Suche
Kopfbild

Fraunhofer ISE: Energy-Charts Preissimmulator zeigt echte Marktdaten

(01.10.2026) Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat auf seiner Plattform Energy-Charts.info einen neuen Preissimulator integriert. Dieser verknüpft reale Marktdaten mit den tatsächlichen Kauf- und Verkaufsgeboten der täglichen Strombörsenauktion. Nutzer können damit nachvollziehen, wie sich der Börsenstrompreis entwickelt, wann Batterien geladen oder entladen werden und wie hoch ihr jeweiliger Ladezustand ist. Der kostenlos zugängliche Simulator soll täglich auf Basis der aktuellen Ergebnisse des Stromhandels aktualisiert werden.

Der Preissimulator zeigt die Wirkung von Batteriespeichern auf den Strompreis und die Marktwerte für Solar- und Windstrom auf. (Grafik/Screenshot: Fraunhofer ISE) 

Leonhard Gandhi, Projektleiter für die Energy-Charts am Fraunhofer ISE: „Über die Wirkung von Batteriespeichern auf den Strompreis wird viel diskutiert, meist mit Modellen für die Zukunft. Unser Simulator setzt bei den real getätigten Geboten tagesaktuell an. Jede und jeder kann damit nachvollziehen, was mehr Speicher am Markt bewirkt hätten.”

Interaktives Diagramm für jede Woche

Ein interaktives Diagramm soll den realen Day-Ahead-Preis für Deutschland und den simulierten Preis mit der gewählten Batterieflotte zeigen; zudem die Leistung, mit der die Batterien laden und entladen, ihren Ladestand sowie die mögliche Einspeisung aus Solar- und Windenergie und den Stromverbrauch (Stromlast).

Drei Einstellungen lassen sich frei kombinieren:

  • Batterieleistung von 0 bis 20 GW
  • Speicherdauer zwei bis sechs Stunden
  • Marktszenario

Mit dem Makroszenario lässt sich simulieren, ob Kraftwerke mit ihren mehrstündigen Blockgeboten auf veränderte Preise reagieren und ob die Nachbarländer über die Strommarktkopplung mitberücksichtigt werden.

Alle Ergebnisse sollen in Viertelstundenauflösung vorliegen und als Daten heruntergeladen werden können.

Datengrundlage des Simulators

Die von der europäischen Strombörse EPEX SPOT aggregierten Kauf- und Verkaufskurven der Day-Ahead-Auktion werden als Datengrundlage hinzugezogen. In diesen Kurven steckt das gesamte Gebotsverhalten des Marktes eines Tages. Der Simulator fügt die Gebote der Batterieflotte ein. Diese kauft Strom, wenn er billig ist, und verkauft ihn, wenn er teuer ist - somit soll der Gewinn maximiert wird. Jeder Kauf und Verkauf verschiebt die Kurven und damit den Preis, den alle anderen Marktteilnehmer erhalten. Die Batterien arbeiten in der Simulation mit einem Wirkungsgrad von 86 %; ihre Alterungskosten je gespeicherter MWh sind inkludiert.

Aufwändig zu simulieren ist allerdings die Reaktion der Kraftwerke und unflexiblen Verbrauchern: Viele kaufen oder verkaufen ihren Strom in mehrstündigen Blöcken. Ändert die Batterieflotte die Preise, können solche Blöcke aus dem Markt fallen oder neu hineinkommen. Hier muss der Simulator die Auktion mit diesen Blockgeboten explizit nachkalkulieren. Ein weiteres Marktszenario bezieht die Nachbarländer ein, die über die Strommarktkopplung auf Preisänderungen in Deutschland reagieren. Insgesamt ist der Rechenaufwand erheblich. Nach Angaben von Fraunhofer ISE werden für jede Woche rund 2.000 Kombinationen aus Leistung, Speicherdauer und Szenario durchgerechnet.

Auswertung 2025

Eine Auswertung der Ergebnisse des Jahres 2025 im Szenario mit Blockgeboten und ohne grenzüberschreitenden Stromhandel zeigt den Effekt der Batteriespeicher: Werden 20 GW Batterien mit 2 Stunden Speicherdauer (entspricht 40 GWH Kapazität) eingesetzt, sinkt der mittlere Preisunterschied über alle Tage zwischen der teuersten und der billigsten Viertelstunde eines Tages von 130 auf 53 Euro pro MWh (-60 %). Die Stunden mit Preisen über 200 Euro pro MWh sinken von 169 auf 20, die Stunden mit negativen Preisen von 575 auf 271. Der Marktwert von Solarstrom steigt von 45,08 Euro pro MWh um 35 % auf 61,02 Euro pro MWh.

Zwei Tage aus 2025 zeigen die Möglichkeiten der Batteriespeicher deutlich auf: Am 20. Januar 2025, dem teuersten Tag des Jahres, hätten 20 GW Batterien die abendliche Preisspitze von 583 auf 221 Euro pro MWh gesenkt. Am 11. Mai 2025 hingegen, dem Tag mit dem tiefsten Preis, hätten die Speicher den Mittagsstrom aufgenommen und den Preis von -250 auf -20 Euro angehoben.

Analyse zum Batterieausbau

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland beschleunigt sich, und mit ihm die Debatte über ihren Nutzen für das Stromsystem. Der Simulator soll diese Debatte auf eine gemeinsame Datenbasis stellen: Politik, Netzbetreiber, Projektentwickler, Medien und Öffentlichkeit können nachvollziehen, wie Speicher Preisspitzen kappen, negative Preise verringern, den Marktwert von Solarstrom heben, allerdings auch sehen, welche Grenzen ihre Wirkung hat. Weil jede Woche seit dem 1. Januar 2025 abrufbar ist, lassen sich auch besondere Ereignisse untersuchen, etwa Dunkelflauten, Feiertage mit negativen Preisen oder Tage mit Rekordpreisen.

Der Simulator ist eine „Was-wäre-wenn”-Rechnung basierend auf realen Daten, keine Prognose. Er zeigt die Wirkung am Day-Ahead-Markt, Erlöse und Nutzen der Speicher im Intraday-Handel, bei Systemdienstleistungen und Regelenergie sowie bei der Entlastung der Netze kommen hinzu und sind nicht enthalten.

„Speicher glätten den Preis, aber sie erzeugen keinen Strom. Der Simulator zeigt beides sehr klar und damit auch, dass wir Speicher und gesicherte Leistung zusammen denken müssen”, so Leonhard Gandhi.

Der Energy-Charts Preissimmulator steht unter energy-charts.info bereit.

siehe auch für zusätzliche Informationen:

Impressum | Datenschutz | © 1997-2026 BauSites GmbH