Trendreport Bildungsbau 2025: Serielles Bauen als Ansatz gegen die Schulbaukrise
(10.4.2026) Mit den frühen Abiturprüfungen in Niedersachsen beginnt die Prüfungsphase an vielen deutschen Schulen. In zahlreichen Einrichtungen müssen Klassen zeitweise in Turnhallen oder provisorische Räume ausweichen, da die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen. Gleichzeitig zeigt sich der Sanierungsbedarf vieler Gebäude deutlich. Der Trendreport Bildungsbau des Beratungsunternehmens Drees & Sommer SE analysiert den aktuellen Zustand der Bildungsinfrastruktur und formuliert Handlungsempfehlungen für Planung und Umsetzung von Schulbauten. Die Autoren sehen insbesondere serielle Bauweisen als möglichen Lösungsansatz.
Industrielle Vorfertigung verkürzt Bauzeiten
Beim seriellen Bauen werden standardisierte Bauteile – etwa Wände, Decken oder Fassadenelemente – industriell vorgefertigt und anschließend auf der Baustelle zu Gebäuden zusammengesetzt. „Das verkürzt die Bauzeit spürbar; komplette Schulgebäude lassen sich damit in nur 14 Monaten realisieren”, erklärt Daniel Hof, Experte für serielles Bauen bei Drees & Sommer.
Im Unterschied zum klassischen Bauablauf werden Planung, Produktion und Montage teilweise parallel organisiert. „Dadurch bleiben die Kosten niedrig, weil sich die Prozesse wiederholen, Materialien effizient genutzt werden und Lieferketten stabil bleiben.” Zudem können Kommunen modulare Gebäude an veränderte Anforderungen anpassen, z.B. durch Erweiterungen oder Rückbauten bei schwankenden Schülerzahlen.
Modulares Bauen mit architektonischer Vielfalt
Trotz der Vorteile besteht weiterhin Skepsis gegenüber seriellen Bauweisen. „Viele Menschen verbinden serielles Bauen – den Plattenbauten aus der Nachkriegszeit geschuldet – noch immer mit wenig Vielfalt und monotoner Architektur”, sagt Thomas Köhler, Head of Education bei Drees & Sommer. Moderne modulare Konzepte sollen diesem Eindruck entgegenwirken. „Mit modularen Elementen schaffen wir Lernlandschaften, die optisch ansprechend und funktional für den Ganztagsbetrieb ausgelegt sind.” Besonders im Hinblick auf den gesetzlichen Anspruch auf Ganztagsbetreuung im Primarbereich ab dem Schuljahr 2026/27 gewinnen flexible Raumkonzepte an Bedeutung. So verknüpfen z.B. Lernhaus- und Clusterkonzepte Klassenräume miteinander, bieten Rückzugsbereiche und ermöglichen offene Lernflächen für Gruppenarbeit. Aspekte wie Tageslichtführung oder Raumakustik können dabei gezielt berücksichtigt werden.
Einheitliche Rahmenbedingungen und digitale Planung
Ein Hindernis für den flächendeckenden Einsatz serieller Bauweisen sieht Thomas Köhler in unterschiedlichen Landesbauordnungen. „Momentan erschweren unterschiedliche Bauordnungen in den Bundesländern es, einheitliche Typen- und Modulbauten umzusetzen. Dabei könnten bereits eingeführte Gebäudetypen innerhalb von drei Monaten genehmigt werden. ... Damit Städte und Kommunen seriell bauen und sanieren können, braucht Deutschland in erster Linie einen einheitlichen Rahmen für den seriellen Schulbau, der rechtliche, technische und pädagogische Standards harmonisiert.” Auch organisatorische Veränderungen könnten helfen, Bauprojekte effizienter umzusetzen, etwa durch gebündelte Vergaben oder stärker standardisierte Planungsprozesse. Zudem seien Schulungen und Leitfäden für kommunale Bauverwaltungen sinnvoll.
Für eine bessere Planung die frühzeitige Einbindung pädagogischer Anforderungen in der sogenannten Phase Null eines Projekts empfohlen. Ergänzend könnten digitale Zwillinge seriell errichteter Schulgebäude Daten zum Betrieb liefern und so zur Weiterentwicklung von Standardmodulen beitragen. Monitoring-Systeme könnten z.B. Informationen zum Energieverbrauch, zur Raumnutzung oder zur Nutzerzufriedenheit erfassen.
Beispiele aus deutschen Städten
In mehreren Städten werden serielle Bauweisen bereits praktisch erprobt. Berlin setzt mit seinen „Standards für den Neubau von Schulen” auf modulare und serielle Bauprinzipien. In Dortmund wird mit der Reinoldi-Gesamtschule ein erstes modulares Holzbauprojekt umgesetzt, das auf einem strukturierten Planungsansatz basiert.
Auch Frankfurt am Main plant derzeit drei baugleiche Grundschulen im Rahmen eines Pilotprojekts. Die dort gewonnenen Erfahrungen sollen als Grundlage für einen übertragbaren Schulbautyp dienen und künftige Projekte beschleunigen.
Der ausführliche Trendreport Bildungsbau 2025 kann nach kurzer Anmeldung kostenfrei heruntergeladen werden via dreso.com/de/markets/infrastructure .
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