Fraunhofer ISE - Studie zeigt unterschiedliche Strategien in deutschen Kommunen
(21.05.2026) Eine Studie des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Institut untersucht erstmals 113 kommunale Wärmepläne aus 223 Kommunen in Deutschland. Hintergrund ist das Wärmeplanungsgesetz, das rund 11.000 Kommunen verpflichtet, bis spätestens Juni 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen.
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen. Während größere Städte verstärkt auf Wärmenetze setzen, verfolgen kleinere Kommunen häufiger dezentrale Versorgungskonzepte. Wärmepumpen spielen dabei über alle Kommunengrößen hinweg eine zentrale Rolle.
„Über alle Pläne und Kommunengrößen hinweg zeigt sich, dass die Wärmepumpe die wesentliche Technologie für jene Gebiete ist, die sich nicht für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen”, so Marc Stobbe, Energieexperte vom Öko-Institut.
Ausbau der Wärmenetze geplant
Nach den ausgewerteten Wärmeplänen soll der Anteil leitungsgebundener Wärmeversorgung deutlich steigen. Im Durchschnitt wird ein Ausbau von derzeit etwa 16 auf rund 40 % bis 2045 angestrebt. In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegen die geplanten Anteile zwischen 47 und 82 %. Auch innerhalb der Wärmenetze sollen Wärmepumpen künftig eine wichtige Funktion übernehmen.
Kritik an Annahmen und Datengrundlagen
Die Forscher sehen jedoch Defizite bei vielen Wärmeplänen. Häufig bleibe unklar, auf welchen Annahmen sinkende Wärmebedarfe basieren und welche energetischen Sanierungen konkret berücksichtigt werden. „Hier ist Abhilfe dringend erforderlich, wenn die kommunale Wärmeplanung als Grundlage der Transformation für Netzbetreiber und Energieversorger dienen soll”, sagt Projektleiterin Dr. Jessica Thomsen vom Fraunhofer ISE.
Das Forschungsteam empfiehlt deshalb einen standardisierten Korridor für plausible Energieeinsparungen sowie einheitliche Definitionen für Sanierungsraten und energetische Standards.
Biomassepotenziale und Förderbedarf
Die Studie weist zudem darauf hin, dass Biomassepotenziale teilweise unterschiedlich bewertet und in einzelnen Wärmeplänen überschätzt werden. Unterschiede bestehen unter anderem bei der Definition nachhaltiger Biomassenutzung.
Darüber hinaus empfehlen die Autorinnen und Autoren eine stärkere Abstimmung zwischen dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz und dem Wärmeplanungsgesetz. Langfristig verlässliche Förderinstrumente wie die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) seien ebenfalls erforderlich.
Die Untersuchung ist Teil des Projekts „KOMpare”, an dem neben Fraunhofer ISE und Öko-Institut auch das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln beteiligt ist. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.
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siehe zudem:
- Wärmepumpen im alternative Energien- und im Wärmetechnik-Magazin bei Baulinks.de
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