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Baubranche droht Fachkräftemangel

(19.6.2002) "Trotz Konjunkturtief und Strukturwandel der deutschen Bauwirtschaft sind Bauingenieure gefragte Experten, die in drei bis vier Jahren absolute Mangelware werden", so die deutliche Aussage des Hauptgeschäftsführers des Verbandes der Bauindustrie für Niedersachsen, Prof. Michael Sommer, im Rahmen eines Festvortrages am 13. Juni 2002 anlässlich der Diplomfeier des Fachbereichs Bauingenieurwesen an der Fachhochschule Nordostniedersachsen in Suderburg.

In Anbetracht der bestehenden konjunkturellen und strukturellen Probleme befindet sich die deutsche Bauwirtschaft in einer tiefen Krise, so Sommer weiter. Besonders gravierend würden dabei die falschen politischen Signale vor allem am Wohnungsbau die baukonjunkturelle Entwicklung beeinflussen. Die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau hätten sich durch Maßnahmen wie der Kürzung der degressiven Abschreibung im Mietwohnungsbau, der Erhöhung der Grunderwerbsteuer und der Verringerung der Einkommensgrenze bei der Eigenheimzulage weiter verschlechtert. Deshalb sei auch die aktuelle Diskussion um die weitere Senkung oder gar Abschaffung der Eigenheimzulage nicht nachvollziehbar und verhängnisvoll für den Wohnungsbau, der mit über 40 Prozent des Bauvolumens der dominierende Teil der Bautätigkeit ist.

Angesichts der inzwischen siebenjährigen Krise der Bauwirtschaft fordert Sommer, dass der Wirtschaft ordnungspolitische stabile und verlässliche Rahmenbedingungen gesetzt werden, nicht nur, um Investoren anzuziehen, sondern auch, um Recht und Ordnung auf dem Baumarkt wieder herzustellen. Die Senkung der Steuer- und Abgabenlast sowie die Schaffung gleicher und damit fairer Wettbewerbsbedingungen auf dem Baumarkt seien unumgänglich, um Schwarzarbeit und Wettbewerbsverzerrungen zumindest einzudämmen. Sommer erklärte, dass dies um so wichtiger sei, als dass das Zusammenwachsen Europas auch Wettbewerber aus anderen Regionen nach Deutschland führt, die unter ganz anderen Kostenbedingungen anbieten könnten als deutsche Bauunternehmen. Nunmehr gelte es, die daraus resultierenden Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, um deutschen Firmen wieder reelle Auftragschancen zu verschaffen. Andere europäische Länder, wie z.B. Frankreich und Österreich, hätten dieses Problem schon vor Jahren gelöst, indem sie vom ersten Tag an den Anspruch der Zahlung der am Arbeitsort geltenden Tariflöhne festlegten.

Ungeachtet der Probleme auf dem Baumarkt betrachtet die Baubranche den Rückgang der Studienanfängerzahlen im Baubereich mit großer Sorge. Statt 12.000 wie noch Mitte der 90er Jahre würden sich im laufenden Jahr nur noch 6.000 Studienanfänger an den Baufakultäten einschreiben. Unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Abbruchquote von 50 Prozent würden dann ca. 3.000 Studenten das Diplom erwerben. Damit sei im Hinblick auf den jährlichen Bedarf von 5.000 Absolventen schon jetzt ein gravierender Mangel abzusehen.

Nach Worten Sommers haben im akademischen Jahr 2000 etwa 6.500 Absolventen das Bauingenieur-Studium mit einem Diplom abgeschlossen. Alle qualifizierten Absolventen seien unmittelbar in Arbeitsverhältnisse übernommen worden. Die Bauwirtschaft gehe auch in den nächsten Jahren von einem Einstellungsbedarf in ähnlicher Höhe aus. Blieben die aktuellen Studienabbrecherzahlen unverändert bei 50 Prozent, so stünden diesem Bedarf in wenigen Jahren lediglich 3.500 potenzielle Führungskräfte gegenüber.

In seinen weiteren Ausführungen machte Sommer deutlich, dass sich die Anforderungen an die Bauingenieure in den letzten Jahren entscheidend verändert hätten. Einen immer größeren Platz würden betriebswirtschaftliche Überlegungen und Entscheidungen einnehmen. Neu entstandene Geschäftsfelder wie Projektentwicklung, Umwelttechnik, Baustoffgewinnung oder privatwirtschaftliche Baufinanzierung erforderten in zunehmendem Maße den "Allrounder".

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