Euroconstruct: Europäische Bauwirtschaft erholt sich langsam
(23.07.2026) Die Aussichten für den europäischen Bausektor bleiben vorsichtig positiv, aber das Wachstum wird voraussichtlich langsamer als bisher erwartet. Seit der Euroconstruct-Prognose im November 2025 hat sich das Betriebsumfeld für den Bau in vielerlei Hinsicht verändert. Geopolitische Spannungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, die Energiepreise, die Inflation und die Zinsentwicklung. Dies beeinträchtigt auch die Nachfrage im Bausektor stark. Das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen in die Zukunft ist gesunken, und die Konjunkturprognosen wurden im Frühjahr in mehreren Ländern nach unten korrigiert. Es ist wahrscheinlich, dass diese Unsicherheit anhält.
In den Euroconstruct-Ländern (EC-19) ist das Bruttoinlandsprodukt 2025 um 1,5 % leicht gestiegen. Zwischen 2026 und 2028 wird das BIP voraussichtlich um durchschnittlich 1,2 % pro Jahr wachsen. Das Wachstum im Jahr 2026 wird mit 1,1 % schwächer bleiben als bisher geschätzt; im Jahr 2027 wird es 1,3 % betragen. Keines der EC-19-Länder sieht ein negatives Wirtschaftswachstum.
Bauwachstum 2026 geringer als erwartet
Die Bauproduktion in den 19 Euroconstruct-Ländern (EC-19) legte 2025 lediglich um 0,2 % zu. Damit blieb die Entwicklung leicht hinter der Prognose vom November 2025 zurück, die ein Wachstum von 0,3 % erwartet hatte.
Für 2026 rechnen die Experten mit einem Anstieg der Bauproduktion um 2,0 %. Auch diese Prognose wurde nach unten korrigiert: Vor sechs Monaten war noch ein Plus von 2,4 % erwartet worden. Unverändert bleiben hingegen die Wachstumserwartungen für 2027 und 2028 mit 2,2 % bzw. 1,9 %.
Nach den Rückgängen in den Jahren 2023 und 2024, als die Bauproduktion insgesamt um etwas mehr als 3 % schrumpfte, zeichnet sich damit eine schrittweise Erholung ab. Mit einem erwarteten durchschnittlichen Wachstum von etwas mehr als 2 % pro Jahr in den Jahren 2026 bis 2028 dürfte sich die Branche zwar weiter stabilisieren, das Tempo des Aufschwungs bleibt jedoch moderat.
Unterschiede zwischen den Bausektoren
Während die Wohnbauproduktion zwischen 2023 und 2025 deutlich zurückging, blieb der Nichtwohnbau insgesamt stabil. Der Tiefbau hingegen legte spürbar zu. Für den Prognosezeitraum 2026 bis 2028 wird in allen Bausektoren wieder mit Wachstum gerechnet.
Besonders stark fielen die Schwankungen im Neubau aus. Zwischen 2023 und 2025 ging die Neubauproduktion deutlich zurück, während die Gebäudesanierung lediglich leicht nachgab. Für die Jahre 2026 bis 2028 wird erwartet, dass der Neubau wieder stärker wächst als die Sanierung. Deren verhaltene Entwicklung ist vor allem auf das gedämpfte Verbrauchervertrauen, die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit und die begrenzte Investitionsbereitschaft privater Haushalte bei der Modernisierung ihrer Immobilien zurückzuführen.
Im Tiefbau verzeichneten sowohl Neubau als auch Sanierungsmaßnahmen zwischen 2023 und 2025 ein kräftiges Wachstum. Dieser Trend dürfte sich bis 2028 fortsetzen. Wachstumstreiber sind vor allem Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, den Ausbau der Energieversorgung, Maßnahmen zur Sicherheits- und Krisenvorsorge, die Anpassung an den Klimawandel sowie Projekte, die durch EU-Programme gefördert werden.
Eine der zentralen Erkenntnisse der neuen Prognose ist der Strukturwandel im Bauwachstum: Neubau und Tiefbau entwickeln sich zunehmend zu den wichtigsten Wachstumsmotoren, während die Sanierung zwar stabil bleibt, aber nur noch moderat wächst. Die bislang antizyklische Rolle der Gebäudesanierung hat sich gegenüber den Jahren der Energiekrise und des Booms bei Energieeffizienzmaßnahmen deutlich abgeschwächt. Damals sorgten umfangreiche Förderprogramme und regulatorische Vorgaben für starke Impulse. Heute bremsen die wirtschaftliche Unsicherheit und die zurückhaltende Konsumstimmung die Renovierungsaktivität, während öffentliche und private Investitionen vor allem den Neubau stärken.
Unterschiedliche Entwicklung der EU-Länder
Die Entwicklung der Bauwirtschaft in Europa bleibt regional sehr unterschiedlich. Besonders in den nordischen Ländern und in Österreich ist die Bauleistung in den Jahren 2023 und 2024 deutlich zurückgegangen. Eine Rückkehr auf das Niveau von 2022 ist dort vorerst nicht in Sicht. Hauptursache ist der starke Einbruch im Wohnungsneubau.
Für den Zeitraum von 2025 bis 2028 werden die höchsten Wachstumsraten im Baugewerbe für Irland, Polen, Großbritannien und Portugal erwartet. Deutlich schwächer fällt das Wachstum in der Slowakei, Italien und Belgien aus. Irland bleibt dank umfangreicher öffentlicher Investitionen und einer anhaltend hohen Nachfrage der dynamischste Baumarkt Europas. Auch Polen dürfte mittelfristig kräftig wachsen, wenngleich die Prognosen zuletzt leicht nach unten korrigiert wurden. Spanien und Portugal profitieren von einer breiten Expansion sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau.
Deutschland, Frankreich, Österreich und Italien hingegen kämpfen weiterhin mit einer schwachen Nachfrage im Wohnungsbau, hohen Baukosten und schwierigen Finanzierungsbedingungen.
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