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Die Nominierten für den Deutschen Brückenbaupreis 2027 stehen fest

(21.10.2026) Die für den Deutschen Brückenbaupreis 2027 nominierten Brückenbauwerke stehen nun fest. In den beiden Kategorien Fuß- und Radwegbrücken sowie Straßen- und Eisenbahnbrücken gab die Jury jeweils drei Finalisten bekannt. Welche Projekte ausgezeichnet werden, wird am 10. März 2027 bei der Preisverleihung in Dresden, am Vorabend des 36. Dresdner Brückenbausymposiums, bekannt gegeben. 

Mit dem Preis würdigen die Bundesingenieurkammer und der Verband Beratender Ingenieure zum 11. Mal herausragende Leistungen im Brückenbau. Ausgezeichnet werden Neubauten, Instandsetzungen und Ertüchtigungen sowie innovative Ansätze für mehr Nachhaltigkeit. Die Schirmherrschaft liegt beim Bundesministerium für Verkehr.

Der Deutsche Brückenbaupreis 2027. Mit dem Wettbewerb zeichnen die Bundesingenieurkammer und der Verband Beratender Ingenieure VBI herausragende Ingenieurleistungen im Brückenbau aus. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Verkehr. (Bild: (C) André Wirsig/BIngK) 

Kategorie Fuß- und Radwegbrücken

Rathausbrücke, Tuttlingen (Baden-Württemberg)

Die neue Rathausbrücke verbindet die Tuttlinger Innenstadt mit dem Donauradweg und den nördlichen Stadtquartieren. Sie verbessert eine zentrale Donauquerung und schafft zugleich Aufenthaltsqualität. Das Tragwerk kombiniert Holz, Beton und Stahl zu einer schlanken, dauerhaften und wartungsarmen Hybridkonstruktion. Die zurückhaltende Gestaltung führt die historische Rathausgasse bis ans gegenüberliegende Ufer fort und stärkt die Verbindung zwischen den Stadträumen. Hoher Vorfertigungsgrad und ein innovatives Tragwerkskonzept zeigen die Potenziale des modernen Holzbrückenbaus.

Rathausbrücke Tuttlingen (Bild: Roland Halbe) 

Kurzfassung Jurybegründung: Die Jury hebt das innovative Tragwerkskonzept sowie den materialgerechten Einsatz von Holz, Beton und Stahl hervor. Die Brücke verbindet ingenieurtechnische Präzision mit einer nachhaltigen und sensiblen Einbindung in Stadt und Landschaft.

Projektdaten

  • Brückentyp:  Semi-integral gelagerte Holz-Beton-Verbundbrücke für Fußgänger mit Sahlunterbauten
  • Länge: 55 m
  • Größte Stützweite: 17,30 m
  • Fertigstellung: 2024

Sprung über die Emscher, Castrop-Rauxel (Nordrhein-Westfalen)

Der „Sprung über die Emscher” verbindet am Wasserkreuz von Emscher und Rhein-Herne-Kanal Wege für Fußgänger und Radfahrende. Als Teil des Generationenprojekts Emscher-Umbau steht das Bauwerk für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Es überspannt den Kanal und die Emscher, verknüpft Wege, Parks und Freiräume und macht die renaturierte Flusslandschaft erlebbar. Prägend sind der asymmetrische Stahlkasten, der geneigte Pylon und das Zügelgurtsystem.

Sprung über die Emscher (Bild: DKFS/Aron Jungermann/Fotografieimraum) 

Kurzfassung Jurybegründung: Die Jury würdigt das Bauwerk als Symbol für den Wandel einer ganzen Region. Die Form entwickelt sich konsequent aus Tragwerk und Randbedingungen und verbindet technische Leistungsfähigkeit mit gesellschaftlicher Bedeutung.

Projektdaten

  • Brückentyp: Semi-integraler, gevouteter Stahlhohlkasten als Mehrfeldträger mit Zügelgurt
  • Länge: 411 m
  • Größte Stützweite: 108 m
  • Fertigstellung: 2024

Stadtgrabenbrücke, Lübeck (Schleswig-Holstein)

Die Stadtgrabenbrücke schafft eine direkte, barrierefreie Verbindung zwischen dem Lübecker Hauptbahnhof und der Wallhalbinsel. Sie ersetzt umwegige Wegeführungen und verbessert die Erreichbarkeit eines wichtigen Stadtentwicklungsgebiets. Die schlanke, integrale Stahlverbundkonstruktion kommt ohne Lager und Fahrbahnübergänge aus. Eine Orthoverbundplatte mit Carbonbewehrung reduziert den Ressourcenbedarf. Langlebiger Korrosionsschutz und die sensible Einbindung in den Naturraum ergänzen das nachhaltige Konzept. Zugleich berücksichtigt das Bauwerk die Nähe zum UNESCO-Welterbe Lübeck und zu einem angrenzenden FFH-Schutzgebiet.

Stadtgrabenbrücke Lübeck (Bild: Marcus Bredt) 

Kurzfassung Jurybegründung: Eine Verbindung von zurückhaltender Gestaltung, technischer Innovation und nachhaltiger Mobilität. Besonders hervorgehoben werden die ressourcenschonende Fahrbahnplatte, die integrale Konstruktion und die sensible Einbindung in Stadt- und Naturraum.

Projektdaten

  • Brückentyp: Integrale Stahlverbundbrücke als Deck-/Trogbrücke
  • Länge: 65,90 m
  • Größte Stützweite: 35,85 m
  • Fertigstellung: 2025

Straßen- und Eisenbahnbrücken 

Die Güßbacher Welle, Breitengüßbach (Bayern)

Die Güßbacher Welle entstand als Ersatzneubau im Zuge der A73. Das Bauwerk überführt die Autobahn über die Bahnstrecke Nürnberg-Erfurt sowie weitere Verkehrswege. Die Arbeiten erfolgten bei laufendem Verkehrsbetrieb und unter anspruchsvollen Randbedingungen durch Bahnstrecke, Bundesstraße und Gewässer. Die wellenförmig gevouteten Hauptträger orientieren sich am Kraftfluss und prägen die markante Silhouette.

Güßbacher Welle (Bild: Hajo Dietz) 

Kurzfassung Jurybegründung: Die Jury überzeugt die anspruchsvolle Geometrie, innovative Konstruktionsweise und die eigenständige Gestaltung. Das Bauwerk zeigt beispielhaft, wie technische Komplexität zu hoher Baukultur führen kann.

Projektdaten

  • Brückentyp: Wellenförmig gevoutete Stahlverbundbrücke mit Trogquerschnitt als Durchlaufträger über drei Felder
  • Länge: 150 m
  • Größte Stützweite: 80 m
  • Fertigstellung: 2023

Der Überflieger, Nürnberg (Bayern)

Der 588 m lange „Überflieger“ am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost verbindet die A6 mit der A9. Das Rampenbauwerk kombiniert einen schlanken Stahlverbundüberbau mit niedrigen Pylonen und harfenförmig angeordneten Schrägkabeln. Eine Besonderheit ist das Taktschiebeverfahren, bei dem bereits montierte Pylonköpfe und teilvorgespannte Kabel gemeinsam verschoben wurden. Die Bauweise verbindet eine innovative Tragwerkskonzeption mit einer anspruchsvollen Ausführung und hoher verkehrliche Leistungsfähigkeit. Der Verkehr konnte während der Bauzeit weitgehend aufrechterhalten werden. 

Der Überflieger (Bild: Jan R. Schäfer) 

Kurzfassung Jurybegründung: Die Jury würdigt die innovative Weiterentwicklung des Extradosed-Prinzips für ein räumlich gekrümmtes Brückenbauwerk. Planung, Gestaltung und Bauausführung greifen hier auf höchstem Niveau ineinander.

Projektdaten

  • Brückentyp: Extradosed-Brücke
  • Länge: 588 m
  • Größte Stützweite: 115 m
  • Fertigstellung:  2025

Friesenbrücke, Weener (Niedersachsen)

Die neue Friesenbrücke über die Ems ist Europas größte Hub-Drehbrücke. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Wiederherstellung der Bahnverbindung zwischen Deutschland und den Niederlanden. Als Teil der „Wunderline” schließt sie eine Lücke im grenzüberschreitenden Schienennetz und verbessert die Verbindung zwischen beiden Emsufern. Als konstruktive Besonderheiten sind die Trennung von Lastabtrag und Hub-Drehmechanismus sowie die eigens entwickelte Hub-Drehsäule zu nennen. Das Bauwerk erfüllt hohe ingenieurtechnische Anforderungen und ist für den Schienen-, Rad- und Fußverkehr ausgelegt. 

Friesenbrücke Weener (Bild: MCE GmbH) 

Kurzfassung Jurybegründung: Die Jury hebt die eigens entwickelte Hub-Drehsäule und die konsequente Trennung von Lastabtrag und Hub-Drehmechanismus hervor. Diese Lösung erhöht Zuverlässigkeit und Dauerhaftigkeit des Bauwerks maßgeblich.

Projektdaten

  • Brückentyp: Hub-Dreh-Fachwerkbrücke
  • Länge: 335 m
  • Größte Stützweite: 72,45 m
  • Fertigstellung: 2025

Die Preisverleihung des Deutschen Brückenbaupreises 2027 soll dann am 10. März 2027 in Dresden stattfinden, am Vorabend des Dresdner Brückenbausymposiums.

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