Gebäudemodernisierungsgesetz im Bundestag: Bauwirtschaft stellt Forderungen nach erster Lesung
(16.06.2026) Nach der ersten Lesung des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) im Bundestag am 11. Juni 2026 haben sich erneut Vertreter der Bauindustrie sowie Branchenverbände und Organisationen zum Gesetzentwurf geäußert. Während Teile der Branche größere Wahlfreiheit und weniger Bürokratie begrüßen, warnen Umwelt- und Nachhaltigkeitsverbände vor höheren Emissionen, Kostenrisiken und einer Abschwächung der Klimaziele.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) hat die nächste Hürde im Gesetzgebungsverfahren genommen. Nach dem Kabinettsbeschluss vom 13. Mai 2026 wurde der Entwurf am 11. Juni erstmals im Bundestag beraten und anschließend an den Ausschuss für Wirtschaft und Energie überwiesen. Für den 22. Juni ist eine öffentliche Anhörung geplant. Das Gesetz soll das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) grundlegend überarbeiten und Eigentümern künftig wieder mehr Freiheiten bei der Wahl von Heizsystemen einräumen.
Bundesrat fordert Nachbesserungen
Der Bundesrat hat bereits mehrere Änderungsvorschläge vorgelegt. Die Länder sprechen sich unter anderem dafür aus, Klimaschutzziele nicht ausschließlich auf Ebene einzelner Gebäude nachzuweisen. Wohnungsunternehmen sollen die Vorgaben auch über gesamte Bestände oder Quartiere erfüllen können. Darüber hinaus fordern die Länder Anpassungen bei der Länderöffnungsklausel, Erleichterungen für Interimsbauten sowie Änderungen bei der Aufteilung von Kohlendioxidkosten.
Branche begrüßt größere Wahlfreiheit
Mehrere Branchenvertreter bewerten den technologieoffenen Ansatz des Gesetzentwurfs positiv. Der Flüssiggasversorger Primagas begrüßt insbesondere den geplanten Bürokratieabbau sowie die stärkere Berücksichtigung biogener Energieträger. Geschäftsführer Maarten Jan Oskam erklärt: „Wir begrüßen den Bürokratieabbau, die Rücknahme zusätzlicher Beratungspflichten und mehr Vertrauen in technologieoffene Lösungen.”
Auch der Verband Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft sieht im Gesetz einen Schritt hin zu mehr Praxistauglichkeit im Gebäudebestand. Vorstand Dr. Timm Kehler sagt: „Das Gebäudemodernisierungsgesetz kann aus der festgefahrenen Heizungsdebatte wieder eine Modernisierungsdebatte machen.” Das Gesetz eröffne aus Sicht des Verbandes zusätzliche Handlungsmöglichkeiten für Eigentümer und binde grüne Gase stärker in die Wärmewende ein.
Heiztechnikhersteller Buderus verweist auf den Wunsch vieler Eigentümer nach langfristiger Planungssicherheit. Das Unternehmen bietet verschiedene Heizsysteme für Neubau und Bestand an, darunter Wärmepumpen, Hybridlösungen und Gas-Brennwerttechnik. Im Umfeld der politischen Beratungen betonte Buderus die Bedeutung zukunftsfähiger Heizsysteme unabhängig von wechselnden gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Wärmepumpenbranche fordert Nachschärfungen
Kritisch bewertet der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) einzelne Bestandteile des Gesetzentwurfs. Der Verband warnt davor, dass die vorgesehene Bio-Treppe Investitionen in Wärmepumpen bremsen und Verbraucher verunsichern könnte. BWP-Geschäftsführer Dr. Martin Sabel erklärt: „Die Bundesregierung riskiert mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz große Rückschritte in der Wärmewende. Was sie als neue Freiheit verkauft, führt in Wirklichkeit zu weniger Klarheit und Orientierung.”
Der Verband fordert unter anderem ein klares Enddatum für fossile Energieträger, verbindliche Anforderungen an Hybridheizungen sowie eine langfristig abgesicherte Heizungsförderung. Positiv bewertet der BWP die angekündigte Fortführung der BEG-Förderung bis mindestens 2029.
Planungssicherheit und Infrastruktur als zentrale Themen
Zustimmung zum technologieoffenen Ansatz kommt hingegen vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Gleichzeitig sieht der Verband Nachbesserungsbedarf bei Investitionssicherheit, Infrastrukturplanung und Gebäudeautomation. VDI-Direktor Adrian Willig betont: „Technologieoffenheit ist richtig – sie darf aber nicht zu Orientierungslosigkeit führen.” Der VDI verweist insbesondere auf mögliche Zielkonflikte zwischen neuen Gasheizungen und kommunalen Wärmeplänen, die teilweise einen Rückbau oder eine Umwidmung bestehender Gasnetze vorsehen. Eigentümer müssten frühzeitig wissen, welche Energieinfrastruktur künftig tatsächlich verfügbar sein werde.
Zudem sollten Anforderungen an Gebäudeautomation, Energiemanagement und Monitoring nicht abgeschwächt werden. „Die günstigste Kilowattstunde bleibt diejenige, die gar nicht erst verbraucht wird.”
Wohnungswirtschaft fordert Quartiersansätze und Kostenkontrolle
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW unterstützt die Wärmewende grundsätzlich, fordert jedoch umfangreiche Nachbesserungen. Aus Sicht des Verbands müsse Klimaschutz stärker auf Quartiere und Wohnungsbestände statt ausschließlich auf Einzelgebäude ausgerichtet werden.
GdW-Präsident Axel Gedaschko: „Die Wärmewende gelingt nicht mit Pflichten auf dem Papier, sondern mit Lösungen, die vor Ort funktionieren.” Der GdW fordert unter anderem Quartiers- und Flottenlösungen, Experimentierklauseln, transparente Regelungen für Wärmenetze sowie praxisgerechte Vorgaben bei Energieausweisen und Ladeinfrastruktur. Mehrere dieser Forderungen decken sich mit Vorschlägen des Bundesrats.
Kritik an Kostenrisiken und Bio-Treppe
Der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW) fordert zusätzliche Sicherungsmechanismen im Gesetz. Nach Ansicht des Verbands fehlen belastbare Aussagen über die Verfügbarkeit und die langfristigen Kosten der vorgesehenen Bio-Treppe.
Der BNW plädiert deshalb für standardisierte Vollkostenvergleiche vor Heizungsentscheidungen. Dabei sollten auch CO₂-Kosten, künftige Beimischungspflichten sowie mögliche Risiken durch Stilllegungen von Gasnetzen berücksichtigt werden. Zudem fordert der Verband eine langfristig gesicherte Förderkulisse sowie einen Nachsteuerungsmechanismus für den Fall, dass die Klimaschutzziele im Gebäudesektor verfehlt werden.
Umweltverband warnt vor Abschwächung der Klimaziele
Deutlich kritischer fällt die Bewertung der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) aus. Die Organisation sieht im Gesetzentwurf eine Gefährdung der Dekarbonisierung des Gebäudesektors und lehnt die geplanten Änderungen grundsätzlich ab. DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz warnt: „Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das explodierende Gaspreise.” Die DUH bezeichnet den Entwurf als klimapolitischen Rückschritt und fordert den Bundestag auf, das Gesetz in seiner aktuellen Form nicht zu verabschieden.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt allerdings die geplante Einführung des Solarstandards im GModG als wichtigen Schritt für mehr Solarenergie auf Gebäuden. Gleichzeitig kritisiert die DUH die Pläne des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die Bedingungen für Dach-Photovoltaik durch die Streichung der staatlich garantierten Einspeisevergütung zu verschlechtern. Barbara Metz: „Der Solarstandard ist der richtige Schritt, um das große Potenzial von Gebäudedächern endlich besser für die Energiewende zu nutzen - auch wenn die Einführung früher und ambitionierter hätte kommen müssen. ... Wir fordern von der Bundesregierung, den Solarstandard mit verlässlichen Förderbedingungen abzusichern, statt die Dach-PV sehenden Auges auszubremsen.”
Parlamentarische Beratungen laufen weiter
Mit der ersten Lesung beginnt nun die eigentliche parlamentarische Beratung. Während zahlreiche Branchenvertreter den stärkeren Fokus auf Wahlfreiheit, Technologieoffenheit und Bezahlbarkeit begrüßen, fordern sie zugleich Nachbesserungen bei Infrastrukturplanung, Kostenverteilung und Umsetzbarkeit. Umwelt- und Nachhaltigkeitsverbände sehen dagegen die Gefahr, dass Klimaschutzziele verfehlt und fossile Technologien länger genutzt werden könnten. Welche Positionen sich im weiteren Verfahren durchsetzen, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
- Deutscher Bundestag
- Primagas Energie GmbH
- Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft e.V.
- Buderus - Bosch Thermotechnik GmbH
- Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.
- Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI)
- Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. (GdW)
- Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
- Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH)
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siehe zudem:


