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In den Bau- und Ausbauhandwerken fast 13 bzw. gut 10 Wochen Wartezeit


  

(25.11.2018) Zum aktuellen Konjunkturbericht des Handwerks erklärt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH): „Das Handwerk ist im Konjunkturmarathon. Das Handwerk steckt auch im Herbst 2018 weiter voller Kraft. Das konjunkturelle Hoch bleibt unseren Betrieben erhalten und verstärkt sich gegenüber dem Frühjahr sogar noch. Bereits zum vierten Mal in Folge in einer Herbstbefragung beurteilen die Handwerksbetriebe aktuelle Geschäftslage, Umsatzentwicklung, Auftragspolster und Investitionsklima besser als jemals zuvor. Insofern hat sich der Konjunkturlauf im Handwerk inzwischen zu einem Konjunkturmarathon ausgewachsen.“ (Zur Erinnerung: Der ZDH vertritt nicht nur baunahe Handwerke!)

Bereits seit vier Jahren eilt laut ZDH das Handwerk von Allzeithoch zu Allzeithoch. Allerdings sei die künftige Erwartung der Betriebe eher auf Stabilisierung ausgerichtet denn auf eine Fortsetzung der Wachstumsdynamik: Nur knapp jeder vierte Betriebsinhaber rechne nämlich mit einer nochmals verbesserten Lage, die meisten - nämlich 69% - gingen davon aus, dass sich die Handwerkskonjunktur bis zum Jahresende stabilisiert.

Besser als je zuvor in einem Herbst beurteilten jedoch die Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage: 64% der Betriebsinhaber halten sie laut ZDH-Konjunkturbericht für gut, nur 6% für schlecht. Besonders gut laufen demnach die Geschäfte in den Bau- und Ausbauhandwerken, in denen im Vergleich zu den anderen Gewerkegruppen Spitzenwerte erreicht werden: Lediglich 2% im Bau- und 3% in den Ausbauhandwerken würden über eine schlechte Geschäftslage klagen, die ganz große Mehrzahl (74% bzw. 73%) spreche von einer guten Geschäftslage. Die Lebensmittelhandwerke beispielsweise würden vom wachsenden privaten Konsum profitieren.

Umsatzrekorde

Erneut ein Allzeithoch werde bei der Umsatzentwicklung erreicht: Besonders dynamisch entwickeln sich laut ZDH die Umsätze auch hier im Bau- und Ausbaugewerbe sowie den Handwerken des gewerblichen Bedarfs. Außer bei den Gesundheitshandwerken seien die Umsätze in allen anderen Handwerksbereichen gestiegen. Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten liege bei 84%, ein neuer Spitzenwert. Im Bau betrage die Auslastung gar 90%, im Ausbau 89%. Somit stehen dort kaum noch freie Kapazitäten zur Verfügung. Auch für die kommenden Monate seien die Betriebe reichlich mit Arbeit, sprich Aufträgen, versorgt. Im Gesamthandwerk dauere es inzwischen im Durchschnitt 9 Wochen, bis ein Auftrag erfüllt werden könne. In den Bau- und Ausbauhandwerken müssten die Kunden sogar fast 13 bzw. gut 10 Wochen bis zur Auftragsrealisierung warten.

Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte!?

2018 will das Handwerk voraussichtlich zusätzlich rund 30.000 Mitarbeiter einstellen - das entspräche in etwa dem Vorjahresniveau. In jedem fünften Betrieb seien neue Mitarbeiter hinzugekommen. Gerne hätten die Betriebe noch mehr Personal eingestellt, doch es fehlten schlicht die passenden Fachkräfte. Deshalb sei davon auszugehen, dass das realisierte Stellenplus noch hinter den eigentlichen Beschäftigungsplänen der Betriebe zurückbleibe.

Um die Aufträge besser abarbeiten zu können, hätten die Betriebe außerdem kräftig investiert: Fast jeder vierte Betrieb habe mehr Mittel in Investitionen gesteckt, nur 14% hätten weniger investiert. Das gegenwärtige konjunkturelle Umfeld ermögliche es Betrieben, gestiegene Kosten für Löhne, Materialien und Energie besser als in den Vorjahren an die Abnehmer weiterzugeben. Knapp ein Drittel habe davon im Herbst 2018 Gebrauch gemacht.

„Insgesamt wird das Fazit für das Jahr 2018 noch besser ausfallen als im Frühjahr angenommen. Die Umsatzprognose für 2018 heben wir deutlich an und gehen davon aus, dass die Umsätze im Gesamthandwerk im Jahr 2018 um 5 Prozent steigen werden. Für das kommende Jahr 2019 erwarten wir ein Umsatzplus von bis zu 4 Prozent,“ resümiert ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke und verweist auch auf die Kehrseite dieser brummenden Volllast-Konjunktur im Handwerk: „Die Betriebe arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen, es findet sich nicht genügend Personal, der Wettbewerb und die Konkurrenz um Fachkräfte ist groß und als Ergebnis all dessen: Die Wartezeiten für die Kunden werden länger. Gerade Letzteres ist auch für die Betriebe und Unternehmen im Handwerk eine unbefriedigende Situation. Deshalb ist eine der vordringlichen Herausforderungen im Handwerk, aber auch der Politik, den Fachkräftebedarf zu decken. ... Deshalb muss es für uns als Gesellschaft insgesamt ein vorrangiges Anliegen sein, das Fundament eines leistungsfähigen Handwerks wieder zu stärken - die berufliche Ausbildung und Qualifizierung. Denn nur wenn es gelingt, wieder mehr junge Menschen für eine Berufsausbildung zu gewinnen, werden wir in der Lage sein, eigenständig und im Inland die erforderlichen Fachkräfte bereitzustellen.“

Bildungswende gefordert

Der ZDH wünscht sich nicht weniger als eine Bildungswende: „Wir müssen wegkommen von einem Bildungsideal, wonach möglichst viele akademische Abschlüsse als Indiz für Bildungsgerechtigkeit verstanden werden. Stattdessen müssen wir wieder dahin kommen, berufliche und akademische Ausbildung als gleichwertige Wege in ein erfolgreiches Berufsleben anzuerkennen und zu fördern. Jahrelang hat das Handwerk einen Berufsbildungspakt gefordert, jetzt ist er endlich Teil der Koalitionsvereinbarung. Diesen Pakt gilt es nun aber auch inhaltlich zu füllen und das angekündigte verstärkte Engagement für die berufliche Bildung entsprechend finanziell zu unterfüttern. Politik ist hier gefordert, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen. Die Stärkung des Meisterbriefs gehört dazu. Um den Fachkräftebedarf zu decken, wird zudem eine gesteuerte, am Arbeitsmarkt orientierte Einwanderung unerlässlich bleiben. Deshalb muss der jetzt vorliegende Gesetzentwurf zügig beschlossen und umgesetzt werden.“

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