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CCS in der Nordsee: Öko-Institut fordert klare Kriterien für CO₂-Speicher

(23.09.2026) Carbon Capture and Storage (CCS) gilt in der aktuellen politischen Debatte als wichtiges Instrument zum Erreichen der Treibhausgasneutralität. Eine neue Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes zeigt jedoch, dass für die Auswahl geeigneter CO₂-Speicher, etwa in der deutschen Nordsee, klare Bedingungen notwendig sind. Nur dann kann CCS ein ergänzendes Element einer nachhaltigen Klimapolitik sein.

Kurzpapier „Anforderungen an Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO₂-Speicher” (Bild: Öko-Institut e.V., Umweltbundesamt) 

„CCS kann nur dann einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sein Einsatz verantwortungsbewusst, begrenzt und möglichst sicher erfolgt”, betont Dr. Florian Krob, CCS-Experte am Öko-Institut. „Klar sollte sein, dass vor allem solche Emissionen im Untergrund gespeichert werden, die wir nicht mit anderen Möglichkeiten vermeiden können.”

Geologische Potenziale treffen auf Nutzungskonflikte

Rein geologisch betrachtet, scheint die Nordsee zunächst vielversprechend für die Speicherung von CO₂ zu sein. In der Praxis dürfte jedoch nur ein kleiner Teil der theoretischen Speicherpotenziale nutzbar sein. Viele Flächen sind bereits für Naturschutz, Windenergie oder militärische Zwecke reserviert.

Florian Krob beschreibt die Folgen der Nutzungskonflikte so: „Es zeichnet sich immer mehr ab, dass ernstzunehmende Nutzungskonflikte bestehen. Der Meeresschutz muss weiterhin unantastbar sein. Werden keine Vereinbarkeiten und Konzepte zur Mehrfachnutzung von Flächen der Windenergie und der Verteidigung gefunden, wird die geologische Speicherung von CO₂ in der deutschen Nordsee überhaupt nur schwer umsetzbar sein.”

Hinzu kommen technische Risiken und Unsicherheiten. Auch die bislang ermittelten Speicherpotenziale sind mit Vorbehalten zu betrachten. „Bislang erfolgen rein theoretische Abschätzungen von Speicherpotenzialen. Die Politik muss damit rechnen, dass am Ende nur ein Bruchteil dieser Potenziale tatsächlich nutzbar sein könnte.” Erfahrungen zeigen, dass sich vermeintlich geeignete Speicher im Betrieb als deutlich weniger geeignet erweisen können.

Damit könnte deutlich weniger CO₂ gespeichert werden, als heute angenommen. Die Studie empfiehlt deshalb, CCS ausschließlich als ergänzende Klimaschutzmaßnahme einzusetzen. Die Technologie sollte auf technisch unvermeidbare Restemissionen, beispielsweise aus der Industrie, sowie auf die langfristige Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre begrenzt bleiben.

Ein breiter Einsatz über die unvermeidbaren Emissionen hinaus könnte nach Einschätzung der Studie die Sicherheit, Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von CCS gefährden.

Umweltbelastungen reduzieren, Umweltverträglichkeit frühzeitig bedenken

Eine umweltverträgliche CO₂-Speicherung sollte Belastungen für Mensch und Umwelt entlang der gesamten Wertschöpfungskette vermeiden. Zu den direkten Risiken zählen Leckagen und Probleme bei der Einspeicherung. Hinzu kommen indirekte Auswirkungen, etwa auf sensible Arten durch Erkundungsarbeiten, den Bau von Pipelines oder seismische Überwachung.

Eine zentrale Voraussetzung für die Umweltverträglichkeit ist die Langzeitsicherheit. „Umweltverträglichkeit entsteht bereits zu einem großen Teil durch Langzeitsicherheit”, betont Florian Krob. Für eine möglichst sichere Speicherung von CO₂ in geologischen Formationen seien deshalb klare Ausschlusskriterien und verbindliche Mindestanforderungen erforderlich. Diese sollten bereits bei der Standortauswahl berücksichtigt werden.

Das Ende 2025 beschlossene Gesetz zur dauerhaften Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid (KSpTG) setzt aus Sicht der Studie jedoch zu spät an. Es sieht eine vertiefte Prüfung der Speicher erst nach Geländeuntersuchungen durch die Betreiber vor. Ein früher ansetzendes Verfahren könnte dagegen festlegen, welche Speicher aus Umwelt- oder Sicherheitsgründen gar nicht erst infrage kommen.

Öffentlichkeit beteiligen und gesellschaftliche Akzeptanz steigern

„Erfahrungen aus anderen Ländern wie Dänemark zeigen, dass frühzeitige, systematische und transparente Verfahren die Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von CCS deutlich erhöhen können. ... Raum ist ein sensibles und knappes Gut, an dem die Öffentlichkeit intensiv Anteil nimmt, wie die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle zeigt.” Eine kontinuierliche Beteiligung könne dazu beitragen, Vertrauen in den Prozess zu schaffen, so der CCS-Experte.

Die Studie „Anforderungen an Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO₂-Speicher” steht unter oeko.de/publikation zum kostenlosen PDF-Download zur Verfügung.

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