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Gipsrecycling wächst - reicht aber nicht für künftigen Bedarf

(08.09.2025) Gipsrecycling gewinnt in Deutschland an Bedeutung. Nach Angaben des Bundesverbands der Gipsindustrie wurden 2024 rund 128.500 Tonnen Recycling-Gips hergestellt. Zugleich warnt der Verband vor einer wachsenden Versorgungslücke, da mit dem Kohleausstieg die Verfügbarkeit von REA-Gips zurückgeht.

Gips-Rohstoffmix in Deutschland 2030-2045. (Bild: RWI-Rohstoffstudie 2025, Bundesverband der Gipsindustrie e.V.) 

REA-Gips fällt künftig weg

REA-Gips entsteht als Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung von Kohlekraftwerken und war bislang neben Natur- und Recycling-Gips Bestandteil der Rohstoffversorgung. Bereits 2024 wurde mit 2,9 Mio. Tonnen die ursprünglich für 2030 prognostizierte Menge an REA-Gips erreicht.

„REA-Gips war über Jahrzehnte hinweg ein zentraler Bestandteil des deutschen Gipsrohstoffmixes”, betont Dipl.-Ing. Holger Ortleb, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Gipsindustrie und der Forschungsvereinigung der Gipsindustrie und warnt: „Sein Wegfall betrifft die gesamte Wertschöpfungskette. Vom Trockenbau über Estriche bis hin zu den Fundamenten von Windkraftanlagen.”

REA-Gips-Prognose (Basis Kohleausstiegsgesetz, Koalitionsvertrag 2021-2025, VGB Power Tech e.V. (Bild: Bundesverband der Gipsindustrie e.V.) 

Recyclingpotenzial noch nicht ausgeschöpft

Von den 2024 statistisch erfassten 578.600 Tonnen Gipsabfällen, wurden rund 128.500 Tonnen zu Recycling-Gips verarbeitet. Das entspricht 22,18 % des erfassten Abfallaufkommens. Das tatsächlich nutzbare Potenzial wird vom Verband auf etwa 300.000 bis 400.000 Tonnen geschätzt. Der gewonnene Recycling-Gips wird derzeit vollständig wieder in der verarbeitenden Industrie eingesetzt. Besonders Gipsplattenabfälle eignen sich für die Aufbereitung.

Recycling kann Rohstofflücke nicht schließen

Auch bei vollständiger Ausschöpfung des Recyclingpotenzials würde die Menge nach Einschätzung des Verbands nicht ausreichen, um den wegfallenden REA-Gips zu ersetzen. Ein Grund dafür ist das Verhältnis von Neubau und Rückbau: 2022 wurden rund 295.275 Wohnungen neu gebaut, aber lediglich etwa 16.500 Wohnungen abgerissen oder umgewidmet.

Hinzu kommt, dass Gipsplatten erst seit den 1980er Jahren in größerem Umfang eingesetzt werden. Größere Mengen an rückgewinnbarem Gips aus dem Gebäudebestand werden deshalb erst künftig erwartet.

Verband fordert politische Vorgaben

„Recycling ist ein zentraler Baustein der Kreislaufwirtschaft, aber kein kurzfristiger Ersatz für REA-Gips. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, bleibt Naturgips auf absehbare Zeit unverzichtbar.” Um das Recyclingpotenzial besser auszuschöpfen, fordert der Verband unter anderem mehr Rechtssicherheit für Recycling-Gips, strengere Vorgaben zur getrennten Erfassung beim Rückbau, ein Deponieverbot für recyclingfähigen Gips sowie klare Regelungen zum Abfallende. „Ohne klare gesetzliche Leitplanken bleibt das Recycling hinter seinen Möglichkeiten zurück”, fürchtet Holger Ortleb. „Je mehr Input kommt, umso mehr kann auch recycelt werden.”

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