Hydraulischer Abgleich neu gedacht - Taconova Produktmanager im Interview
(19.05.2026) Dimosthenis Rizos, Produktmanager bei Taconova, erklärt im Interview, warum es Zeit war, das Prinzip Umwälzpumpe neu zu denken und wie TacoFlow3 Surface, die speziell für die Anwendung bei Fußbodenheizungen entwickelt wurde, leise und effizient arbeitet und den Arbeitsalltag von Installateuren einfacher machen soll.
Frage: Flächenheizungen stellen für Umwälzpumpen eine besondere Herausforderung dar: niedrige Vorlauftemperaturen, viele Heizkreise, lange Laufzeiten und eine möglichst gleichmäßige, leise Wärmeverteilung. Was muss eine Pumpe leisten, um all das zuverlässig zu erfüllen?
Dimosthenis Rizos: Fußbodenheizungen machen den hydraulischen Abgleich vor allem aufgrund ihrer Komplexität besonders anspruchsvoll. Das vorrangige Ziel ist hier immer, den einzelnen Zonen die richtige Menge an Wärme zuzuführen und dabei eine optimale Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf von 5-7 Kelvin (K) zu erzielen.
Die unterschiedlich langen Heizkreise erzeugen unterschiedliche Druckverluste, welche in der Regel durch die TopMeter Abgleichventile des Heizkreisverteilers abgeglichen werden. Ist der Förderdruck der Umwälzpumpe am einzelnen langen Heizkreis zu gering, wird nicht genug Wärme transportiert und die Wohnräume bleiben kalt. Ist der Förderdruck hingegen zu hoch, entstehen lästige Störgeräusche an Ventilen, der Raum wird überhitzt und die Rücklauftemperaturen werden nicht eingehalten. Eine Umwälzpumpe muss dementsprechend zuverlässig und dauerhaft für einen optimalen Durchfluss sorgen, der das System weder über- noch unterversorgt.
Des Weiteren sollte sich eine Umwälzpumpe nicht nur gut in Neubauten, sondern auch in bestehende Systeme einbinden lassen. Sie muss als Team Player mit den anderen Komponenten zusammenarbeiten. All dies mit möglichst geringem Stromverbrauch zu erreichen, ist die eigentliche Herausforderung. Auch ein intuitiver und schneller Einbau sowie die bedienerfreundliche Einregulierung sind wichtige Faktoren.
Frage: Wie ist Taconova diese Herausforderungen bei der Entwicklung der TacoFlow3 Surface angegangen?
Dimosthenis Rizos: Um dies zu erklären, muss ich zunächst einen kleinen Exkurs machen: Grundsätzlich gibt es drei Parameter in Heizungsanlagen, die die Hydraulik und die Wärmeübertragung bestimmen: Durchflussmenge, hydraulischer Widerstand des Rohrnetzes und Differenzdruck zwischen Vor- und Rücklauf. Bei gegebenem hydraulischen Widerstand drückt der gewählte Differenzdruck die gewünschte Durchflussmenge im System durch den Widerstand der Kreisläufe. Praktisch gesehen und wenn man den Effekt des Low-ΔT-Syndroms einmal außer Acht lässt, gilt: Je höher die Durchflussmenge, desto größer die Wärmeübertragung. Die Aufgabe der Umwälzpumpe besteht darin, den gewählten Differenzdruck zwischen Vor- und Rücklauf anzuwenden, der ausreicht, um die gewünschte Durchflussmenge zu erreichen, die anschließend ausreichend Wärme überträgt, um die Komforttemperatur im Raum zu erreichen.
Letztendlich geht es darum, den richtigen Differenzdruck an der Umwälzpumpe auszuwählen. Oder anders ausgedrückt: den minimalen Differenzdruck an der Umwälzpumpe, der noch ausreicht, um die richtige Durchflussmenge zu erreichen.
Die in Fußbodenheizungssystemen verwendeten Standard-Umwälzpumpen verfügen über drei voreingestellte Stufen für einen konstanten Differenzdruck (z.B. 2,5 m, 3,5 m, 4,5 m). Typischerweise wird die niedrigste dieser Stufen gewählt, die noch ausreichend Druckdifferenz für alle Heizkreise erzeugt. Wenn die gewählte Konstantdruckdifferenzstufe in einem einzelnen Heizkreis höher ist als erforderlich, wird der Volumenstrom durch die TopMeter gedrosselt – das heißt, der hydraulische Widerstand wird erhöht. Dies erzeugt den gewünschten Volumenstrom (denken Sie an die drei Parameter von oben: Druck, Volumenstrom, Widerstand; zwei definieren den dritten). Durch die Drosselung des Volumenstroms in dem einzelnen Heizkreis wird die zusätzliche elektrische Energie, die die Umwälzpumpe bereits aufgebracht hat, um die Druckdifferenz zu erzeugen, nun „geopfert” – als Druckverlust am Ventil, um den Volumenstrom richtig einzustellen. Dies führt zu Energieverschwendung und erhöht das Risiko einer Geräuschentwicklung.
Bei der Entwicklung unserer neuesten Pumpengeneration haben wir uns gefragt: Was wäre, wenn die Umwälzpumpe mehr als drei Stufen für den konstanten Differenzdruck hätte? Und was, wenn der Installateur die Möglichkeit hätte, den Wert für den konstanten Differenzdruck direkt an der Umwälzpumpe stufenlos zu verändern und den daraus resultierenden Durchfluss in Echtzeit auf jedem TopMeter abzulesen? Das würde es ermöglichen, den Differenzdruck genau auf das richtige Niveau einzustellen, ohne dass eine Drosselung erforderlich wäre und so zu geringeren Druckverlusten und letztlich zu weniger Stromverschwendung sowie einem leiseren Betrieb führen.
Frage: Und wie erreichen Sie das mit der TacoFlow3 Surface?
Dimosthenis Rizos: Mit TacoFlow3 Surface bieten wir Installateuren eine effiziente Alternative: Mithilfe einer stufenlosen Konstantdruckregelung wird direkt an der Umwälzpumpe der optimale Differenzdruck eingestellt. Dabei wird der Differenzdruck an dem längsten Heizkreis, also demjenigen mit dem höchsten Widerstand, angepasst. So wird sichergestellt, dass so wenig Energie wie möglich verwendet wird, um den gewünschten Durchfluss zu erreichen. Das ist wie beim Autofahren: Wenn wir zu schnell fahren, gehen wir zuerst vom Gas, bevor wir bremsen. Genau das macht TacoFlow3 Surface. Wir sind nicht mehr gleichzeitig auf Gas und Bremse. So eliminieren wir nicht nur überflüssigen Energieverbrauch, sondern auch unangenehme Störgeräusche im System. Das Ergebnis ist ein leiser, bedarfsoptimierter Betrieb und bis zu 40 % Energieeinsparungen.
Frage: Das klingt nach einem anderen Ablauf als sonst für die Heizungsprofis. Wie genau verlaufen denn Installation und Inbetriebnahme?
Dimosthenis Rizos:
Unser Ziel bei der Entwicklung der Pumpe war, den Einbau und die Regelung für die Installateure so einfach wie möglich zu gestalten. Das fängt schon bei der Dimensionierung der Pumpe an: Genau wie die anderen Umwälzpumpen der TacoFlow3 Reihe verfügt TacoFlow3 Surface über eine bemerkenswert kompakte Bauweise. Gerade neben Heizkreisverteilern im Bestand ist der Platz häufig knapp. Hier bietet das kompakte Format einen entscheidenden Vorteil. Beim elektrischen Anschluss bieten wir zudem zwei Steckeroptionen: denn Plug-and-Play-Anschluss sowie den praktischen TacoSmart-Stecker, der sich besonders für enge Einbausituationen eignet.
Auch der hydraulische Abgleich ist Installateur-freundlich. Zunächst werden die Ventile im Vor- und Rücklauf des längsten Heizkreises komplett geöffnet und alle weiteren Heizkreise geschlossen. Am geöffneten Heizkreis wird der benötigte Durchfluss nicht wie gewöhnlich am Abgleichventil, sondern direkt an der Pumpe einreguliert. So stellen wir sicher, dass tatsächlich nur so viel Pumpendruck erzeugt wird, wie für den längsten Heizkreis notwendig ist. Danach werden die einzelnen Heizkreise nach und nach geöffnet und wie gewohnt am TopMeter einreguliert. Der Durchfluss nimmt dann zu und der Arbeitspunkt verschiebt sich entsprechend auf der konstanten Kurve.
Frage: Kommen wir nochmal zu den Anschlussmöglichkeiten zurück: Was ist der Unterschied zwischen dem Plug-and-Play-Anschluss und dem TacoSmart-Stecker?
Dimosthenis Rizos: In der gesamten TacoFlow3 Familie stehen zwei verschiedene Anschlussmöglichkeiten zur Verfügung: Es besteht die Wahl zwischen dem Plug-and-Play- oder dem TacoSmart-Stecker, der kompakten Alternative zum Standard-Winkelstecker. Der Plug & Play-Anschluss ist der beliebte Standard bei der Inbetriebnahme, wenn der Abstand zwischen Umwälzpumpe und Stromquelle vorab nicht bekannt ist. Mit dieser Anschlusslösung gelingt die mühelose Stromverbindung und Nacharbeit –Baustellenbesuche reduzieren sich auf ein Minimum. Der TacoSmart-Stecker hingegen ist so konzipiert, dass er auch in besonders engen Einbausituationen fest und optimal sitzt. Das Kabel kann dank des stromlinienförmigen Stecker-Designs in jede beliebige Richtung gelegt werden und bietet für eine einfache Installation erweiterte Anschlussmöglichkeiten und maximale Flexibilität bei noch geringerem Platzbedarf.
Frage: In welchen Gebäudetypen oder Anwendungen zeigt die TacoFlow3 Surface ihre größten Stärken?
Dimosthenis Rizos: Lassen Sie mich das kurz in Perspektive setzen. Die TacoFlow3 Surface gibt es in zwei Leistungsvarianten: eine mit einer maximalen Förderhöhe von 6,0 m (44 W) und eine weitere mit 8.5 m (63 W). Typisch für neue Anlagen: Mit einer Auslegungswärmebelastung von 45 W/m² und einer Spreizung von ΔT=7K – schafft die TacoFlow3 Surface 6.0 m mühelos mindestens 6 bis 8 Fußbodenheizungskreise. Das 8.5 m-Modell schafft mindestens 10 bis 14 Kreise. Die genauen Zahlen können selbstverständlich je nach spezifischen Anforderungen der Anlage variieren. Dies macht die TacoFlow3 Surface ideal für Einfamilienhäuser oder große Wohnungen in Sanierungs- und Neubauanwendungen.
Frage: Welche Funktionen sorgen dafür, dass die Pumpe zuverlässig arbeitet?
Dimosthenis Rizos: Die TacoFlow3 Pumpen bieten mehrere smarte Funktionen, die sie nicht nur zuverlässig und langlebig machen, sondern auch so gut wie wartungsfrei. Eine automatische Lufterkennung erkennt Luft im System und signalisiert dies durch ein weißes Blinksignal, damit entsprechend reagiert werden kann. Die integrierte Antiblockier-Funktion sorgt dafür, dass sich die Pumpe auch nach längeren Standzeiten wie der Sommerpause problemlos wieder in Gang setzt.
Selbstschmierende Lager reduzieren den Verschleiß und halten die Mechanik dauerhaft geschmeidig. Und dank der gut sichtbaren LED-Signale erkennt man sofort, ob alles rund läuft. So bleibt die Pumpe über lange Jahre zuverlässig und effizient.
Frage: Die Umwälzpumpe ist R290-ready und auch für Wärmepumpen geeignet. Welche Rolle spielt die TacoFlow3 Surface in Kombination mit dieser Technologie?
Dimosthenis Rizos: Unsere TacoFlow3-Familie ist konsequent für den Einsatz mit umweltfreundlichen, brennbaren Kältemitteln wie R290 ausgelegt und entsprechend zertifiziert. Entscheidend ist dabei das umspritzte Design der Umwälzpumpe in Kombination mit deutlich reduzierten Motortemperaturen. So erfüllen wir alle relevanten Anforderungen der Norm EN 60335-2-40 vollständig. Das kompakte Design der Umwälzpumpe ermöglicht den sicheren Einbau auch in sehr beengten Einbausituationen, etwa direkt in der Nähe von Wärmepumpen-Kompressoren mit brennbaren A3 Kältemitteln (wie R290).
Frage: Wo sehen Sie die nächsten Entwicklungen in der Pumpentechnik für Flächenheizsysteme – etwa bei Automatisierung oder Konnektivität?
Dimosthenis Rizos: Ich bin der Überzeugung, dass der Vormarsch der Wärmepumpe derzeit die Regeln für Flächenheizung und -kühlung neu schreibt. Mit der breiten Verfügbarkeit von Wärmepumpen und ihrer zunehmenden Etablierung in Einfamilienhäusern und Privathaushalten wird beispielsweise eine Deckenkühlung mittlerweile auch in kleineren Wohnanwendungen möglich. Die Flächenheizung entwickelt sich parallel dazu hin zur Nutzung niedrigerer Temperaturen, um mithilfe moderner Pumpentechnik immer größere Energieeinsparungen zu erreichen. In der Praxis liegen die Vorlauftemperaturen von Wärmepumpen heute meist unter 55 °C, und neue Systeme werden mit einer Spreizung von ΔT<10K ausgelegt. Das ist optimal für Flächenheizungen geeignet, da diese per Definition Niedertemperatursysteme sind.
Frage: Welche Auswirkung hat diese Entwicklung auf bestehende Systeme und Märkte?
Dimosthenis Rizos: Meiner Meinung nach wird die Synergie zwischen Wärmepumpen und Flächenkühlung und -heizung die Dekarbonisierung in Wohnraum-Anwendungen in ganz Europa und langfristig auch weltweit vorantreiben – insbesondere dann, wenn vergleichbare Vorgaben wie die EU-Ökodesign-Richtlinien auch in anderen Regionen eingeführt werden. Durch die zunehmende Verbreitung von Wärmepumpen steigt auch der Bedarf an speziellen Komponenten für Wärmepumpen, wie zum Beispiel eine neue Zirkulationstechnologie. Dieser Bedarf war in der Vergangenheit nicht vorhanden, da die meisten Heizungsanlagen mit Boilern ausgestattet waren.
Vor diesem Hintergrund muss nun eine neue Umwälzpumpentechnologie entwickelt werden, um die Synergie zwischen Wärmepumpe und Flächenklimasystemen weiter zu stärken, insbesondere im Bestand.
Digitale Tools, die die Planung und Inbetriebnahme durch einen einfachen und umfassenden hydraulischen Abgleich beschleunigen, sind dabei ein zentraler Ansatz. Zu den konkreten Herausforderungen der Hydraulikbranche zählen vor allem die Nachrüstung „schwieriger Häuser”, etwa älterer Wohnhäuser, die ursprünglich für Heizkessel mit Heizkörpern ausgelegt wurden, sowie der Schutz von Anlagen mit weniger Hardware und Sensorik. Dazu gehört im Heizbetrieb das sichere Einhalten unkritischer Vorlauftemperaturen und im Kühlbetrieb die zuverlässige Vermeidung von Kondensation.
In Zukunft wird die Umwälzpumpe nicht mehr als eine rein passive Maschine betrachtet werden, die lediglich Wasser fördert. Vielmehr handelt es sich um ein System, das so programmiert werden kann, dass es mit minimalem Energieeinsatz jederzeit den richtigen Volumenstrom zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bringt. Die Umwälzpumpe der Zukunft ist damit eine intelligente Maschine mit aktiver hydraulischer Abgleichsfunktion für Flächenheizungen, Flächenkühlsysteme und darüber hinaus.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Umwälzpumpe, Heizungsinstallation und Handwerkersoftware, auf Baulinks
- Literatur / Bücher zum Thema Heizung bei Baubuch / Amazon.de

