LULUCF-Tool ermöglicht Berechnung von Treibhausgasemissionen für Flächenentwicklungen
(15.04.2026) Pro Tag werden in Deutschland etwa 50 ha für neue Siedlungs- und Verkehrsfläche beansprucht. Bei diesem Flächenverbrauch werden auch Kohlenstoffvorräte aus dem Boden und der Vegetation freigesetzt. Insbesondere diese Treibhausgasemissionen werden in der Planung kaum berücksichtigt, weil sie durch fehlende Instrumente nicht gut abgeschätzt werden konnten. Das Öko-Institut und das Büro Gertz Gutsche Rümenapp haben im Auftrag des Umweltbundesamts einen kostenlosen Rechner entwickelt, der Planungsträgern ermöglicht, selbstständig zu berechnen, wie viele Treibhausgasemissionen geplante Flächenentwicklungen verursachen können und welche Einsparpotenziale bei alternativen Planungsoptionen bestehen.
Tobias Wagner, Projektleiter am Öko-Institut: „Mit diesem Tool geben wir den kommunalen und regionalen Planerinnen und Planern ein einfaches Instrument an die Hand, mit dem sie die Treibhausgaswirkungen ihrer Planungen besser beurteilen können. Die bisherigen Rückmeldungen aus der Praxis sind durchweg positiv. Wir hoffen auf eine breite Anwendung.”
In der Handlungshilfe „Klima und Kohlenstoffspeicher – Flächenverbrauch vermeiden!” zeigt das UBA auf, welche Zusammenhänge zwischen den geplanten Bauvorhaben und den Kohlenstoffvorräten in Vegetation und Boden bestehen. Sie soll Kommunen in die Lage versetzen, selbstständig Abschätzungen zum CO₂c (CO₂-Fußabdruck) der Bauvorhaben durchzuführen. Die Handlungshilfe ist das Ergebnis eines Forschungsvorhabens, in dem Untersuchungen zur Klimawirkung des Flächenverbrauchs durchgeführt wurden. Im Fokus standen dabei die LULUCF-bedingten Wirkungen im Bereich Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft.
Außenentwicklung und Klimaschutz
Parallel zur Entwicklung des Excel-Tools erarbeitete das Projektteam ein bundesweites Modell. Dieses zeigt für jede Gemeinde in Deutschland auf, welche Flächen in der Regel neu in Anspruch genommen werden und wie die daraus entstehenden Siedlungs- und Verkehrsflächen voraussichtlich genutzt werden.
Gemäß den Modellergebnissen verursacht der Flächenverbrauch in Deutschland aufgrund von Veränderungen bei den Kohlenstoffvorräten im Boden und in der Vegetation jährliche Treibhausgasemissionen von gut 1 Mio. Tonnen CO₂c. Wenn es gelingt, die Flächenneuinanspruchnahme bis 2030 auf das Bundesziel von höchstens 30 ha/Tag zu senken und bis 2050 auf Netto-Null, lassen sich bis 2050 insgesamt etwa 15 Mio. Tonnen CO2e (CO₂-Äquivalent) einsparen. Dabei wird in dem Modell angenommen, dass der in der Außenentwicklung nicht realisierte Wohn- und Gewerberaum stattdessen vollständig in der Innenentwicklung umgesetzt wird. Das geschieht, indem bereits erschlossene Flächen weiter verdichtet werden, z.B. durch Aufstockungen. Durch das Bauen im Innenbereich von Städten und Gemeinden lassen sich im Vergleich zur Außenentwicklung im Durchschnitt 80 % der Treibhausgasemissionen einsparen, da die Eingriffe in Boden und Vegetation deutlich geringer seien.
Emissionen aus Bau und Nutzung
Im Fokus der Studie „Treibhausgaseinsparpotenziale einer reduzierten Flächenneuinanspruchnahme in Deutschland” des Öko-Instituts und des Büros Gertz Gutsche Rümenapp, stehen die Emissionen, die sich aus Veränderungen im Kohlenstoffvorrat im Boden und in der Vegetation ergeben. So seien die Treibhausgasemissionen aus der Errichtung neuer Gebäude ungefähr um einen Faktor 20 größer als die Emissionen, die aus Kohlenstoffverlusten im Boden und in der Vegetation resultieren. Das Ergebnis unterstreicht, wie relevant Maßnahmen sind, die z.B. den effizienten Einsatz und die Wahl der Baumaterialien sowie den Erhalt von Bestandsgebäuden in den Blick nehmen.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- PDF-Download Handlungshilfe: Klima und Kohlenstoffspeicher schützen – Flächenverbrauch vermeiden!
- PDF-Download Studie: Treibhausgaseinsparpotenziale einer reduzierten Flächenneuinanspruchnahme in Deutschland
- LULUCF-Wirkungsrechner (Testversion)
- Öko-Institut e.V.
- Gertz Gutsche Rümenapp Stadtentwicklung und Mobilität GbR
- Umweltbundesamt
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