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Leicht höhere Umsätze mit weniger Beschäftigten im Elektrohandwerk

Elektrohandwerk, ZVEH, Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer, Zentralverband der elektro- und informationstechnischen Handwerke, Informationstechniker, Elektrotechnik, Informationstechnik, Elektroinstallationen, Systemintegrator, Energiemanager
Ingolf Jakobi

(25.4.2006) Auf einer Pressekonferenz während der light+building ging der Zentralverband der elektro- und informationstechnischen Handwerke (ZVEH) auf die wirtschaftliche Lage der elektro- und informationstechnischen Handwerke 2005 ein. Außerdem gab es einen Ausblick auf das Jahr 2006.

Der Gesamtumsatz der elektro- und informationstechnischen Handwerke in Deutschland weist für das Jahr 2005 insgesamt einen leicht positiven Trend auf. Mit 30,8 Mrd. Euro hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent erhöht. Ebenso ist die Zahl der Betriebe leicht gestiegen, während die Zahl der Beschäftigten um 3,6 Prozent zurückging. "Die Rahmenbedingungen sind allerdings noch nicht so, dass das stabile Umsatzniveau Beschäftigungseffekte auslösen könnte", kommentiert Ingolf Jakobi, ZVEH-Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands, das Jahresergebnis.

  • Der Jahresumsatz 2005 in der Sparte Elektrotechniker-Handwerk beträgt 24,5 Mrd. Euro. Damit übertrifft er das Vorjahresergebnis um zwei Prozent.
  • Positiv auch die Entwicklung im Elektromaschinenbauer-Handwerk, dessen Umsatz um 0,6 Prozent auf 1,3 Mrd. Euro stieg.
  • Erneut deutlich im Minus liegt der Umsatz im Informationstechniker-Handwerk. Er verringerte sich um 5,9 Prozent auf 5,1 Mrd. Euro. Diese Entwicklung spiegelt die erheblichen strukturellen Veränderungen im Gesamtbereich Informationstechnik, Unterhaltungselektronik und Consumer Electronics, PC-Technik wider. Die Betriebe der IT-Sparte melden mit minus 4,8 Prozent auch den höchsten Rückgang bei den Beschäftigten.

Insgesamt waren zum Jahresende 323.000 Beschäftigte einschließlich Lehrlinge in den elektro- und informationstechnischen Handwerken tätig (-3,6% im Vergleich zum Vorjahr). Ihre Produktivität erhöht haben offenkundig die Sparten Elektrotechniker-Handwerk (272.400) und Elektromaschinenbauer (10.700): Bei wachsenden Umsätzen verzeichnen sie jeweils minus 3,5 Prozent bzw. minus 3,6 Prozent Beschäftigte.

Die Zahl der Betriebe in den elektro- und informationstechnischen Handwerken hat sich 2005 insgesamt um 0,3 Prozent auf 77.674 erhöht. Im Elektrotechniker-Handwerk liegt die Quote bei plus 0,8 Prozent (63.995 Betriebe); einen Verlust von zwei Prozent verzeichneten die Informationstechniker (12.347) ebenso wie die Elektromaschinenbauer von -0,9 Prozent auf 1.332 Betriebe. Für das Jahr 2006 sieht Jakobi positive Signale: "Unsere Betriebe erwarten sich beachtliche Effekte vom C02Gebäudesanierungsprogramm sowie mehr Aufträge durch die Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen." Zudem bieten die rasanten technischen Entwicklungen in der Gebäudetechnik den elektro- und informationstechnischen Handwerken große Chancen, sich mit Service und Komfortleistungen bei den Kunden neu zu positionieren.

Perspektiven für 2006

Nach den vorliegenden Werten für das erste Quartal 2006 erwartet der ZVEH eine weitere Umsatzverbesserung. Dies sei auf die allgemeine Konjunkturbelebung in Folge der positiven Stimmung in Wirtschaft sowie auch Gesellschaft zurückzuführen - aber auch auf einen Vorzieheffekt aufgrund der anstehenden Mehrwertsteuererhöhung. Zudem beginne sich der aufgelaufene Investitionsstau auch im privaten Bereich langsam aufzulösen. Nicht zuletzt wird in der zweiten Jahreshälfte die Novelle des §35a Einkommenssteuergesetz greifen, nach der Handwerkerrechnungen künftig zum Teil absetzbar sind.

Hoffnung mache auch der Modernisierungs- bzw. Renovierungsbereich. Die meisten Elektroinstallationen sind zwar noch funktionstüchtig, entsprechen aber nicht mehr dem Stand der Technik und den auch im privaten Bereich extrem gestiegenen Ansprüchen. Auch die demographischen Veränderungen sollen den dienstleistungsorientierten Handwerken Aufträge zuspielen: Die speziellen Wünsche der so genannten "Generation 50+" bilden ein sehr interessantes Betätigungsfeld für moderne Gebäudetechnik. Der Wunsch nach mehr Sicherheit und das wegen der hohen Energiepreise nochmals gestiegene Bedürfnis nach effizienter Energieanwendung sollten für die Mitgliedsbetriebe ebenfalls wertvolle Impulse entfalten.


Walter Tschischka

Die Zukunft bleibt elektrisch. Aber alles wird anders

Dipl.-Ing. Walter Tschischka, der ZVEH-Präsident, sieht Produkte und Markt im Umbruch, mitten in einem gewaltigen Neuerungsprozess. Für die elektro- und informationstechnischen Handwerke heiße das konkret: "Die Zukunft bleibt elektrisch. Aber alles wird anders."

Neue Techniken bedeuten für die elektro- und informationstechnischen Handwerke neue Tätigkeitsfelder. Tätigkeiten, die auf den ersten Blick zunächst nicht mit dem Aufgabengebiet eines klassischen Handwerksbetriebes in Verbindung gebracht werden. Im Zentrum der Zukunftsszenarios stehen der Systemintegrator, der Energiemanager und die Nutzung regenerativer Energien.

1. Der "Systemintegrator" im intelligenten Gebäude: Über das Intelligente Gebäude stehen den Handwerken alle Chancen offen, die Rolle des Systemintegrators in der Gebäudetechnik auszufüllen. Gegenüber der Konkurrenz aus anderen Gewerken und Branchen habe das Elektrohandwerk einen enormen, natürlichen Vorteil - nämlich den elektrischen Strom als das alles verbindende Element der Gebäudetechnik. Hier liege das am stärksten wachsende Aufgabengebiet. Im gewerblichen Bau komme vor allem Mess-, Steuer- und Regeltechnik, internetbasierte Gebäudesteuerung, Zutrittskontrolle, digitale Videoüberwachung und Datenkommunikation zum Einsatz. Im privaten Wohnungsbau falle darunter auch das altersgerechte Wohnen mit hoher Komfortausstattung wie Bewegungsmeldertechnik, Fernbedienungen, Vorprogrammierungen usw.

Aus dem Allrounder "Elektrotechniker" und dem Spezialist "Gebäudetechniker" entwickelt sich mit den neuen Techniken der Systemintegrator. Kein einfacher Weg für den klassischen Handwerker. Der Kunde sucht Beratung für das Produkt - die Hardware - und seine Anwendung - die Software. Die elektro- und informationstechnischen Handwerker seien im Gegensatz zu Großunternehmen in der Lage Speziallösungen für jede Gebäudegröße umzusetzen und individuelle, maßgeschneiderte gebäudetechnische Komplettlösungen anzubieten. Nur, wer hier ein Ticket in der Tasche habe, werde auf diesen Zug in die Zukunft aufspringen können. "Wir gehen aktuell von einem Marktvolumen von rund 60 Mrd. Euro aus. Deshalb motivieren wir unsere Betriebe, wo wir können, sich hier zu engagieren und vor allem in Fort- und Weiterbildung zu investieren. Denn darin liegt der Schlüssel für den Erfolg", so der ZVEH-Präsident

2. Der "Energiemanager": Das Thema Energieeinsparung und Energieeffizienz rückt mit steigenden Energiepreisen in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Die Zusatzqualifikation "Gebäudeenergieberater im Handwerk" ist das Modell, wie sich die elektrotechnischen Handwerke in die Energiediskussion einbringen können. Diese Fortbildung soll zu Beurteilung eines Gebäudes und zur Ausstellung eines Energiepass ermächtigen.

3. Einsatz regenerativer Energien: Das dritte wichtige Feld steht im Zeichen der regenerativen Energien. Hier spiele vor allem die Wärmepumpentechnik im Zusammenhang mit der Wohnraumlüftung und Wärmerückgewinnung eine gewichtige Rolle. Gleiches gelte für Photovoltaik und Solarthermie und die Kraftwärmekopplung in Blockheizkraftwerken (BHKW) zum Beispiel mit Biodiesel.

Weitere Plattformen, auf denen sich die Elektrohandwerke zukünftig bewegen werden, sind:

  • Virtuelle Kraftwerke - Vernetzung vieler kleiner Anlagen, die der dezentralen Stromerzeugung dienen. Darunter fällt auch die Nutzung der Brennstoffzellentechnik.
  • Automatisierungstechnik - Mess-, Steuer- und Regeltechnik im industriellen und maschinellen Bereich
  • Telekommunikations- und Netzwerktechnik - Die Informationstechnik ist das integrative Element zwischen allen Fachbereichen, die der ZVEH vertritt. Experten schreiben diesen Techniken eine dramatisch wachsende Bedeutung bei der Anwendung von Gebäudetechnik im häuslichen Bereich zu. Das Haus wird online am Computer bedienbar über gewohnte Nutzeroberflächen.

"Neben diesen durch den technischen Fortschritt vorgegeben Wachstumsfeldern müssen die Elektrohandwerke ihre angestammten Tätigkeitsgebiete selbstverständlich mit Augenmaß pflegen", betont Walter Tschischka. Die traditionellen Geschäftsfelder der elektro- und informationstechnischen Handwerke sollen bei neuen zukunftsweisenden Aktivitäten keinesfalls vernachlässigt werden. Die Devise müsse lauten: Neues in Angriff nehmen, Bewährtes erhalten und Augenmass verbessern.

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