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Die Banken und der Bau

  • Kommentar von Gerhard Bach, Vizepräsident der Bundesvereinigung Mittelständischer Bauunternehmen e.V. (BVMB)

(27.2.2005) Der Insolvenzantrag der Walter-Bau-AG hat die Bauwirtschaft erneut ins Gerede gebracht. In den vergangenen Jahren hatten sich Insider wiederholt darüber gewundert, wie es Ignaz Walter immer wieder gelungen ist, sein Unternehmen am Leben zu erhalten und gleichzeitig die Banken still zu halten. Jetzt aber ist das eingetreten, was viele Kenner der Baubranche ehedem schon vorausgesagt haben. Die Banken haben dem Konzern nach langer Geduld das Vertrauen entzogen. Viele Mittelständler behaupten mit Recht, daß die Banken bei ihnen eine ähnliche betriebliche Entwicklung sicherlich weniger geduldig verfolgt hätten.

Mit Sorge hat die mittelständische Bauwirtschaft seit Jahren die Politik der Walter-Gruppe beobachtet, private wie auch öffentliche Aufträge zu nicht nachvollziehbaren Billigstpreisen einzukaufen. Wer die Submissionsergebnisse aufmerksam verfolgte, dem entging nicht, dass viele Angebote der Walter-Gruppe weit unter dem Preis des zweitplazierten Bieters lagen. Viele Bauunternehmer stellten sich zu Recht die Frage, ob dahinter besondere innovative technische Ideen steckten oder ob es nur der "blinde" Preis war, der den Vorsprung des Konzerns so häufig sicherte? Bei genauer Betrachtung der Ausführung der Bauvorhaben wurde aber schnell klar, dass keine außergewöhnlichen technischen Leistungen das billige Angebot rechtfertigten. Also konnte es nur der billige Preis selbst sein, der das Angebot bestimmte.

Die logische Folge war, daß durch extensives Nachtragsmanagement versucht werden mußte, die Bonität der Aufträge zu verbessern. Offenbar erkannten die Banken erst sehr spät, dass die Werthaltigkeit der Nachträge bei weitem nicht den Erwartungen entsprachen und die Bauherren trotz des Namens "Walter" die Forderungen nicht erfüllten. Diese Verfahrensweise führt erfahrungsgemäß stets dazu, dass auch berechtigte Forderungen in die Strittigkeit gelangen, so daß sich zusätzlich zu den unauskömmlichen Preisen schmerzhafte Zahlungsausfälle ergeben. Das Zusammenspiel all dieser Fakten hat logischerweise erhebliche Liquiditätsprobleme zur Folge. Letztendlich trat das ein, was Kenner des Marktes seit langem befürchteten. Die Geduld der Banken mit dem Konzern war am Ende. Die Insolvenz war nicht mehr zu verhindern. Was aber können wir daraus lernen?

Jede Insolvenz ist bedauerlich und erzeugt - neben den persönlichen Schäden und Schicksalen der Betroffenen, die ihren Job verlieren - in der Regel auch hohe volkswirtschaftliche Schäden. Wir sollten aus dem ganzen Szenario endlich die Erkenntnis ziehen, dass es nicht sinnvoll sein kann und außerdem nur sehr kurzsichtig ist, Angebote offensichtlich unter Preis in der Erwartung zu offerieren, die Kosten wieder über ein extremes Nachtragsmanagement einspielen zu wollen. Einige kritische Auftraggeber haben gerade im Fall Walter rigide reagiert und die Zahlungen verweigert. Langwierige Auseinandersetzungen und Prozesse sind die Folge überzogener Forderungen. Die Erfahrung zeigt, dass die klagenden Unternehmer nicht selten froh sind, nach langer Zeit des Ärgers maximal 50% ihrer Ansprüche vergütet zu bekommen. Aber bis es soweit ist, sind hohe Anwaltskosten, Zinsverluste sowie Kosten und Zeit der Mitarbeiter zu verkraften. Dies alles schränkt die Kreditlinien schmerzhaft ein und verengt das Tagesgeschäft.

Jedem Verantwortlichen in der Bauwirtschaft sollte es daher eine Warnung sein, Unterpreise anzubieten, da diese Politik letztlich dort endet, wo auch Walter und viele andere vor ihm gelandet sind. Alles Jammern, Klagen und Kritisieren der bedauerlichen Umstände helfen jedoch nicht, wenn keine Vernunft am Markt eintritt und unsere osteuropäischen EU-Nachbarn außerdem zu ganz anderen Rahmenbedingungen hier demnächst nach neuem EU-Recht anbieten werden. Um den endgültigen Kollaps der Bauwirtschaft in Deutschland zu verhindern, müssen wir unsere Vergaberichtlinien ändern. Hier sollte unser Nachbar Holland oder die Schweiz als Vorbild dienen, denn dort zählt nicht das Billigst-Angebot wie bei uns. In diesen Ländern erhält nicht der "billigste Jakob" den Zuschlag, sondern der bei der Submission zweitplazierte Bieter. Eine solche Vorgehensweise würde in Deutschland mit Sicherheit zu etwas mehr Vernunft in der Vergabepraxis führen.

Zahlungsmoral, VBI, schlechte Zahlungsmoral, Ingenieurbüros, Eigenkapitalquote, verschleppte Zahlungen, Verband Beratender Ingenieure, AHO Ausschuss der Kammern und Verbände der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung, Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung eV

Aus der Insolvenz von Walter und weiteren Insolvenzen der jüngsten Vergangenheit ist spürbar geworden, daß die Banken ihr Verhalten gegenüber dem Bau noch weiter sensibilisieren. Für einen Banker ist das Baugeschäft mit seinen halbfertigen Baustellen, Rückstellungen und umfangreichen Nachträgen nicht zu durchschauen und klar zu bewerten. Durch die schmerzlichen Verluste aus den Insolvenzen ist das Vertrauen in die Bauunternehmen bedauerlicherweise grundsätzlich gestört. Dies schadet insbesondere den ehrlichen, soliden mittelständischen Unternehmen. Für sie kann es jedoch in der Zukunft von existentieller Bedeutung sein, die Bonität von Aufträgen, Nachträgen und Rückstellungen durch kompetente Beratungsunternehmen bestätigt und zertifiziert zu bekommen. Solche Prüfer kennen die Sorgen und Zwänge der Banken und können die Risiken der Bauunternehmen kompetent und erheblich besser beurteilen als die Banken. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass ein transparentes und gut aufgebautes Risikomanagement auch ein wichtiger Schritt für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit ist. Viele Experten behaupten sogar, dass in der heutigen Zeit ein zertifiziertes Risikomanagement von größerer Bedeutung ist als das bisherige QM-Zertifikat.

Abschließend ist festzustellen, dass die Insolvenz der Walter-Gruppe viel Aufsehen erregt hat und die Banken die gesamte Bauwirtschaft noch vorsichtiger und skeptischer als bisher schon behandeln werden. Die Bauwirtschaft sollte dies endlich zum Anlaß nehmen, einerseits bei allen Bauunternehmen mehr Vernunft, wie etwa bei der Angebotskalkulation, einzufordern, andererseits aber auch die geltende Vergabepraxis, insbesondere die Zuschlagserteilung in Frage zu stellen.

Die Notwendigkeit eines neuen Tarifsystems ist außerdem eine unabdingbare Voraussetzung zur Verbesserung der Rahmenbedingungen am Bau. Die BVMB sieht sich vor dem aktuellen Hintergrund mehr denn je bestätigt und setzt sich zielstrebig für die Schaffung eines neuen Tarifsystems, die Änderung des aktuellen Vergaberechts und die praxisorientierte Beratung der Unternehmen ein, z. B. auch mit Blick auf das Liquiditäts- und Risikomanagement, die Bonitätsbewertung von Aufträgen und Nachträgen und die Unterstützung der Unternehmen beim Bürgschafts- und Avalmanagement.

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