalität und soziale Resilienz sollen verbindlicher Bestandteil von Studium, Ausbildung und Fortbildung werden, um die notwendigen Kompetenzen für eine klimaresiliente Baupraxis aufzubauen. Resilienz-spezifische Lehrangebote zu Klimarisiken, Katastrophenvorsorge, langlebige Konstruktionen, Low-Tech-Strategien, Kreislaufwirtschaft, Rückbau und Wiederverwendung, Schwammstadt, Hitzevorsorge und sozialer Infrastruktur sollen verbindlich angeboten werden.

10. Schutzräume mitdenken: Soziale Resilienz als Planungsaufgabe begreifen

Künftig sollen Gebäude, Quartiere, Siedlungsgebiete und öffentliche Räume auch Schutz-, Versorgungs- und Orientierungsfunktionen übernehmen. Der BDB nennt multifunktionale Strukturen, ein öffentliches Schutzraumkataster und transparente Krisenkommunikation als wichtige Bausteine einer resilienten Gesellschaft. 

Resilienz als neue Vorsorgekultur

Nach Auffassung des Verbandes müsse die Baupolitik deutlich stärker auf Vorsorge statt auf Schadensbewältigung ausgerichtet werden. BDB-Präsident Christoph Schild: „Wir müssen weg von einer Baupolitik, die erst nach der Katastrophe reagiert. Wer heute baut, saniert oder Infrastruktur plant, entscheidet über Sicherheit, Versorgung und Lebensqualität der nächsten Jahrzehnte. Deshalb brauchen Kommunen, Planende und Bauherrschaften klare Daten, klare Regeln und klare Zuständigkeiten.”

Der BDB weist außerdem darauf hin, dass resilientes Bauen auch eine soziale Dimension besitzt. Öffentliche Gebäude, kritische Infrastrukturen und Freiräume müssten im Alltag funktionieren und im Krisenfall Schutz, Kühlung und Versorgung bieten – insbesondere für vulnerable Gruppen sowie Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime. Damit resiliente Planung in der Praxis ankommt, fordert der Verband vereinfachte Verfahren, multifunktionale Nutzungskonzepte sowie eine angemessene Vergütung neuer Planungsanforderungen. 

Abschließend appelliert Christoph Schild: „Resilienz erfordert Planung, Fachwissen und Investitionen. Der Verzicht darauf kostet im Ernstfall Menschenleben, Milliarden und Vertrauen in den Staat. Deshalb richtet sich unser Bauplan an Politik, Kommunen, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen: Wir wissen, was zu tun ist. Jetzt müssen wir es auch tun.”

Der BDB Resilienz-Bauplan steht als Kurz- und Langfassung unter baumeister-online.de/themen-positionen zum kostenfreien Download bereit.

 

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