Energy-Charts: Öffentliche Nettostromerzeugung 1. Halbjahr 2026
(01.07.2026) Laut Angaben des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 bei 61,8 %. Insbesondere die Netzeinspeisung aus Photovoltaik hat stark zugelegt. Quelle der Daten ist die Plattform energy-charts.info
Windkraft Onshore und Offshore
Gegenüber dem Vergleichszeitraum (1. Halbjahr 2025) legte die Erzeugung aus Windkraftanlagen zu: bei den Offhore-Anlagen von 11,4 TWh auf 14,6 TWh, Onshore von 48,7 TWh auf 52,8 TWh. Die Windkraft steigerte damit ihren Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung von 28,8 auf 30 %.
Photovoltaik
Die Netzeinspeisung aus Photovoltaik lag mit 43,2 TWh um 10 % höher als im Vorjahr (39,3 TWh) und erreichte ein Allzeithoch. Auch EU-weit war die Einspeisung aus Photovoltaik auf Rekordniveau und ist seit 2015 um 254 % gestiegen.
Photovoltaik-Erzeugungsleistung steigt um 7 GW
Im 1. Halbjahr 2026 wurden 2,1 Gigawattpeak (GWp) Photovoltaik-Gebäudeanlagen mit einer Leistung bis 30 KWp neu installiert. Bei den Gebäudeanlagen im Segment bis 1000 KWp kamen 1,1 GWp neu hinzu. Freiflächenanlagen trugen mit 3,6 GWp am stärksten zum Zubau bei.
Wasserkraft und Biomasse
Leicht rückläufig war dagegen die Erzeugung aus Wasserkraft mit 7,8 TWh nach 8,1 in 2025, die auf dem niedrigsten Stand seit 2015 lag. Auch die Netzeinspeisung aus Biomasse ging leicht zurück (17,9 TWh nach 18,3 in 2025).
Erdgas, Braun- und Steinkohle
Die Erzeugung aus den fossilen Energieträgern stieg gegenüber dem Vorjahr um 6 % auf 78,6 TWh. Beim Vergleich der Strom- und Gaspreise zeigen sich die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen. Der Erdgaspreis stieg von Februar auf März um 48 % (von 35,61 Euro/MWh auf 52,71 Euro/MWh). Somit die die Grenzkosten der Stromerzeugung aus Erdgas, die sich aus den Kosten für Gas und für die CO₂-Emissionszertifikate zusammensetzen, um 39 % auf 132,87 Euro pro MWh. Der Börsenstrompreis sank dagegen auf 95,58 Euro/MWh, da die erneuerbaren Energien ab März mit ihren günstigen Gestehungskosten die Preise drückten. Im April sank er nochmals deutlich um 27,7 %, während der Erdgaspreis nur um 12,6 % nachgab. „Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April 76 % höher gewesen”, erklärt Energy-Charts-Projektleiter Leonhard Gandhi.
Die Grafik zeigt die Stromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Die industrielle Erzeugung für den Eigenverbrauch, aus Kraftwerken von Betrieben im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau und in der Gewinnung von Steinen und Erden, ist bei dieser Darstellung nicht berücksichtigt.
Insgesamt lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung mit 61,8 % auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten Halbjahr 2025 mit 61,3 %. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Last, also der Stromverbrauch und der Verluste bei der Stromübertragung, stieg von 55 auf 58,5 %. Ein neuer Rekord.
Die starke Erzeugung von Wind und Photovoltaik führt zu immer mehr Stunden, an denen der Day-Ahead Börsenstrompreis negativ ist. Im ersten Halbjahr 2026 sind sehr viele Stunden nahe null Euro pro MWh aufgetreten, da immer mehr Anlagen in der Direktvermarktung keine Förderung bei negativen Börsenstrompreisen erhalten.
Anstieg bei Batteriespeichern
Die Erzeugungsspitzen und die Lastkurven zeigen den Bedarf an untertägiger Speicherung sowie Flexibilitäten auf. Die Kapazität der Stromspeicher stieg im 1. Halbjahr von 25,4 auf 29,6 GWh. Somit wurden in den ersten sechs Monaten 2026 bereits mehr große Batteriespeicher in Betrieb genommen als im gesamten Jahr 2025. Dennoch verbleibt eine deutliche „Speicherlücke”, um eine Verschiebung von Überschussstrom in die Stunden schwacher Erzeugung zu ermöglichen. Der Ausbau der Batterien für die untertägige Speicherung könnte negative Börsenstrompreise tagsüber und Preispeaks in den Abendstunden verringern. Die Hitzeperiode im Juni 2026, die zu erhöhtem Strombedarf für Kühlung bei gleichzeitig gedrosselter Leistung von konventionellen Kraftwerken führte, hatte besonders starke Preisausschläge in den Abendstunden zur Folge.
Dank der starken Erzeugung aus erneuerbaren Quellen wurden im ersten Halbjahr im Saldo nur 1,3 TWh Strom importiert (1. HJ 2025: 9,6 TWh). Die Importe kamen aus Dänemark (8 TWh), den Niederlanden (5,3 TWh), Frankreich (5,1 TWh), Belgien (3,1 TWh) und Norwegen (2,9 TWh). Exportiert wurde nach Österreich (5,7 TWh), Dänemark (5,5 TWh), in die Niederlande (4,8 TWh), nach Tschechien (3,3TWh) und Polen (2,9 TWh).
siehe auch für zusätzliche Informationen:
ausgewählte weitere Meldungen:
- Stromerzeugung im 1. Quartal 2026: 53,3 % aus erneuerbaren Energieträgern (09.06.2026)
- Energy-Charts: Öffentliche Nettostromerzeugung 2025 (02.01.2026)
- GroNaS-Konzept für bezahlbare Stromversorgung in Dunkelflauten (18.09.2025)
- Fraunhofer ISE und Diveo fördern Agri-Photovoltaik in der Landwirtschaft (18.09.2025)
- Fraunhofer ISE veröffentlicht Leitfaden zu Floating-PV (17.09.2025)
siehe zudem:
- Photovoltaik und Erneuerbare Energien sowie nachhaltiges Bauen im Architektur-Magazin bei Baulinks.de
- Literatur / Bücher über Erneuerbare Energien bei Baubuch / Amazon.de




