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Reaktionen aus der Bauwirtschaft zur Aufstockung der EH55-Plus-Förderung

(13.10.2026) Die Förderung für den Effizienzhaus-55-Standard wird ausgeweitet. Wegen der hohen Nachfrage erhöht die Bundesregierung die Mittel für das Programm zur Aktivierung des Bauüberhangs. Das ursprünglich vorgesehene Budget von 800 Mio. Euro wäre voraussichtlich noch vor Jahresende ausgeschöpft. Seit Programmstart im Dezember 2025 wurden rund 52.100 Wohneinheiten mit einem Kredit- und Zuschussvolumen von insgesamt 4,9 Mrd. Euro gefördert (Stand: 5. Oktober 2026).

Foto: Baulinks.de, Alfons Oebbeke 

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage in den vergangenen Monaten werden zusätzliche Mittel bereitgestellt, so Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: „Wer eine Baugenehmigung in der Tasche hat, kann weiter darauf setzen: Die Förderung kann bis zum Jahresende in Anspruch genommen werden.”

Eckdaten der Förderung

  • Förderfähige Vorhaben: Neubau und Ersterwerb von Wohn- und Nichtwohngebäuden im Effizienzhaus-55- bzw. Effizienzgebäude-55-Standard. Die Wärmeversorgung muss vollständig auf erneuerbaren Energien basieren.
  • Baugenehmigung: Zum Zeitpunkt der Antragstellung muss eine gültige Baugenehmigung vorliegen.
  • Kreditförderung: Die KfW gewährt zinsverbilligte Kredite von bis zu 100.000 Euro je Wohneinheit.
  • Kommunale Förderung: Kommunale Gebietskörperschaften können einen Zuschuss von 7,5 % direkt bei der KfW beantragen.
  • Antragsfrist: Anträge sind möglich, solange Fördermittel verfügbar sind, längstens jedoch bis zum 31. Dezember 2026. Maßgeblich ist der Eingang des Antrags bei der KfW.

Statements von Branchenvertretern aus Bauwirtschaft, Wohnungswirtschaft und Holzbau

Olaf Demuth, Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie

„Bundesbauministerin Verena Hubertz zeigt Pragmatismus, indem sie im bestehenden Haushaltsrahmen die verfügbaren Spielräume für den Wohnungsbau ausnutzt. Diese kluge Schwerpunktsetzung ist richtig: Innerhalb von nur neun Monaten wurden bereits über 50.000 Wohnungen gefördert.

Angesichts der hohen Nachfrage in den vergangenen Monaten wäre das ursprünglich vorgesehene Budget von 800 Millionen Euro im EH-55-PlusProgramm voraussichtlich bereits kommende Woche ausgeschöpft gewesen. Diese Förderlücke hätte zusätzliche Verunsicherung am ohnehin unruhigen Wohnungsmarkt ausgelöst. Dass dies nun verhindert wird, ist gut für den Wohnungsmarkt und setzt ein Signal der Verlässlichkeit. Diesen pragmatischen Ansatz unterstützen wir ausdrücklich und hoffen, dass er auch bei der Umsetzung des Aktionsplans leitend sein wird.”

Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V.

„Das ist eine gute Nachricht für den Wohnungsbau in Deutschland. Die Bundesregierung setzt damit ein wichtiges Signal für mehr Verlässlichkeit bei der Neubauförderung. Es ist entscheidend, dass bereits genehmigte Bauvorhaben auch realisiert werden können. Umso erfreulicher ist es, dass die Bundesregierung nun nachlegt.” 

In Deutschland fehle es weiterhin massiv an bezahlbarem Wohnraum. „Deshalb müssen wir alles daran setzen, bereits geplante und genehmigte Bauvorhaben endlich in die Umsetzung zu bringen. Die zusätzlichen Fördermittel helfen dabei, Investitionen anzustoßen und dringend benötigte Wohnungen auf den Weg zu bringen. Entscheidend ist jetzt, dass die Förderung möglichst ohne Unterbrechungen zur Verfügung steht und die Wohnungsunternehmen langfristig Planungssicherheit erhalten. Denn Wohnungsbau braucht verlässliche Rahmenbedingungen und keine Förderpolitik im Stop-and-go-Modus.”

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB)

„Die Fortsetzung der EH55-Förderung ist ein gutes und wichtiges Signal für die Branche und alle, die bauen wollen. Damit ist die drohende Förderlücke erstmal vom Tisch. Die Politik hat zugehört. Dafür sind wir dankbar. ... Dass die Bundesregierung jetzt nachlegt, ist richtig und konsequent. Zwei Drittel der Wohnungsbauaufträge kommen von Familien und kleinen Investoren. Sie bauen aber nur, wenn sie wissen, woran sie sind. Von der Genehmigung bis zur Fertigstellung vergehen heute im Schnitt 27 Monate. Wenn sich in dieser Zeit Förderbedingungen, Standards und Zinsen mehrfach ändern, verlieren viele den Mut und springen ab. Deswegen brauchen sie eine Förderung, die verlässlich und zinsstabil ist. Dann haben sie die notwendige Planungssicherheit und fassen Mut, tatsächlich zu bauen.

Wichtig ist nun, dass ab dem 1. Januar 2027 keine Förderlücke entsteht. Wir plädieren dafür, EH55 plus bis zum Start der Zwei-Programme-Welt im Sommer 2027 fortzusetzen und die neuen Förderangebote unbürokratisch zu gestalten.”

Sun Jensch, Gründerin und Geschäftsführerin der Koalition für Holzbau:

„Die Aufstockung der EH55-Plus-Förderung ist ein wichtiges Signal für den Wohnungsbau. Gerade in der aktuellen Marktlage zählt Verlässlichkeit. Bereits geplante und genehmigte Projekte brauchen eine realistische Chance auf Umsetzung. Dass die Bundesregierung die Mittel erhöht und das Programm damit bis zum Jahresende fortgeführt werden kann, ist deshalb richtig.

Förderpolitik entfaltet ihre Wirkung jedoch vor allem dann, wenn Unternehmen mit ihr rechnen können. Kurzfristige Programme und wiederkehrende Unsicherheit über verfügbare Mittel erschweren Investitionsentscheidungen und Projektplanungen erheblich. Der Wohnungsbau braucht deshalb über den Jahreswechsel hinaus verlässliche Förderbedingungen und eine Perspektive, auf die sich Bauherren, Unternehmen und Investoren einstellen können. Frei nach dem Motto: Auf diese Förderung können wir bauen.

Für den seriellen und modularen Holzbau ist diese Planbarkeit besonders wichtig. Industrielle Vorfertigung kann Bauzeiten verkürzen, Prozesse effizienter machen und Projekte skalierbar umsetzen. Damit diese Potenziale im Wohnungsbau stärker genutzt werden, müssen Förderung, Genehmigung und regulatorische Rahmenbedingungen zusammenspielen. Die zusätzlichen 250 Mio. Euro sind deshalb ein guter Schritt. Entscheidend wird sein, daraus eine langfristig verlässliche Förderpolitik zu entwickeln.

Mit Blick auf das angekündigte Zwei-Säulen-Modell für Bestand und Neubau braucht die Branche zudem frühzeitig Gewissheit darüber, wie die Förderung konkret ausgestaltet wird. Langfristige Investitionsentscheidungen werden heute getroffen. Die dafür geltenden Bedingungen müssen deshalb rechtzeitig bekannt sein.”

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