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SF₆-Verbot bei Mittelspannungsschaltanlagen auf Bundesebene reicht nicht!

Dirk Kaisers
Dirk Kaisers
  

(15.6.2022) Durch die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Beschaffung klimafreundlicher Leistungen (AVV Klima) ist seit dem 1. Januar 2022 die Beschaffung bestimmter klimaschädlicher Leistungen für Dienststellen des Bundes verboten. Dazu zählen auch SF₆-basierte Mittelspannungsschaltanlagen. „Doch das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, kommentiert Dirk Kaisers, Segment Leader Distributed Energy Management bei Eaton EMEA.

Zur Erinnerung: Schwefelhexafluorid oder kurz SF₆ ist das stärkste bekannte Treibhausgas. Seine Auswirkungen auf die Atmosphäre werden mit einem CO₂-Äquivalent von 23.500 beziffert, das will heißen, ein Kilogramm dieses Gases hat in etwa dieselbe Auswirkung wie 23.500 Kilogramm Kohlenstoffdioxid. Trotz dieser extrem schädlichen Eigenschaften kommt das Gas heute immer noch als Isolator in Mittelspannungsschaltanlagen zum Einsatz. Und das, obwohl bereits seit langem ausgereifte Alternativen existieren, die über Jahre und Jahrzehnte in der Praxis erprobt wurden. Die aktuelle Verwaltungsvorschrift des Bundes ist daher ein wichtiges Signal und ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch bleibt sie ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Gros der Mittelspannungsschaltanlagen wird schließlich von der Privatwirtschaft beschafft.

Herr Kaisers fordert deshalb ein vollständiges Verbot von SF₆ in Mittelspannungsumgebungen durch die EU: „Hier sollte eigentlich längst eine Entscheidung vorliegen, diese wurde aber immer wieder verschoben.“ Nach dem aktuellen Stand ist damit erst im Laufe dieses Jahres zu rechnen.

Übrigens: Durch die F-Gas-Verordnung der EU wurde SF₆ bereits 2014 für alle Anwendungsfälle außer Mittel- und Hochspannungsanlagen verboten. „Jetzt kommt es darauf an, auch die Duldung für die Mittelspannung zügig zu beenden. Ansonsten droht uns die absurde Situation, dass durch den Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung mehr Treibhausgas freigesetzt wird. Eine Schaltanlage benötigt schließlich jedes Windrad, und im Betrieb sowie bei der Entsorgung von SF₆-Anlagen kommt es immer zu einem gewissen Gasaustritt,“ erinnert Herr Kaisers,

Anlagen auf Basis von Feststoff-, Vakuum- und/oder Luftisolation kommen dagegen ganz ohne schädliche Emissionen aus, sind ebenfalls kompakt sowie sicher im Betrieb und ausreichend am Markt verfügbar. „Damit gibt es keine rationalen Argumente mehr, um den Einsatz von SF₆ in Mittelspannungsschaltanlagen zu verteidigen,“ resümiert Dirk Kaisers, Segment Leader Distributed Energy Management bei Eaton EMEA.

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