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Wiener Modell als Vorbild für bezahlbaren Wohnraum


  

(9.12.2018) Was tun gegen die akute Wohnungskrise in Europas wachsenden Städten? Wie können Investitionen in bezahlbaren Wohnraum angekurbelt werden? Um Wege aus dem Engpass ging es bei der internationalen Konferenz „Housing for All - Affordable Housing in Growing Cities in Europe“ am 4. und 5. Dezember in Wien. Rund 300 Teilnehmer aus 36 Ländern waren bei Wiener Wohnen zu Gast.

Investitionslücke für bezahlbaren Wohnraum bei 57 Mrd. Euro

„Zwei Drittel der EU-Bevölkerung leben in Städten, die entscheidend für sozialen Zusammenhalt und wirtschaftliche Entwicklung sind. Städte brauchen daher entsprechende Rahmenbedingungen, um Investitionen in bezahlbaren Wohnraum zu steigern“, erinnerte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und fasste zusammen:

  • Mehr als 220 Mio. Haushalte gibt es in der EU.
  • 82 Mio. Europäer sollen sich das Wohnen nicht mehr leisten können, weil die Wohnungspreise und Mieten in den Städten seit Jahren massiv steigen.
  • Die „EU-Task Force für Investitionen in soziale Infrastruktur in Europa“ schätzt die Investitionslücke beim leistbaren Wohnraum auf rund 57 Milliarden Euro jährlich.
alle Bilder aus der Seestadt Aspen, einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas der 2010er Jahre - aufgenommen im Rahmen der Jahrestagung 2017 des Arbeitskreises Baufachpresse (© Baulinks / AO)

Wirksame Maßnahmen gefordert

Mit dem Ziel, Städte im Politikgestaltungsprozess der EU zu stärken, hat 2016 der EU-Rat die „Städteagenda für die EU“ ins Leben gerufen. Die Konferenz „Housing for All“ bildet in diesem Rahmen den Abschluss der „Städtepartnerschaft Wohnen“. Der nun vorliegende Maßnahmenkatalog umfasst zahlreiche bereits umgesetzte Ergebnisse - etwa Studien der Wohnungssituation in EU-Mitgliedstaaten oder eine Datenbank für gute Wohnprojekte. Und er beinhaltet wichtige Empfehlungen an den EU-Gesetzgeber.

Der Großteil der Finanzierung für leistbares Wohnen kommt aus nationalen sowie lokalen Förderungen und von den Nutzern selbst. Aber die europäische Gesetzgebung hat massive Auswirkungen auf das EU-Beihilfenrecht und die Fiskalregeln. Gefordert wird deshalb etwa, ...

  • die Beschränkung der Zielgruppen von gefördertem Wohnraum auf „benachteiligte Bürger oder sozial schwächere Bevölkerungsgruppen“ zu streichen, und
  • den Indikator für den Anteil des Einkommens, der für Wohnungskosten aufgewendet wird, drastisch zu senken - von derzeit 40% des Gesamthaushaltseinkommens auf 25%, weil die Lebenshaltungskosten gestiegen, aber die Einkommen nicht entsprechend gewachsen sind.
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Wiener Modell als Vorbild

Österreichs Hauptstadt gilt international als Vorbild: 62% der Wiener Bevölkerung leben in 220.000 Gemeindebauwohnungen oder in den anderen mehr als 200.000 geförderten Wohnungen. Aber auch Wien steht heute - durch den anhaltenden Investitionsboom in Immobilien - vor großen Herausforderungen. Die Wiener Stadtregierung hat daher kürzlich über eine neue Flächenwidmungskategorie in der Novelle der Wiener Bauordnung gesetzlich eine Zweidrittel-Quote fixiert, die auch international ein positives Echo erzeugt hat: Künftig müssen bei großen Immobilienprojekten damit mehr geförderte als freifinanzierte Wohnungen gebaut werden. „Damit schieben wir Spekulationen mit Grund und Boden einen Riegel vor und geben den Wienerinnen und Wienern die Sicherheit, dass das Wohnen weiterhin leistbar bleibt“, so Frauen- und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál.

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