DGNB: Neues Zertifizierungssystem für Bestandsquartiere
(12.06.2026) Die DGNB hat einen Kriterienkatalog für die Zertifizierung von Bestandsquartieren vorgelegt. Als Planungs- und Optimierungstool soll die Zertifizierung Bestandshaltern, Kommunen, Sanierungsträgern und Wirtschaftsförderern dabei helfen, den Ist-Zustand ihres Quartiers zu bewerten und eine geeignete Maßnahmenstrategie zu entwickeln. Das System sei ebenso für Baugenossenschaften und bei heterogenen Eigentümerstrukturen anwendbar.
Bisherige Systeme für Stadtquartiere, Businessquartiere, Event Areale, Gewerbegebiete und Industriestandorte, legten einen klaren Fokus auf die Entwicklung neu entstehender Quartiere. Für bestehende Quartiere gab es bislang kein passgenaues Angebot.
Das neue DGNB System steht nun auch für bestehende Quartiere sowie deren Sanierung zur Verfügung. Der ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz der DGNB, bildet auch hier die Grundlage. Klima- und Umweltschutz sei ebenso wichtig wie die Förderung des sozialen Zusammenhalts sowie eine langfristige Wirtschaftlichkeit im Rahmen der vorhandenen finanziellen Möglichkeiten.
Die Basis der Bewertung bildet eine Analyse des Ist-Zustands des Quartiers und die Entwicklung einer darauf aufbauenden Maßnahmenstrategie. Fußt die Neubauzertifizierung eher auf dem Prinzip der Effizienzorientierung, so geht es beim neuen DGNB System für Bestandsquartiere um Erhalt, Weiternutzung und um die Bindung von grauer Energie.
Dem Beitrag einzelner Maßnahmen zur Transformationsleistung wird noch stärker als bislang Rechnung getragen. „Uns geht es bei all dem weniger um die Auszeichnung von Leuchtturm-Projekten als vielmehr um die Transformation in der Breite”, erklärt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. Auch deshalb wurden die Anforderungen der Einstiegsstufen in den Kriterien im Vergleich zur Zertifizierung von neu gebauten Quartieren gezielt gesenkt.
Schlanker Kriterienkatalog
Mit Blick auf die Praxistauglichkeit wurden die Kriterien an sieben Pilotprojekten getestet. Dabei hat sich gezeigt, dass diese Systementwicklung im Vergleich zu anderen Varianten der DGNB Zertifizierung besonders herausfordernd war. Gründe dafür waren die heterogenen Eigentumsstrukturen, Datenlücken sowie eine große Diversität beim Zustand der vorhandenen Bausubstanz. Sie machten es schwierig, ein gemeinsames Set an Anforderungen zu formulieren.
Im Vergleich zum bestehenden Quartierssystem ist die Zertifizierung von Bestandsquartieren deutlich kompakter gehalten und umfasst nur insgesamt 15 Kriterien. Beim am stärksten gewichteten Kriterium „Klima und Energie” gehe es darum, Quartiere auf angemessene Art und Weise in Richtung Klimaneutralität zu führen. Möglich wird dies mithilfe eines Energiekonzeptes, das individuelle CO₂-Reduktionspfade festlegt. Besonders belohnt wird dabei die Umsetzung von Niedrigst-CO₂-Maßnahmen.
Neben dem Klimaschutz bildet die Resilienz im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels ein zentrales Thema des DGNB Systems. Dies betrifft insbesondere die ökologischen Kriterien Wasser, Biodiversität sowie Fläche und Boden. Wesentlich sind zudem auch die ökonomischen Kriterien Klimaanpassung und Umweltrisiken sowie Anpassungsfähigkeit und Flexibilität.
Ebenso spielen soziale Aspekte eine Rolle bei der Bewertung. Es gehe um die Vielfalt für Menschen, um Freiraum, Mobilität sowie die Einbindung des Quartiers ins Umfeld. Belohnt werden insbesondere Partizipationsprozesse und ein systematisches Quartiersmanagement.
Verschiedene Fördermöglichkeiten
Bereits bestehende Fördermöglichkeiten und Finanzierungsvorteile weisen inhaltliche Schnittstellen zur DGNB Zertifizierung auf, z.B. das KfW-Programm 432 „Energetische Stadtsanierung” oder die Städtebauförderung für Kommunen. Sollten einzelne Gebäude im Quartier ein separates DGNB Zertifikat anstreben, ergeben sich Vorteile in Form von Vereinfachungen bei der Nachweisführung.
„Wir können nur alle Kommunen und Quartiersentwickler, Bestandshalter und Sanierungsträger einladen, das DGNB System für Bestandsquartiere selbst einmal auszuprobieren”, sagt Christine Lemaitre. „Es hilft gezielt dabei, ungenutzte Potenziale systematisch auszuschöpfen. Je früher im Projektverlauf begonnen wird, sich mit den Kriterien und den dazugehörigen Zielkonflikten auseinanderzusetzen, umso mehr können sie profitieren.”
Weitere Informationen können per E-Mail an DGNB angefordert werden.
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