EY-Parthenon veröffentlicht Hochbau- und Infrastrukturbauprognose 2026
(20.07.2026) Der Hochbau in Deutschland kommt auch 2026 noch nicht aus der Krise. Obwohl der Bedarf insbesondere im Wohnungsbau hoch bleibt, bremsen hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und neue geopolitische Unsicherheiten die Nachfrage. Nach einem Rückgang der Bautätigkeit um 3,6 % im Jahr 2024 schrumpfte der Markt 2025 nochmals um 1,9 %. Im laufenden Jahr 2026 dürfte das Minus mit 0,2 % zwar deutlich geringer ausfallen, eine Trendwende ist es aber nicht. Erst ab 2027 erwarten die Experten eine Erholung mit einem realen Wachstum von 0,8 %. 2028 könnte das Hochbauwachstum sogar 1,2 % erreichen. Das geht aus der jährlichen Hochbaustudie der Strategie- und Transaktionsberatung EY-Parthenon hervor.
Wohnungsneubau, Wirtschaftsbau und Sanierungen rückläufig
Der Hochbau leidet besonders unter dem Neubaueinbruch im Wohnungsbau. Das Bauvolumen ging sowohl im privaten Eigenheimsegment als auch im gewerblichen Geschosswohnungsbau auch 2025 mit jeweils -6,9 % deutlich zurück.
EY-Parthenon-Partner Björn Reineke: „Der Wohnraumbedarf ist zwar unverändert groß, die aktuell hohen Baupreise, Zinsen und Unsicherheiten haben aber zu einem Nachfragerückstau geführt. Ein Abbau regulatorischer Vorgaben und konsequenteres Kostenmanagement könnten die Nachfrage wieder beleben.”
Der Nichtwohnungs-Neubau entwickelt sich ebenso rückläufig, wenn auch moderater. Der Wirtschaftsneubau sank im vergangenen Jahr um -1 %, der öffentliche Hochbau um -0,6 %. Angesichts der schwachen Konjunktur und zunehmender Standortrisiken (z.B. hohe Lohnkosten und Energiepreise, Exportzölle) priorisieren viele Unternehmen Investitionen im Ausland oder verlagern sie in andere, staatlich stimulierte Sektoren wie etwa den Infrastrukturbau.
In Phasen des Abschwungs dienen Modernisierungen normalerweise als stabilisierender Faktor; 2025 war allerdings auch hier ein Rückgang zu verzeichnen. Vor allem energetische Sanierungen im Wohnungsbestand bleiben aus, da viele Eigentümer angesichts unsicherer Förderbedingungen und hoher Kosten zögerten.
Ab 2027 verhaltene Erholung möglich
Für den Zeitraum 2026 bis 2028 erwartet EY-Parthenon keinen Aufschwung im Hochbau, eher eine schrittweise Stabilisierung. Die weiterhin hohen Bau- und Finanzierungskosten könnten durch steigende Energiepreise und eine anziehende Inflation belastet werden.
Effiziente Kostenstrukturen und maßvolle Preisstrategie
Werden Kostensteigerungen zu stark an Kunden weitergegeben, könnte dies die Nachfrage erneut dämpfen gefährden. Das Neugeschäft mit Baukrediten 2024 und 2025 blieb vergleichsweise robust. Banken finanzieren weiterhin solide Vorhaben ein wichtiges Signal dafür, dass zusätzliche Nachfrage künftig auch in konkrete Bauprojekte münden kann. Politische Maßnahmen könnten den Markt zudem mittelfristig entlasten: Reformen beim Baugesetzbuch, Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungen sollen Hemmnisse reduzieren. Zudem fließen seit 2025 jährlich 3,5 Mrd. Euro in den sozialen Wohnungsbau.
Sondervermögen stützt eher Infrastruktur als Hochbau
Die Bundesregierung hat 2025 mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität einschließlich des Klima- und Transformationsfonds ein langfristiges Investitionspaket mit einem Volumen von rund 500 Mrd. Euro aufgelegt. Ein Großteil der Mittel entfällt auf Programme in den Bereichen Verkehr, Energie und Digitalisierung und betrifft somit vor allem den Infrastrukturbau, während hochbaubezogene Förderungen auf ausgewählte Segmente wie Bildung, Gesundheit oder Wohnungsbau begrenzt sind.
Nach bisherigem Stand entfallen voraussichtlich über 70 % des Sondervermögens auf Bauvorhaben, 55 % auf das Infrastruktur- und 18 % auf das Hochbausegment.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
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siehe zudem:
- Wohnungs- und Baupolitik , Immobilienbranche, Baubranche, Architektur und Ingenieurbau sowie Materialmangel / Preissteigerungen bei Baulinks.de
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