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Erweiterung der lichtfabrik mit klassischer Titanzink-Deckung mit auffälligen Unauffälligkeiten

(7.11.2022) Der 2020 fertiggestellte Neubau der lichtfabrik komplettiert das denkmalgeschützte Ensemble eines typischen Alt-Berliner Gewerbehofes und führt dessen architektonische Tradition in einer modernen Formensprache fort (siehe Google-Maps). Blickfang des in Arbeitsgemeinschaft der Berliner Büros Bollinger+Fehlig Architekten BDA und Stoeckert Architekten entworfenen, loftartigen Geschäftshauses ist die prismenartig gefaltete Fassade aus Betonfertigteilen in den ersten vier Etagen. Darüber erhebt sich das zweigeschossige Dach, das einerseits an eine Mansarde erinnert, in seinem optischen Eindruck jedoch andererseits von den breiten, dicht neben- und übereinander stehenden Gauben geprägt wird.

Foto © Surhan 

Den Hintergrund dieses doppelten Charakters erklärt der verantwortliche Projektleiter Michael Pape: „Im Sinne einer hochwertigen Flächennutzung beabsichtigten wir auch für die beiden obersten Geschosse eine großzügige Belichtung über möglichst viele senkrecht stehende Fenster. Gleichzeitig sollte sich der Neubau aber maßstäblich in den vorhandenen Blockrand mit entsprechender Traufhöhe und Dachgestaltung einfügen. Wenn man so will, dann ist die ausgeführte Lösung eine Kombination der Funktionalität einer Fassade mit der äußeren Form eines Daches.“


Foto © Rheinzink
  

Hinzu kam, dass der rechts an den Neubau anschließende Gebäudeteil unter Denkmalschutz steht. „Wir wollten darum ganz bewusst einen industriell-vorfabrizierten Eindruck des Daches vermeiden und haben für die Deckung ein hochwertiges Material gesucht, dem man seine handwerkliche Verarbeitung ansehen soll.“ Umgesetzt wurde dieser Gedanke mit einer Deckung aus prePATINA schiefergrau von Rheinzink und der handwerksgerechten Ausführung durch die Dachklempner der Firma TS Berlin Bauunternehmung.

Die beiden Dachgeschosse und alle Gauben der lichtfabrik bestehen wie der gesamte Rohbau aus einer Ortbeton-Konstruktion. Darauf entstand ein belüftetes Dach mit Holz-Unter­kon­struk­tion, 140 mm Wärmedämmung, Vollschalung und diffusionsoffener Unterdeckbahn.

Die Dachlänge auf den mit 65° geneigten Flächen beträgt rund 6 m. Um Spannungen zu vermeiden und die Verlegung im teilweise sehr beengten Raum zwischen den Gauben zu vereinfachen, sind die Schare geteilt: Sie wurden in einer Länge von zweimal ca. 3 m verarbeitet und mit einem einfachen Querfalz sowie optisch durchlaufenden Längsfalzen verbunden. Aus 670 mm breiten Rheinzink-Bändern mit 0,7 mm Dicke profilierten die Dachklempner Schare mit einer Standardbreite von 600 mm und verlegten sie in Doppelstehfalztechnik.

Auffällig in ihrer Unauffälligkeit

Auf den ersten Blick handelt es sich also um einen eher normalen, nicht unbedingt spektakulären Dachaufbau, wie er bei Neubauten häufiger anzutreffen ist. Die besondere Qualität der Planung und Ausführung offenbart sich erst bei genauerem Hinschauen. Dabei liegt eine gewisse Ironie darin, dass es gerade die kaum oder gar nicht sichtbaren Details sind, die zu der gelungenen Umsetzung der architektonischen Idee beitragen. Etwa die Dachentwässerung, die sich bei der Betrachtung von der Straße komplett den Blicken entzieht. Auffällig in ihrer Unauffälligkeit sind aus dieser Perspektive auch die Verbindungen und Falze rund um die Gaubenfenster. Hier wurde durchgängig auf stehende Falze verzichtet, so dass glatte Laibungsflächen entstanden, die den Gauben in der Frontalansicht eine sehr klare, wie aus einem Guss gefertigte Optik verleihen.

Foto © Surhan 

Entwässerungs-Kaskade hinter der Bekleidung


Foto © Rheinzink
  

Die Dachentwässerung ist kaskadenartig über mehrere Dachrinnen hinter den Gesimsen organisiert: Von den Gaubendächern der oberen Reihe fließt das Wasser in eine verdeckt liegende Kastenrinne an der Vorderseite und von dort über Fallrohre DN 50 auf die Dächer der darunterliegenden Gaubenreihe. Die Fallrohre befinden sich jeweils an den Gaubenseiten nicht sichtbar hinter der Titanzinkbekleidung.

An ihrem unteren Ende wird das Wasser über einen Rohrbogen frei fließend auf das tiefer liegende Gaubendach geleitet, wo die nächste Kaskade mit Hintergesimsrinne an der Vorderseite und verdeckt liegendem Fallrohr beginnt. Die unteren Fallrohre leiten das Wasser über einen doppelten Rohrbogen direkt in die kastenförmige Hauptrinne des Gebäudes, so dass es auch bei starken Niederschlägen nicht zu spritzendem oder übertretendem Wasser kommen kann. Die Hauptrinne am Traufgesims wird von den Fertigteilen der Betonfassade verdeckt und leitet ihr Wasser in Fallrohre DN 100 hinter der Fassadenbekleidung.

Foto © Rheinzink 

Eine so aufgebaute Dachentwässerung erfordert genaue Planungen und eine besonders sorgfältige Ausführung. Dafür gewannen die Architekten jedoch eine besonders klare Gebäudearchitektur, die ohne erkennbare Rinnen oder Rohre und ohne im Verlauf der Zeit sichtbar werdende Fließspuren eine sichere Wasserführung gewährleistet.

Liegende Falze an den Gauben


Foto © Surhan
  

Eine Konsequenz der kaskadenartigen und komplett verdeckt liegenden Dachentwässerung war die besondere Ausführung der Laibungsbekleidung an den Gauben. Denn hier musste der Platz für die Hintergesimsrinne (oben) und die Fallrohre (seitlich) entstehen. Die Laibung wurde deshalb mit einer Unterkonstruktion nach vorne heraus gebaut, wodurch die Titanzink-Bekleidung bis zu 400 mm vor dem Betonrohbau montiert werden konnte.

Der so entstandene Freiraum nimmt die Dachentwässerung auf, führt aber auch zu einer eingerückten Position der Gaubenfenster. Für einen guten Lichteinfall in den Dachgeschossen wurden die Laibungen deshalb schräg zulaufend ausgeführt. Gleichzeitig nimmt diese Gestaltung architektonisch Bezug auf die prismenartig gefaltete Betonfassade in den Geschossen darunter: Die konisch zulaufenden Fassadenelemente finden mit einem anderen Werkstoff ihre Entsprechung in den Fensterumrandungen des Daches.

Die flächenhafte Wirkung der Gaubenvorderseiten sollte nicht durch markante stehende Falze beeinträchtigt werden. Die Dachklempner verwendeten deshalb für die Bekleidungselemente des Sturzes Flachschiebenähte mit Abdeckkappen, wie sie sonst etwa bei Mauer- und Gesimsabdeckungen zum Einsatz kommen. An den Gehrungen in den Gaubenecken wurden Schiebenähte mit einfachem Querfalz ausgeführt. Durch ihre flache Falzausführung sind die Anschlüsse vom Straßenniveau aus praktisch nicht mehr zu erkennen, wodurch die Gauben die charakteristische Ansicht in sich geschlossener, monolithischer Bauteile entwickeln.

Foto © Rheinzink 

Kein offenkundig neuer Eindruck des Titanzinks

Auf den steil geneigten Dachflächen neben den Gauben sowie an den Gaubenseiten weist die Titanzink-Deckung der lichtfabrik in Berlin-Kreuzberg genau den handwerklichen Charakter auf, den die Architekten angestrebt hatten. Die Dachentwässerung und die Fensterlaibungen im Dachgeschoss zeigen aber auch, welches Potenzial eine handwerkliche Stehfalzdeckung in der modernen Architektur entfalten kann. In beiden Fällen ist es gelungen, funktionale Details so zu integrieren, dass sie die architektonische Gesamtwirkung unterstützen.

Die Ausführung mit prePATINA schiefergrau sorgt nicht nur für eine dauerhafte Deckung, sondern vermeidet mit der speziellen Oberfläche auch irritierende Glanzeffekte und einen offenkundig neuen Eindruck. Mit seiner Dachgestaltung und den sorgfältig aufgenommenen Traufhöhen fügte sich der Neubau dadurch vom ersten Tag an bruchlos in die anschließende Bebauung ein. Gleichzeitig lässt die besondere Form der Fassade eindeutig den modernen Charakter des Gebäudes erkennen.

Bautafel

Weitere Informationen zu Titanzink-Deckungen können per E-Mail an Rheinzink angefordert werden.

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