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7,0% mehr genehmigte Wohnungen von Januar bis September 2010

(21.11.2010) Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitgeteilt hat, wurde von Januar bis September 2010 in Deutschland der Bau von 137.900 Wohnungen genehmigt. Das waren 7,0% oder 9.000 Wohnungen mehr als in den ersten neun Monaten im Jahr 2009.

Im ersten Halbjahr 2009 war die Zahl der Baugenehmigungen noch rückläufig. Im zweiten Halbjahr war die Entwicklung aber so positiv, dass es insgesamt zu einer Zunahme von Genehmigungen im Jahr 2009 kam (+1,9% gegenüber 2008). Dieser positive Trend setzt sich offensichtlich in 2010 fort.

Von den in den ersten neun Monaten dieses Jahres insgesamt genehmigten Wohnungen waren 120.500 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (+ 7,7% gegenüber 2009). Der Anstieg von Baugenehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (+9,5%) fiel dabei etwas höher aus als der Anstieg von Genehmigungen für Wohnungen in Einfamilienhäusern (+6,3%) und Zweifamilienhäusern (+8,2%).

In diesem Zeitraum erhöhte sich der umbaute Raum der genehmigten neuen Nichtwohngebäude gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 1,4% auf 142,2 Millionen Kubikmeter. Diese Entwicklung basierte im Wesentlichen auf einer Zunahme der Genehmigungen für öffentliche Bauherren um 10,4% auf 17,3 Millionen Kubikmeter. Die nichtöffentlichen Bauherren steigerten dagegen das Bauvolumen lediglich um 0,3% auf 124,9 Millionen Kubikmeter.

Nur Tropfen auf den heißen Stein?

Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau e.V. (DGfM), die gleichsam vom Neubau lebt, ist der gemeldete Anstieg der Baugenehmigungen im Wohnungsbau zwar erfreulich, er werde auf dem bisherigen Niveau aber die Probleme bei der Wohnraumversorgung nicht lösen. Auch bei einem Anstieg der Genehmigungen um sieben Prozent erreiche die Zahl der fertig gestellten Wohnungen bei weitem nicht das Niveau, das nötig wäre, um die Bevölkerung mit bezahlbarem energieeffizientem und altersgerechtem Wohnraum zu versorgen - siehe auch Beitrag "Prognos-Studie analysiert die Folgen einer anhaltenden Wohnungsbaulücke" vom 21.3.2010.

Auch bei einer regional differenzierten Betrachtung reiche die bisherige Wohnungsbautätigkeit bei weitem nicht aus, um die regionalen Wohnungsknappheiten insbesondere in den Zuwanderungs- und Ballungsgebieten zu bekämpfen. Empfindliche Mietsteigerungen bei Neubauten und im Bestand sowie ein zunehmender Mangel an günstigem Wohnraum seien die erkennbaren Folgen - besonders betroffen davon: Erstmieter, also junge Ehepaare, Studenten und Auszubildende. Ebenso hart treffe es ältere Bürger, die zunehmend vergeblich nach bezahlbaren und barrierearmen Wohnungen suchen.

Die entscheidenden Weichenstellungen für mehr altersgerechten und energieeffizienten Wohnungsbau muss nach Ansicht der DGfM die Politik vornehmen. Denn nach Angaben von Wohnungsunternehmen können auch unter den aktuell günstigen Zinsbedingungen im frei finanzierten Wohnungsbau nur höherwertige Mietwohnungen mit Kaltmieten ab 8,50 Euro pro Quadratmeter erstellt werden. Um Investitionen in preiswerte Mietwohnungen wieder rentabel zu machen, setzt sich die Wohnungsbaubranche - mit Unterstützung des Mieterbundes - für verbesserte steuerliche Anreize ein. Bundesbauminister Peter Ramsauer spricht inzwischen die Vorteile der steuerlichen Anreize offensiv an - siehe z.B. Beitrag "Steuerliche Sanierungsanreize zur Energie-Einsparung?" vom 24.10.2010. Denn verbesserte Abschreibungssätze würden zudem den öffentlichen Haushalten mehr Einnahmen bescheren, als sie kosten. Von den Investitionskosten eines Wohnungsneubaus flössen über 50 Prozent über Steuern und Sozialabgaben in die öffentlichen Kassen zurück.

Der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau Dr. Ronald Rast warnt davor, aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes die falschen Schlüsse zu ziehen: "Der Anstieg der Baugenehmigungen geschieht nach wie vor auf zu niedrigem Niveau. Wir brauchen eine Wende in der Wohnungspolitik. Wohnen ist und bleibt ein Grundbedürfnis. Wird es abgedeckt, werden es die Wähler honorieren."

"Die Bundesregierung kann mit einfachen Maßnahmen wie verbesserten Abschreibungssätzen die Voraussetzung zum Bau von mehr Wohnraum schaffen," so auch Michael Hölker, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel. "Mit der Aktivierung privaten Kapitals werden gleichzeitig Arbeitsplätze gesichert und neu geschaffen, die Einnahmeseite der öffentlichen Haushalte verbessert und durch die Förderung energieeffizienter Neubauten der Klimaschutz vorangetrieben."

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