VDE begleitet Aufbau des E-Lkw-Schnellladenetzes mit Normung und technischer Expertise
(26.10.2026) Der Aufbau eines bundesweiten Schnellladenetzes für schwere elektrische Nutzfahrzeuge geht in die Umsetzungsphase. Das Bundesverkehrsministerium hat angekündigt, sich mit rund einer Milliarde Euro am Ausbau zu beteiligen. Zunächst soll die standortspezifische Umsetzung an 124 unbewirtschafteten Autobahnrastanlagen beginnen. Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik begleitet den Hochlauf mit Expertise in Normung, Prüfung, elektrischer Sicherheit und Energiesystemintegration.
Dr. Ralf Petri, Geschäftsführer VDE Mobility und VDE ETG, erklärt: „Der Start der Umsetzungsphase ist ein wichtiges Signal für Fahrzeughersteller, Logistikunternehmen und Infrastrukturbetreiber. Der Markthochlauf gelingt, wenn öffentliche Ladepunkte, betriebliche Depots und Stromnetze gemeinsam geplant und umgesetzt werden. Der VDE unterstützt Politik und Industrie dabei mit Systemkompetenz, Normung, Prüfung und einem starken Expertennetzwerk.”
Mehr als 4.200 Ladepunkte an rund 350 Standorten geplant
Langfristig soll das bundesweite Schnellladenetz mehr als 4.200 Ladepunkte an rund 350 Standorten umfassen. Ein erheblicher Teil der Ladeinfrastruktur ist für das Megawatt Charging System (MCS) vorgesehen. Mit dem MCS lassen sich Ladeleistungen im Megawattbereich realisieren. Damit sollen auch schwere elektrische Fernverkehrs-Lkw während gesetzlich vorgeschriebener Ruhezeiten ausreichend Energie für die Weiterfahrt aufnehmen können. Die hohen Ladeleistungen stellen allerdings besondere Anforderungen an die technische Ausführung. Neben der elektrischen Sicherheit betrifft dies insbesondere Steckverbindungen, Kühlsysteme und die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeeinrichtung. Das öffentliche Schnellladenetz soll sowohl kurze Zwischenladungen als auch längere Ladephasen entlang der Autobahnen ermöglichen. Voraussetzung für einen zuverlässigen Betrieb sind entsprechend dimensionierte Netzanschlüsse und ausreichende Netzkapazitäten.
DKE beteiligt sich an internationaler Normung für Megawattladen
Eine wichtige Rolle beim Ausbau übernimmt die vom VDE getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Sie begleitet die internationale Standardisierung des Megawattladens und bringt Anforderungen der deutschen Industrie in die Normungsarbeit ein. Fachleute der DKE waren unter anderem an der Erarbeitung der veröffentlichten internationalen Norm IEC 61851-23-3für Gleichstromversorgungseinrichtungen von Megawatt-Ladesystemen beteiligt. Die nationale Umsetzung als DIN EN IEC 61851-23-3 befindet sich laut VDE in Vorbereitung. Auf deutscher Seite ist das Normungsgremium DKE/K 353 „Elektrostraßenfahrzeuge“ zuständig. „Das Megawattladen muss von Beginn an sicher und interoperabel aufgebaut werden. Internationale Normen schaffen dafür eine gemeinsame technische Grundlage. Die DKE bringt die Anforderungen und Erfahrungen der deutschen Industrie in diesen Prozess ein“, erklärt Dr. Mahdad Mohammadi, Normungsmanager bei der DKE. Die Normungsarbeit soll dazu beitragen, dass Ladeinfrastruktur unterschiedlicher Hersteller sicher betrieben werden kann und Fahrzeuge verschiedener Anbieter mit den Ladesystemen kompatibel sind.
Intelligentes Depotladen als Bestandteil der Ladeinfrastruktur
Neben öffentlichen Schnellladepunkten werden betriebliche Ladeeinrichtungen auf Logistikstandorten und Betriebshöfen eine wesentliche Rolle bei der Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs übernehmen. Dabei müssen mehrere technische und betriebliche Systeme miteinander abgestimmt werden: Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, Fuhrparksteuerung und Energiemanagement. „Dort müssen Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, Fuhrparksteuerung und Energiemanagement frühzeitig aufeinander abgestimmt werden“, erläutert Petri. Intelligente Lastmanagementsysteme können die verfügbare elektrische Leistung entsprechend den Abfahrtszeiten, geplanten Touren und aktuellen Ladezuständen der Fahrzeuge verteilen. Dadurch lässt sich der Ladebetrieb an die betrieblichen Anforderungen und die vorhandene Netzanschlussleistung anpassen.
Auch die Einbindung dezentraler Energieerzeugung und Speicherung spielt eine Rolle. Photovoltaikanlagen und Batteriespeicher können in das Energiemanagement von Betriebshöfen integriert werden. „Photovoltaik und Batteriespeicher können das Depot zu einem integrierten Energie- und Betriebssystem weiterentwickeln“, so Petri. „Damit wird der Netzanschluss zu einem strategischen Faktor für Flottenbetreiber und Logistikstandorte.“ Der VDE betrachtet den Ausbau der Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge deshalb als gemeinsame Aufgabe von Mobilitätswirtschaft, Energiewirtschaft und Netzbetreibern.
VDE E-MOBILITY CONFERENCE, 4. und 5. November 2026
Die technischen und wirtschaftlichen Anforderungen an die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge stehen auch im Mittelpunkt der 5. VDE E-MOBILITY CONFERENCE am 4. und 5. November 2026 im Coreum in Stockstadt am Rhein. In den Sessions „Elektrische Nutzfahrzeuge & Truck Charging” und „Depotladen für E-Lkw” werden unter anderem Megawattladen, Netzintegration, Betriebskonzepte und Wirtschaftlichkeit behandelt. Zu den angekündigten Teilnehmern gehören Daimler Truck, CATL, Fraunhofer IVI, Westnetz, DHL und ABB E-Mobility. Darüber hinaus werden Vertreter der zuständigen DKE-Normungsgremien an der Veranstaltung teilnehmen. Ziel des fachlichen Austauschs ist es, technische Anforderungen, praktische Erfahrungen und regulatorische Rahmenbedingungen zusammenzuführen, um den Ausbau einer bundesweit nutzbaren Ladeinfrastruktur für den elektrischen Schwerlastverkehr zu unterstützen.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- VDE E-MOBILITY CONFERENCE am 4. und 5. November 2026
- VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.
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siehe zudem:
- Elektromobilität, Elektroinstallation auf Baulinks
- Literatur / Bücher über Elektromobilität bei BauBuch

