ZIN in Brüssel gewinnt den Internationalen Hochhaus Preis 2026/27
(04.11.2026) Das mixed-use Hochhaus ZIN in Brüssel gewinnt den Internationalen Hochhaus Preis (IHP) 2026/27. Der Preis ist mit 50.000 Euro und einer Statuette des international renommierten Künstlers Thomas Demand dotiert. Das Projekt wurde durch die Architekturbüros 51N4E, l’ AUC und Jaspers-Eyers Architects geplant und von der Jury einstimmig zum Gewinner gekürt.
Die Architekten Johan Anrys und Olivier Cavens von 51N4E, Alessandro Gess und Djamel Klouche von l’ AUC und John und Loik Eyers von Jaspers-Eyers Architects sowie Jean-Philip Vroninks für den Bauherrn Befimmo nahmen den Preis bei der feierlichen Verleihung entgegen.
Schwerpunkt der Jury: Ein Hochhaus als „guter Nachbar”
Der Schwerpunkt der Jury lag beim 12. Internationalen Hochhaus Preis auf der Frage nach der Rolle des Hochhauses in der Zukunft. Dabei soll ein Hochhaus seiner Umgebung etwas zurückgeben, seinen umgebenden Kontext verbessern und der Stadt und den Menschen zugutekommen. Idee der Jury war es, ein Hochhaus gewinnen zu lassen, das auch in 15 Jahren noch von Relevanz ist. Darüber hinaus wurden auch die Themen Sanierung und Umbau sowie Wandlungsfähigkeit und Nutzungsmischung berücksichtigt.
ZIN, Brüssel: Preisträger Internationaler Hochhaus Preis 2026/27
- Architekten: 51N4E Brüssel, Belgien / l’ AUC Paris, Frankreich / Jaspers-Eyers Architects Brüssel, Belgien
- Bauherrschaft: Befimmo, Brüssel
- Funktion: Mischnutzung aus Büros, Wohnen, Hotel, Einzelhandel, Sport, öffentliche Grünflächen
- Höhe: 129 m
- Fertigstellung: September 2024
- Standort: Brüssel
Das ZIN steht nicht nur für eine architektonische Erneuerung, sondern auch für einen Wechsel weg von Abriss und Neubau hin zu Transformation, Ressourcenschonung und Nutzungsmischung. So wurden beide Erschließungskerne sowie die Untergeschosse der beiden ehemaligen World-Trade-Center-Türme beibehalten und in den Neubau integriert. Das Projekt erreicht eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung von 95 % für die verwendeten neuen Materialien.
Büros, Wohnungen, Hotelzimmer, Einzelhandel und Grünraum sind miteinander verflochten, um eine zusammenhängende Einheit zu schaffen, die auch nachts nicht „leblos” wirkt. Teile des ZIN sind heute für die Öffentlichkeit frei zugänglich. Sportvereine trainieren in der Sporthalle, es gibt Appartements und ein Hotel, einen großen Dachgarten sowie ein Gewächshaus, das von dem Hotelcafé mitgenutzt wird. Auch die flämische Regierung hat ihren Sitz in das ZIN verlegt.
„Projekt, das alles macht, was ein Hochhaus positiv gesehen tun kann”
ZIN zeigt auf, wie sich Sanierung und Umbau auf ein neues Niveau heben lassen. Mit seinen 10.000 m² Fläche bietet es heute einen wichtigen Anziehungspunkt in einem wenig attraktiven Stadtviertel.
Der Juryvorsitzende Brian Yang führt aus: „Es wirkt wie ein erstaunliches Projekt, das alles macht, was ein Hochhaus positiv gesehen tun kann: Durch einen Transformationsprozess sorgt es für Bedeutung und Qualität und stärkt damit das gesamte Viertel. Es wertet die Umgebung auf und verfügt über eine tolle interne Topografie. Die Übergänge zwischen öffentlichem und privatem Bereich sind hervorragend umgesetzt.“
Statements der Preisträger
Büro 51N4E: „Dieses Projekt zeichnet eine andere Zukunft für die Hochhausarchitektur: kein exklusives Wahrzeichen, das um die größte Höhe wetteifert, sondern ein offenes, großzügiges Gebäude, das mit der Stadt verbunden ist.”
Alessandro Gess, l’ AUC: „Das ehemalige World Trade Center I & II in Brüssel verkörperte die großstädtischen Ambitionen der Nachkriegszeit – eine Vision der städtischen Modernisierung, die das bestehende Stadtgefüge tiefgreifend veränderte. ZIN setzt sich mit diesem Erbe auseinander und untersucht dessen Widersprüche sowie das ungenutzte Potenzial der bestehenden Strukturen. Die Umgestaltung wurde zu einem kollektiven Unterfangen, neue Wege im Umgang mit bestehenden Gebäuden zu entwickeln und dabei etablierte Praktiken des Bauens, des Abrisses und der Projektentwicklung in Frage zu stellen.”
Jaspers-Eyers Architects: „Für Jaspers-Eyers Architects zeigt ZIN, dass die Zukunft der Hochhausarchitektur nicht unbedingt mit einem Neubau beginnt, sondern aus der Umgestaltung des Bestehenden entstehen kann. Das Projekt gab uns die Gelegenheit, bestehende Strukturen und ihre Beziehung zur umgebenden Stadt neu zu überdenken und so neuen Mehrwert zu schaffen, anstatt bei Null anzufangen.”
Jean-Philip Vroninks, Chief Executive Officer, Befimmo Real Estate Group: „Wir fühlen uns zutiefst geehrt, dass ZIN mit dem Internationalen Hochhaus Preis ausgezeichnet wurde. […] ZIN zeigt, dass ein Hochhaus offen, anpassungsfähig und wirklich mit der Stadt um sich herum verbunden sein kann. Diese Auszeichnung gehört allen, die sie möglich gemacht haben: den Architekturbüros 51N4E, l’ AUC und JaspersEyers, unseren Partnern und ausführenden Unternehmen, den Brüsseler Behörden und unseren eigenen Teams, die an diese mutige Entscheidung geglaubt haben.”
Die vier weiteren Finalisten
Während der Preisverleihung wurden auch die weiteren vier Finalisten geehrt:
- AGE 360, Curitiba, Brasilien
- Architektur: Architects Office, Sao Paulo, Brasilien; Triptyque, Sao Paulo, Brasilien / Paris, Frankreich
- Tencent Tower, Guangzhou, China
- Architektur: Ateliers Jean Nouvel, Paris, Frankreich
- 88 Walker, Sydney, Australien
- Architektur: Fitzpatrick + Partners, Sydney, Australien
- One Pearl Bank, Singapur
- Architektur: Serie Architects, London, Großbritannien; Multiply Architects, Singapur
Internationaler Hochhaus Preis (IHP)
Der Internationale Hochhaus Preis wurde 2003 gemeinsam von der Stadt Frankfurt am Main, dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank initiiert und 2004 zum ersten Mal vergeben.
Aus über 1.000 Hochhäusern der letzten zwei Jahre hatte das Deutsche Architekturmuseum (DAM) 30 herausragende Gebäude aus 12 Ländern nominiert. Eine internationale Jury von Experten aus Architektur- und Ingenieurpraxis sowie den Partnern des IHP (DekaBank, Stadt Frankfurt am Main und Deutsches Architekturmuseum) wählte unter der Leitung von Brian Yang (Architekt, Partner BIG, Kopenhagen) aus den Nominierten die fünf Finalisten und den Gewinner.
Deutsches Architekturmuseum zeigt alle nominierten Projekte
Die Ausstellung Best High-Rises 2026/27 – Internationaler Hochhaus Preis, die das Deutsche Architekturmuseum (DAM) vom 5. November 2026 bis 4. April 2027 zeigt, präsentiert alle nominierten Projekte.
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
- Deutscher Nachhaltigkeitspreis Architektur für die Josef-Schwarz-Schule in Heilbronn (23.10.2026)
- Deutscher Fassadenpreis 2026 für VHF: Das sind die Preisträger (21.10.2026)
- Der Deutsche Ingenieurbaupreis 2026 geht an das Chemnitzer Viadukt (21.10.2026)
- Deutscher Stahlbautag 2026: Ausgezeichnete Projekte zeigen die Möglichkeiten des Stahlbaus (28.09.2026)
- Erich-Mendelsohn-Preis 2026 zeichnet erneut Backsteinarchitektur aus (07.09.2026)
siehe zudem:
- Architektur Awards und nachhaltiges Bauen im Architektur-Magazin auf Baulinks
- Literatur / Bücher zu den Themen Architektur und Ingenieurbau bei BauBuch








