Produktivitätsrückstand im Bau entspricht rechnerisch 2,3 Mio. Wohnungen
(13.10.2026) Wäre die Produktivität im Baugewerbe seit 1991 so gestiegen wie in der Gesamtwirtschaft, hätten bis 2019 rechnerisch rund 2,3 Mio. zusätzliche Wohnungen entstehen können. Besonders stark sei der Rückstand im Ausbaugewerbe.
Produktivität im Ausbau deutlich gesunken
Nach einer Auswertung amtlicher Daten durch Benetics AI und den Bundesverband Digitales Bauwesen (BDBau), entwickelte sich die Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigem zwischen 1991 und 2019 in den einzelnen Baubereichen unterschiedlich. Während sie im Tiefbau um 30 % und im Hochbau um 7 % stieg, sank sie im Ausbaugewerbe um 28 %. Zur Gesamtwirtschaft ergibt sich im selben Zeitraum ein Plus von 28 %.
Im Ausbau arbeiten rund drei Viertel aller Erwerbstätigen des Baugewerbes. Dazu zählen unter anderem Elektro-, Sanitär-, Heizungs- und Trockenbauarbeiten. Je Arbeitsstunde gerechnet, erwirtschaftete das Baugewerbe 2019 real rund 12 % weniger als 1991, während die Gesamtwirtschaft einen Zuwachs von etwa 44 % verzeichnete. Die Berechnung endet 2019, da die Folgejahre nach Angaben der Initiatoren stark von Preis- und Nachfrageeffekten geprägt seien. Vorläufige Zahlen deuteten darauf hin, dass sich der Abstand seitdem weiter vergrößert habe.
Rechnerisch Wohnraum für 4,3 Mio. Menschen
Bei einer Produktivitätsentwicklung entsprechend der Gesamtwirtschaft hätte das Baugewerbe bis 2019 mit gleichem Arbeitseinsatz rechnerisch rund 2,3 Mio. Wohnungen zusätzlich errichten können. Das entspräche Wohnraum für etwa 4,3 Mio. Menschen.
Mit der Aktion „Hättehausen” machen Benetics AI und der BDBau auf diese rechnerische Differenz aufmerksam. Zur Eröffnung der Fachmesse Gedatec in Berlin stellten sie ein Ortsschild für die fiktive Stadt auf. Die Initiatoren weisen darauf hin, dass es sich um eine Rechengröße und nicht um eine Zahl tatsächlich verhinderter Wohnungen handelt.
Digitale Abläufe zwischen Baustelle und Büro
Als einen Ansatzpunkt für mehr Produktivität nennen die Initiatoren den Informationsfluss. Wertvolle Zeit gehe unter anderem durch Dokumentation, Rückfragen, Informationssuche und Nacharbeiten verloren. Roland Gerwing, Geschäftsführer des Elektro- und SHK-Betriebs Gerwing Söhne aus Bonn: „Auf unseren Baustellen arbeiten gute Leute. Die Zeit geht nicht beim Arbeiten verloren, sondern zwischen Baustelle und Büro: beim Dokumentieren, Suchen, Nachfragen und Nacharbeiten, weil ein Plan veraltet war. Genau da hilft uns Benetics AI.”
Ferdinand Metzler, Gründer und CEO von Benetics AI, sieht Potenzial für digitale Werkzeuge direkt auf der Baustelle: „KI darf kein Bürothema bleiben. Sie öffnet den Menschen auf der Baustelle einen neuen Zugang zur Digitalisierung, und dort liegt der Produktivitätshebel.”
Der BDBau verweist ebenfalls auf den Bedarf in den ausführenden Gewerken. „Digitalisierung am Bau wird oft mit BIM und Großprojekten gleichgesetzt”, sagt Roland Riethmüller, geschäftsführender Vorstand des BDBau. „Dabei zeigen die Zahlen, wo die Digitalisierung tatsächlich am dringendsten benötigt wird: in den ausführenden Gewerken. Dort haben digitale Werkzeuge das größte Potenzial, diese allgemeine Entwicklung zu korrigieren. Wichtig ist nur, dass sie auch im Alltag ankommen.”
Hättehausen auf der Gedatec
Die Aktion wird während der Fachmesse für die Elektro-, SHK - und Dachdeckergewerke Gedatec vom 13. bis 15. Oktober 2026 in Berlin gezeigt. Das Ortsschild steht bis zum 15. Oktober am Stand von Benetics AI in Halle 2.2, Stand 324.
Die vollständige Auswertung mit Jahrestabelle, Quellen und methodischen Einschränkungen ist unter haettehausen.de verfügbar.
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