Bauwirtschaft: RICS veröffentlicht Global Construction Monitor Q2 2026
(21.08.2026) Die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) gibt die Ergebnisse des RICS Global Construction Monitor für das zweite Quartal 2026 bekannt. Der übergeordnete Construction Sentiment Index (CSI) stieg weltweit auf +13, nachdem er im ersten Quartal bei +8 gelegen hatte. Drei der vier untersuchten Weltregionen verzeichneten eine Verbesserung. Auch die Aussichten für die Kreditbedingungen hellten sich auf. Gleichzeitig stabilisierten sich die Erwartungen an die künftige Arbeitsauslastung, während der Kostendruck erste Anzeichen einer Abschwächung zeigt.
Arbeitsauslastung und Kostenentwicklung
Die Erwartungen hinsichtlich der Arbeitsauslastung in den kommenden zwölf Monaten haben sich in allen drei untersuchten Bausektoren verbessert oder stabilisiert. Besonders positiv fällt weiterhin der Infrastrukturbereich auf. Global stieg der Nettosaldo für die erwartete Arbeitsauslastung in der Infrastruktur auf +45 %, nach +40 % im ersten Quartal. Im privaten Gewerbeimmobilienbau erhöhte sich der Wert von +13 % auf +23 %, während der private Wohnungsbau mit +15 % unverändert blieb.
Bei den Kostenprognosen zeichnet sich eine leichte Entspannung ab. Die erwarteten Materialkosten gingen von 6,4 % auf 6,1 % zurück. Die Prognose für die gesamten Baukosten sank von 6,1 % auf 5,8 %. Gleichzeitig erhöhten sich die Erwartungen für die Kosten qualifizierter Arbeitskräfte von 4,5 % auf 4,9 %.
Regionale Entwicklung überwiegend positiv
Besonders deutlich erholte sich die Region Naher Osten und Afrika (MEA): Der CSI stieg von +8 auf +19. Auch Europa verbesserte sich von +7 auf +17. Die Region Amerika bleibt mit einem CSI von +29 der stärkste der vier untersuchten Märkte und legte gegenüber +21 im ersten Quartal ebenfalls zu. Lediglich die Region Asien-Pazifik (APAC) gab leicht von 0 auf -2 nach.
Auf Länderebene verzeichnete Nigeria mit einem Nettosaldo von +40 % bei der aktuellen Arbeitsauslastung die stärkste Entwicklung. Indien erreichte ebenfalls +40 %, Deutschland und die USA folgten mit jeweils +33 %. Auch Singapur, Oman und Saudi-Arabien meldeten positive Werte. Demgegenüber gingen die Aktivitäten unter anderem in Frankreich, Hongkong, Neuseeland, Katar und China zurück. China verzeichnete mit -42 % den niedrigsten Wert.
Sektorale Aufschlüsselung
Die Infrastruktur bleibt weltweit das stärkste Marktsegment. Der globale Nettosaldo für die aktuelle Arbeitsauslastung in diesem Bereich stieg von +20 % auf +23 %. Der private Gewerbeimmobilienbau verbesserte sich von -3 % auf einen neutralen Wert von 0 %. Im privaten Wohnungsbau verschlechterte sich der Nettosaldo dagegen leicht von -3 % auf -6 %.
Bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate liegt die Infrastruktur vorn. Der globale Nettosaldo stieg hier auf +45 %. Im privaten Gewerbeimmobilienbau verbesserten sich die Erwartungen deutlich auf +23 %. Der Ausblick für den privaten Wohnungsbau blieb mit +15 % stabil.
Kreditbedingungen verbessern sich
Nach der Verschlechterung im ersten Quartal haben sich die Aussichten für die Kreditbedingungen im zweiten Quartal deutlich aufgehellt. Der Nettosaldo für die erwartete Entwicklung in den kommenden drei Monaten verbesserte sich von -23 % auf -6 %. Für die kommenden zwölf Monate stieg der Wert von -14 % auf 0 % und erreichte damit erstmals seit mehreren Quartalen wieder ein neutrales Niveau.
Die Gewinnmargen werden weniger kritisch bewertet. Der Nettosaldo der aktuellen Gewinnmargen verbesserte sich von -29 % auf -19 %. Bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monate drehte der Wert erstmals seit mehr als einem Jahr ins Positive und erreichte +12 %.
Europa: Marktbedingungen ziehen an
In Europa stieg der Construction Sentiment Index im zweiten Quartal 2026 von +7 auf +17. Alle sechs erfassten Märkte verbesserten sich gegenüber dem Vorquartal. Italien kehrte mit einem CSI von +10 in den positiven Bereich zurück, während sich die Entwicklung in Frankreich von -24 auf -8 abschwächte. Auch Großbritannien wechselte mit +2 wieder in positives Terrain.
Deutschland führt die untersuchten europäischen Märkte weiterhin an. Der CSI stieg von +27 auf +36. Die Niederlande verbesserten sich ebenfalls deutlich von +19 auf +35. Irland legte von +9 auf +12 zu.
Auch bei der aktuellen Arbeitsauslastung zeigte sich in Deutschland eine positive Entwicklung. Im privaten Wohnungsbau stieg der Nettosaldo von +20 % auf +22 %, im privaten Gewerbeimmobilienbau von +13 % auf +33 %. Besonders deutlich fiel die Entwicklung im Infrastrukturbereich aus: Hier erhöhte sich der Wert von +29 % auf +44 %.
Arbeits- und Fachkräftemangel treten stärker hervor
Trotz der verbesserten Marktstimmung bleiben die Kosten ein wesentliches Hindernis für die Bauwirtschaft. Global nannten 69 % der Befragten die Materialkosten als Einschränkung der Bautätigkeit. Finanzielle Einschränkungen folgten mit 65 %.
Gleichzeitig gewinnen die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und Fachkräften an Bedeutung. Der Anteil der Befragten, die einen Arbeitskräftemangel als Hindernis nannten, stieg weltweit von 39 % auf 47 %. Beim Fachkräftemangel erhöhte sich der Wert von 48 % auf 53 %.
In Europa bleibt der Fachkräftemangel ein relevantes Thema. 61 % der Befragten nannten ihn als Einschränkung der Bautätigkeit. In Deutschland stehen Materialkosten und Fachkräftemangel mit jeweils 56 % an der Spitze der genannten Hemmnisse.
Zukunftserwartungen verbessern sich in Europa
Für die kommenden zwölf Monate haben sich die Erwartungen in Europa insgesamt aufgehellt. Im privaten Wohnungsbau stieg der Nettosaldo von +14 % auf +23 %, im privaten Gewerbeimmobilienbau von +18 % auf +31 %. Die Erwartungen für die Infrastruktur gingen zwar leicht von +38 % auf +33 % zurück, blieben damit aber deutlich positiv.
Ebenso verbesserten sich die Beschäftigungserwartungen von +11 % auf +20 %. Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den erwarteten Gewinnmargen aus: Der Nettosaldo drehte von -19 % auf +13 % und liegt damit erstmals wieder im positiven Bereich.
Fazit: Bauwirtschaft gewinnt weltweit an Zuversicht
Susanne Eickermann-Riepe FRICS, Senior Vice President (SVP) der RICS weltweit, ordnet die Ergebnisse ein: „Der globale Construction Index steigt und bestätigt die aktuelle Marktdynamik. Die Stimmung in der Bauwirtschaft steigt in den meisten Regionen weltweit. In Europa bleibt Deutschland Spitzenreiter, aber auch Italien kehrt in den positiven Bereich zurück und Frankreich zeigt sich weniger negativ. Der 12-Monats-Ausblick ist in allen Sektoren deutlich positiv und die Erwartungen haben im laufenden Quartal im Gewerbebau und im Wohnungsbau zugenommen. Top-Performer bleibt aber nach wie vor der Bereich Infrastruktur. Die Materialkosten bleiben das am häufigsten genannte Problem, aber Arbeits- und Fachkräftemangel treten stärker in den Vordergrund. Die 12-Monats-Kostenprognosen sind insbesondere im Gewerbe- und Wohnungsbau gestiegen. Infrastruktur bleibt stabil an der Spitze. Die Beschäftigungserwartungen verbesserten sich und auch die Gewinnmargen werden deutlich positiver eingeschätzt. Ein gutes Signal für einen deutlich verbesserten Ausblick in 2026.”
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS)
- PDF-Download: Global Construction Monitor Q2 2026
- Baukonjunktur aktuell
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