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Bautrocknung vom Fraunhofer IBP wissenschaftlich untersucht

(13.9.2017) Trotz steigender Kosten für die Behebung von jährlich mehr als einer Million Leitungswasserschäden in Deutschland gab es bislang kaum systematische Untersuchungen zur technischen Trocknung betroffener Bauteile. Darum hat jetzt der Verband öffentlicher Versicherer (VöV) unter Federführung der Sparkassenversicherung eine Reihe von Versuchen beim Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Auftrag gegeben. Dabei wurden neben etablierten Bautrocknungsverfahren auch neuartige Trocknungsvarianten auf ihre Effizienz bei nassen Wand-, Fußboden- und Deckenaufbauten getestet. Um zukünftig die jeweils wirksamste Trocknungsmethode vorab bestimmen zu können, wurde ein Modell für die rechnerische, hygrothermische Simulation der Trocknung eingesetzt und anhand der ersten Versuche validiert.


Blick in einen Prüfraum vor der Erzeugung eines künstlichen Wasserschadens. (Foto © Fraunhofer IBP)

Die Untersuchungen erfolgten an vier Versuchsräumen, die in der Klimakammer des Fraunhofer IBP in Stuttgart aufgebaut waren. Dabei wurde eine Serie von gängigen Bauteilen untersucht wie beispielsweise ...

  • Wände aus Porenbeton, Gipswandbauplatten, Vollziegel, Hochlochziegel und Leichtbauwände,
  • Wandoberflächen mit und ohne Fliesen sowie mit verschiedenen Putzoberflächen,
  • Holzbalkendecken mit Schlacke- und Lehmpelletfüllung,
  • Fußbodenaufbauten mit unterschiedlichen Dämmstoffen unter dem Estrich sowie diese mit und ohne Fliesenbelag.

Eingesetzt wurden bei den Versuchen u.a. ...

  • Infrarot-Strahlungsheizplatten,
  • ein- oder zweiseitig angebrachte Folienzelte zusammen mit Adsorptionstrocknern.

Aufstieg der Feuchte in angrenzender Wand während der Erzeugung des Wasserschadens. (Foto © Fraunhofer IBP)

Mit rund 300 Sensoren wurden die Temperatur- und Feuchteverläufe der unterschiedlichen Bauteiloberflächen und der darunter liegenden Schichten gemessen. So wurde die Durchfeuchtung ebenso wie der anschließende Trocknungsvorgang detailliert erfasst.

Aus der Vielzahl der Ergebnisse stechen einige Punkte besonders hervor:

  • In keinem Fall war die natürliche Trocknung ausreichend - was bedeutet, dass auf technische Trocknungsmaßnahmen nicht verzichtet werden kann.
  • Bei den Wänden waren die Folienzelte mit Adsorptionstrocknern ähnlich wirksam wie die Infrarot-Heizplatten, wobei in beiden Fällen die Trocknung der bodennahen Bereiche verbesserungswürdig erscheint.
  • Am Beispiel der Trittschalldämmplatten aus Mineralfaser konnte außerdem festgestellt werden, dass weder die wärmedämmenden Eigenschaften noch die akustische Wirksamkeit nach erfolgter Trocknung in irgendeiner Weise beeinträchtigt waren.
  • Mit Infrarot-Heizplatten im Energiekosten sparenden Intervallbetrieb wurden annährend ähnlich gute Trocknungsergebnisse erzielt wie beim Dauerbetrieb. Dies soll in Zukunft noch genauer untersucht werden, da eine Unterbrechung der häufig geräuschvollen Trocknungsgeräte die Beeinträchtigung der Nutzer deutlich reduzieren würde.

Einsatz von verschiedenen Trocknungstechniken, Folienzelt, IR-Strahlungsheizplatten und Unterestrichtrocknungssystem zur Trocknung der Wände und des Bodens. (Foto © Fraunhofer IBP)

Ein aus der Sicht der Fraunhofer-Experten sehr wesentliches Ergebnis der Untersuchungen ist der Erfolg bei der Nachberechnung des Trocknungsvorgangs. Da Berechnungen deutlich schneller und kostengünstiger sind, können sie nicht nur dabei helfen, die Trocknungsverfahren für die unterschiedlichen Anwendungsgebiete gezielt zu optimieren. Sie erlauben im Vorfeld auch eine situationsabhängige Prognose der Trocknungsdauer und geben Hinweise auf geeignete Trocknungsverfahren meint Abteilungsleiter „Hygrothermik“ Prof. Dr. Hartwig Künzel, der das Projekt zusammen mit Andreas Zegowitz, Gruppenleiter „Wärmekennwerte, Klimasimulation“ geleitet hat.

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