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Bundesweit werden tausende Brücken überprüft

(5.7.2021) Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“ überprüft die Autobahn GmbH derzeit bei tausenden Brücken bundesweit den Zustand der Rollenlager - das geht offenbar aus einem Wortprotokoll des Verkehrsausschusses des Hessischen Landtags vom 2. Juli hervor, das „Report Mainz“ vorliegt.

Auslöser für die Untersuchung ist der Bruch eines Rollenlagers an einem Pfeiler der Salzbachtalbrücke an der Autobahn 66 bei Wiesbaden (siehe Google-Maps). Der Bruch des Lagers, auf dem der Überbau der Brücke lag, führte dazu, dass sich die Brücke am 18. Juni um rund einen halben Meter absenkte und einen Brückenpfeiler stark beschädigte. Die Brücke gilt seitdem als extrem einsturzgefährdet und ist gesperrt, ebenso wie die Straßen und Schienen darunter.

Mit den deutschlandweiten Untersuchungen wolle man ausschließen, dass der Lagertyp Teil des Problems sei, sagte Alexander Pilz von der Autobahn GmbH vor dem Verkehrsausschuss: „Klar ist nur, dass das Lager quasi versagt hat, aber ob das Versagen des Lagers die eigentliche Ursache ist, ist ja Bestandteil der Untersuchungen.“ Auf Nachfrage von „Report Mainz“ bestätigt das hessische Verkehrsministerium die Überprüfungen. Die Autobahn GmbH habe eine "bundesweite Prüfung baugleicher Rollenlager begonnen." Diese soll bis Ende August abgeschlossen sein.

Brücken aus den 1960er Jahren neigen zu Spontanversagen

Dass die Salzbachtalbrücke abgerissen und neu gebaut werden muss, ist seit vielen Jahren bekannt. Bereits in einer Sitzung des Verkehrsausschusses des Hessischen Landtags vom 16. Dezember 2020 hatte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) laut Protokoll die Salzbachtalbrücke als eine von drei ganz besonderen „Problembrücken im Autobahnbereich“ benannt. Weiter nannte er die Berghäuser Brücke an der A44 zwischen Kassel und Dortmund (siehe Google-Maps) sowie die Thalaubachtalbrücke, die ein Teil der A7 bei Fulda ist (siehe Google-Maps). Man habe ihm erklärt, diese Brücke neige „zum Spontanversagen“. Auf seine Nachfrage, was das bedeute, sei ihm „ganz anders“ geworden, so Al-Wazir wörtlich: „Spontanversagen bedeutet, der Bruch tritt ein, und die Brücke fällt einfach zusammen.“

Ministerialdirigent Martin Weber vom Landesverkehrsministerium Hessen sieht laut Protokoll ein generelles Problem bei älteren Spannbetonbrücken: „Es sind teilweise konstruktive Eigenarten der Brücken der Sechzigerjahre, dass die Konstruktionen der damaligen Zeit eben diese Problematik haben. [...] Dass sie ohne Vorankündigung zu einem Spontanversagen neigen können, was Minister Al-Wazir eben schon angesprochen hat, liegt in der Konstruktion.“ Man müsse sich das vorstellen, als würde man aus einem Kartenhaus eine Karte herausziehen. Moderne Brücken verfügten dagegen über eine „hohe Zähigkeit.“ Sie würden nicht gleich zusammenbrechen, wenn eine Stütze wegknickt.

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