DGNB überarbeitet Neubauzertifizierung
(26.05.2026) Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e.V. (DGNB) hat ihr Zertifizierungssystem für Neubauten in der Version 2023.2 überarbeitet, mit dem Ziel Dokumentations- und Nachweisaufwände zu reduzieren und die Anwendung in der Praxis zu vereinfachen. Gleichzeitig soll der Fokus stärker auf den Kriterien liegen, die den größten Beitrag zur Nachhaltigkeitsqualität leisten.
Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB: „Als wir 2023 die letzte Überarbeitung unseres Zertifizierungssystems für Neubauten veröffentlicht haben, waren der Enthusiasmus für Klimaschutz und die Akzeptanz von Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienbranche so hoch wie nie, weshalb wir das Ambitionslevel deutlich angehoben hatten. Dass wir das Ganze jetzt als Version 2023.2 überarbeitet haben, liegt daran, dass sich diese Stimmung in den letzten Jahren gedreht hat. Zudem hatte sich die Version 2023 aufgrund der erhöhten Dokumentationsanforderungen nicht so optimal in die Bauprozesse eingefügt wie erhofft, weshalb wir sämtliche Kriterien im Hinblick auf Aufwand und Wirkung noch einmal kritisch und pragmatisch hinterfragt haben.”
Die überarbeitete Version entstand in einem Beteiligungsprozess mit erfahrenen DGNB Auditorinnen und Auditoren. Dabei wurden sämtliche Indikatoren und Nachweisverfahren überprüft. Unter anderem wurde untersucht, ob bestehende Unterlagen aus anderen regulatorischen Prozessen genutzt werden können und wie sich ein vereinfachter Einstieg für Projekte mit geringerem Budget ermöglichen lässt.
Nach Angaben der DGNB gingen im Rahmen einer Konsultationsphase mehr als 400 Kommentare ein. Die neuen Kriterien wurden zudem an über 20 realen Projekten verschiedener Gebäudetypen getestet. Laut DGNB blieb die Gesamtbewertung der Projekte im Durchschnitt vergleichbar, während sich der Aufwand um mindestens zehn Prozent reduzierte. Bei Projekten mit dem Ziel eines Silber-Zertifikats falle die Entlastung noch deutlicher aus.
„Die Rückmeldungen aus den Testprojekten waren durchweg positiv”, sagt Dr. Anna Braune. Teilnehmende hätten insbesondere die bessere Lesbarkeit und die geringeren Dokumentationsanforderungen hervorgehoben.
Die Zahl der Kriterien wurde von 29 auf 28 reduziert, gleichzeitig sank die Anzahl der zugrunde liegenden Indikatoren um rund 20 %. Einige Mindestanforderungen wurden angepasst, um Projekte nicht aufgrund einzelner Detailanforderungen von einer Zertifizierung auszuschließen. Die Anschlussfähigkeit an Instrumente wie die EU-Taxonomie oder das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) bleibt erhalten.
Zu den konkreten Änderungen zählt ein vereinfachter Einstieg in mehreren Kriterienbereichen. So setzt die DGNB stärker auf Unterlagen, die ohnehin für andere Zwecke erstellt werden müssen. Beim Kriterium „Zirkuläres Bauen” kommt künftig der neue „Zirkularitäts-Check” als Einstiegstool zum Einsatz. Zudem wurde das Kriterium „Sicherung der Nachhaltigkeitsaspekte in Ausschreibung und Vergabe” aufgelöst. Auch bei den soziokulturellen Kriterien entfallen einzelne Nachweise, etwa zur Zugluftfreiheit oder Luftfeuchte.
Neu gewichtet wurde das Thema Klimaresilienz. Gleichzeitig bleiben bestimmte Mindestanforderungen bestehen: Für eine Zertifizierung müssen weiterhin eine Lebenszyklus-Ökobilanz erstellt, bei fossilen Energieträgern ein Ausstiegsplan vorgelegt sowie eine Klimagefahrenanalyse durchgeführt werden.
„Uns ist es wichtig, dass diejenigen, die das Richtige machen wollen, auch weiterhin dranbleiben”, erklärt Lemaitre. „Dafür möchten wir ihnen das richtige Instrument und belastbare Argumente an die Hand geben – gerade in der jetzigen Zeit, in der der Ruf nach Entbürokratisierung immer lauter wird und Nachhaltigkeit unter dem Scheinargument der angeblichen Mehrkosten wegdiskutiert wird. Das DGNB System ist als Steuerungs- und Optimierungsinstrument in Entscheidungs- und Planungsprozessen nach wie vor die richtige Wahl für alle, die sich auf die eigentliche Zielstellung des nachhaltigen Bauens konzentrieren wollen: Gebäude besser zu machen.”
Bereits angemeldete Projekte können kostenfrei von der bisherigen Version 2023 auf die neue Version 2023.2 wechseln. Die Zertifizierungsgebühren bleiben unverändert. Die DGNB erwartet jedoch geringere Honorarkosten für Auditoren und weitere Dienstleistungen im Zertifizierungsprozess.
Weitere Informationen können per E-Mail an DGNB angefordert werden.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
- Berliner Quartier 52° Nord erhält DGNB-Gold (23.12.2025)
- Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur für die Mehrzweckhalle in Ingerkingen (29.11.2025)
- Brüggemann erhält DGNB-Platin für Bürogebäude in Holzmodulbauweise (26.11.2025)
siehe zudem:
- Baubranche, Architektur sowie Immobilienbranche bei Baulinks.de
- Literatur / Bücher zum Thema erneuerbare Energien bei Baubuch / Amazon.de



